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Sommerinterview : Erika von Kalben: Sie hält die Grünen-Fraktion zusammen

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Erika „Eka“ von Kalben ist Fraktionsvorsitzende der Grünen im schleswig-holsteinischen Landtag. In dieser Legislaturperiode ist sie für ihre Partei für das Thema Kita zuständig.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2017 | 14:00 Uhr

Borstel-Hohenraden | Vor drei Monaten hat Schleswig-Holstein gewählt. An der Spitze des Landes steht nun Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), der gemeinsam mit Grünen und FDP eine Koalition einging. Fünf Landtagsmitglieder aus dem Kreis Pinneberg gehören jetzt einer an der Regierung beteiligten Partei an – zum Teil weiter wie Erika von Kalben und Ines Strehlau (beide Grüne) oder wieder wie Barbara Ostmeier und Peter Lehnert (beide CDU). Ganz neu dabei ist Annabell Krämer (FDP). In unserer Interview-Serie sprechen wir mit ihnen über ihre politische Motivation, ihren zum Teil neuen Alltag und die bevorstehenden Aufgaben.

Erika von Kalben, die von ihren Freunden nur „Eka“ genannt wird, ist am 11. Juli 1964 im niedersächsischen Lüchow geboren worden. Die Diplom-Verwaltungswirtin wohnt mittlerweile in Borstel-Hohenraden und ist Mutter dreier Kinder. 1998 trat von Kalben in den Pinneberger Kreisverband der Grünen ein, seit 2012 ist sie Landtagsmitglied und Mitglied des Ausschusses für die Zusammenarbeit der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg.

Frau von Kalben, Sie gehören dem Landtag von Schleswig-Holstein seit 2012 an; es ist Ihre zweite Amtszeit. Was bereitet Ihnen an Ihrer Tätigkeit als Volksvertreterin Freude? Und was würden Sie lieber aus Ihrem Aufgabenbereich streichen?
Erika von Kalben: Meine Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich: Ich weiß am Morgen nicht, welche Überraschungen mich im Laufe des Tages erwarten. Das liebe ich. Der Nachteil ist allerdings, dass meine Familie meistens nicht weiß, wann ich nach Hause komme. Ich mag es besonders, mit Menschen über Politik zu reden, die nicht im Landtag sitzen, zum Beispiel in Schulklassen für Demokratie zu werben.

Sie sind Fraktionsvorsitzende der Grünen. Welche Aufgaben haben sie eigentlich in dieser Position?
Im Grunde nehme ich zwei verschiedene Rollen ein: einmal als Vermittlerin und einmal als Gestalterin. Ich vermittle unsere Inhalte an die Öffentlichkeit und ich vermittle innerhalb der Fraktion, damit wir ein geschlossenes Bild abgeben. Ich achte aber auch darauf, dass der Koalitionsvertrag, so wie er verabredet wurde, von allen Seiten umgesetzt wird. Als Grüne-Fraktion sind wir innerhalb der Koalition der inhaltliche Motor für eine ökologische, nachhaltige und gerechte Entwicklung in Schleswig-Holstein. Als Fraktionsvorsitzende passe ich darauf auf, dass innerhalb von „Jamaika“ Politik auch mit klarer Grünen-Handschrift gestaltet wird. Dabei ist es wichtig, dass wir als Team agieren und sich alle Abgeordneten und auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fraktionen gut einbringen können.

 

Vermissen sie bei den ganzen Aufgaben als Fraktionsvorsitzende nicht manchmal die inhaltliche Detailarbeit an Themen?
In der letzten Legislaturperiode war ich für das Thema Migration und Flucht zuständig, in dieser bin ich es für das Thema Kita. Dazu arbeite ich natürlich auch inhaltlich im Detail. Als Fraktionsvorsitzende muss ich aber auch einen Überblick über alle anderen Themen haben. Da ich ein Mensch bin, der an vielen Themen interessiert ist, ist für mich diese Aufgabe, bei der ich mich schnell in verschiedene Themen einarbeite, ideal.

Wie sieht ein typischer Tag in Kiel aus?
Zwischen 7 und 7.30 Uhr fahre ich zuhause los und erledige unterwegs Telefonate mit meinem Büro und bearbeite E-Mails. Montags bis mittwochs habe ich von 9 bis zirka 18 Uhr Termine in meinem Büro: Rücksprachen mit Abgeordneten, Arbeitskreise, Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern von Vereinen und Verbänden und so weiter. Außerdem nehme ich regelmäßig am Bildungs- und Sozialausschuss teil, der donnerstags tagt, da ich für das Thema Kita zuständig bin. Freitags mache ich regionale Termine oder bin terminlich in Berlin. Abends und am Wochenende finden Veranstaltungen statt, zu denen ich als Repräsentantin eingeladen werde oder auch Diskussionsveranstaltungen mit der Partei.

