Kreis Pinneberg : Erfolgreiches Ackern für die Tafeln

Ernte im  „Tafelgarten“ in Appen: Anleiter Jacek Powalowski (v. links),  Stefan Umland, Frank Rilat und Jörn Dumke.
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Ernte im „Tafelgarten“ in Appen: Anleiter Jacek Powalowski (v. links), Stefan Umland, Frank Rilat und Jörn Dumke.

Ein-Euro-Jobber ernten zentnerweise Obst und Gemüse für die Lebensmittelausgaben in Elmshorn, Pinneberg und Uetersen.

shz.de von
21. November 2013, 06:00 Uhr

Endspurt zwischen Karotten und Kohl: Bis zu 29 sogenannte Ein-Euro–Jobber säten, ackerten und ernteten in dieser Saison in den „Tafelgärten“ des Kreises Pinneberg , um die Tafeln in Elmshorn, Pinneberg, Uetersen sowie das Pinneberger Café Pino regelmäßig kostenlos mit frischem Obst und Gemüse eindecken zu können.

Hinter den Mitarbeitern liegt eine erfolgreiche Saison. Mehr als 600 Stück Blumenkohl, 600 Stück Fenchel, 700 Stück Rotkohl, 2400 Stück Porree, 2600 Kilogramm Karotten, 300 Kilogramm rote und gelbe Beete, 1000 Stück Salat sowie weitere Obst- und Gemüsesorten von Spinat über Tomaten, Äpfel, Zucchini, Zwiebeln bis zu Rettich, Kürbis und Kohlrabi wurden geerntet.

Das Projekt für langzeitarbeitslose Menschen wird von der Perspektive Zukunft getragen, einer gemeinnützigen GmbH der Arbeiterwohlfahrt (Awo), der Lebenshilfe Pinneberg und der Diakonie.

„Von Bedürftigen für Bedürftige“, beschreibt Projektleiterin Beatrix von Bloh das Motto des „sinnstiftenden“ Projekts – eine der wenigen verbliebenen Arbeitsgelegenheiten im Kreisgebiet, in die das Jobcenter Langzeitarbeitslose vermittelt.

Jeweils bis zu maximal ein Jahr lang sind die Teilnehmer 30 Stunden wöchentlich ab 8 Uhr morgens für 1,30 Euro pro Stunde in den Tafelgärten im Einsatz, die seit 2010 in jedem Jahr an verschiedenen Orten angelegt werden. In dieser Saison waren die Neu-Gärtner zum ersten Mal auf 6000 Quadratmetern auf dem Gut Schäferhof in Appen im Einsatz. Seit 2010 werden in dem Projekt zudem jedes Jahr gepachtete Parzellen im Elmshorner Kleingartenverein bewirtschaftet. In diesem Jahr waren es sieben. 2010 und 2011 habe es zudem einen Garten mit Riesengewächshaus in Prisdorf gegeben, das finanziell jedoch nicht länger tragbar gewesen sei, so von Bloh.

„Wir ernten ganz frisch. Das Gemüse geht am gleichen Tag zur Ausgabe an die Tafeln. Gerade bei Gemüse ist es so, dass es nicht immer ganz frisch ist, was aus den Märkten zu den Tafeln kommt. Es geht bei dem Projekt auch um Gesundheitsmanagement und darum, das Bewusstsein für gesunde Ernährung zu fördern“, sagt von Bloh. Zudem werde das Gemüse in der Elmshorner Tafel auch für das täglich angebotene warme Mittagessen verwendet. Das Pinneberger Café Pino nutze die frischen Zutaten ebenfalls für den Mittagstisch. „Unser Gemüse stammt aus vorwiegend biologischem Anbau. Gedüngt wird mit Rinderdung und Pferdemist.“

Von Bloh wertet das Gartenprojekt als großen Erfolg. Es gehe auch darum, die Teilnehmer zu stärken, ihnen eine Tagesstruktur zu geben und sie ans Arbeitsleben heranzuführen. Mit einem von der Perspektive Zukunft eingerichteten Fahrservice werden Teilnehmer aus Wedel, Uetersen und Pinneberg täglich morgens zur Arbeit im Appener „Tafelgarten“ gebracht. In die Elmshorner „Gärten“ vermittelt das Jobcenter nur Einwohner der Krückaustadt.

Dass sie zupacken können, zeigen die „Tafelgärten“-Mitarbeiter auf dem Appener Gelände. „Man hat was um die Ohren, ist an der frischen Luft. Am Ende des Tages sieht man eine Fläche, die man geschafft hat. Man hilft anderen Leuten und arbeitet im Freien. Das gefällt mir“, so Teilnehmer Stefan Umland.

Anleiter Jacek Powalowski, der die Arbeiter auf der Anbaufläche am Schäferhof betreut, berichtet: „Ich sage immer: Ich habe eine sehr gute Truppe. Sie haben hier aus den 6000 Quadratmetern wirklich jede Menge herausgeholt.“

Ob und wie genau es mit den Tafelgärten im nächsten Jahr weitergeht, ist bislang allerdings unklar. Jährlich müsse das Jobcenter über eine Projekt-Fortsetzung neu entscheiden, so von Bloh. „Die Signale des Jobcenters sind allerdings sehr positiv, das gemeinsame erfolgreiche Projekt im Jahr 2014 fortzusetzen.“ Geplant sei laut der Projektleiterin, die Tafelgärten in Elmshorn im nächsten Jahr fortzuführen. Aufgrund des „kostenintensiven“ Fahrshuttles werde es jedoch im nächsten Jahr keinen „Tafelgarten“ auf dem Gelände des Appener Schäferhof mehr geben.

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