 

Was war das bislang spannendste Thema, dem Sie sich in Ihrer politischen Arbeit widmen durften?
Tatsächlich die Aufnahme der vielen Menschen in den letzten Jahren in Schleswig-Holstein. Da habe ich viel über das ehrenamtliche Engagement in Schleswig-Holstein gelernt. Und wie aufgeschlossen gerade auch der ländliche Raum für die kulturelle Vielfalt ist. Aber auch, welche Widerstände es gibt, zum Beispiel um einen Islamvertrag in Schleswig-Holstein zu vereinbaren. Das hat mich überrascht. Sehr spannend war auch eine Wassertour, die ich im Rahmen einer Sommerreise durch das Land gemacht habe. Dabei habe ich unglaublich viel gelernt und Ideen zur politischen Umsetzung mitgenommen.

 

Bei welchem Grünen-Thema sind Sie besonders stolz, dass Sie es im Koalitionsvertrag untergebracht haben?
Zunächst einmal knüpfen wir in vielen Politikfeldern an die erfolgreiche Arbeit der letzten Legislaturperiode an und werden diese weiterentwickeln. Das gilt insbesondere für den Kitabereich, in den wir massiv investieren wollen. Eltern und Kommunen sollen entlastet und mehr Personal ausgebildet und angestellt werden. Bildungsgerechtigkeit beginnt bei den Kleinen. Für mich persönlich sind auf jeden Fall die Vereinbarungen zum Familiennachzug und die Aufnahme eines Sonderkontingentes für Geflüchtete wirkliche Highlights und zeigen mir, dass wir auch in der neuen Koalition eine humane Flüchtlingspolitik in Schleswig-Holstein umsetzen werden. Aber auch die konkreten Verabredungen, mit denen wir nun auch den Verkehr klimafreundlicher gestalten wollen, sind große Erfolge und wichtig, wenn man an zukünftige Generationen denkt. Auch das Bekenntnis dazu, Ökonomie und Ökologie besser in Einklang zu bringen, ist ein Grünen-Erfolg, über den ich mich sehr freue. „Jamaika“ wird nicht nur die Verkehrs- und digitale Infrastruktur im Blick haben, sondern auch den Naturschutz und die damit verbundene Infrastruktur angemessen berücksichtigen und ausbauen. Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag, um unsere Lebensgrundlage zu schützen und dem Artenschwund entgegenzuwirken.

Und welche Kröte mussten Sie schlucken, damit die „Jamaika“-Koalition zustande kommt?
Ich hätte mir einen Schulfrieden gewünscht, für den ja alle Parteien vor fünf Jahren geworben haben, und den Schulen lieber im bestehenden System Raum und Zeit für die qualitative Arbeit gelassen. Wir werden dafür sorgen, dass die Schulen so gut ausgestattet werden, dass alle Kinder an allen Schulen eine gute Ausbildung bekommen können.

Haben Sie schon einen Unterschied im Landtagsalltag mit Ministerpräsident Daniel Günther gegenüber dem unter Torsten Albig festgestellt?
Nun: Im Wesentlichen besteht der Unterschied darin, welche Seite des Hauses den Ministerpräsidenten bei seinen Reden beklatscht. Im Ernst: Ich habe mit Torsten Albig sehr gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet und ich gehe davon aus, dass das mit Daniel Günther genauso gut gehen wird. Bis jetzt klappt es bestens. Beiden nehme ich ab, dass sie das Beste für Schleswig-Holstein wollen, und darauf kommt es an.

Sogar im Handbuch des schleswig-holsteinischen Landtags heißen Sie Eka von Kalben. Wer nennt Sie eigentlich noch Erika?
Eine sehr alte Schulfreundin, die das immer getan hat, sonst sagen alle Eka. Nur mein Enkel sagt Oma-Eka.

Angenommen, Sie hätten einen Wunsch frei. Wie lautete der?
„Weltfrieden“ ist voll zu groß, oder? Ansonsten würde ich sehr gern mal an einem Gewässer wohnen, also ein „Haus am See“. Welch ein Glück, dass ich von meinem Büro auf die Kieler Förde schauen kann.

Mit wem würden Sie gern – vielleicht auch nur für einen Tag – tauschen?
Mit irgendjemandem, der auf dem Meer arbeitet, zum Beispiel mit einer Lotsin. Die sucht auch die besten Wege.

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