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Pinneberger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 03:12 Uhr

Pinneberg : Erfolgreiche Theaterpremiere

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ensemble des Forum Theaters begeistert mit dem Stück „Jakes Frauen“. Weitere Vorstellungen am kommenden Wochenende.

Pinneberg | „Eine ungewöhnlich originell entworfene Komödie“ nennt das Forum Theater seine erste Produktion nach der Sommerpause, „Jakes Frauen“ von Neil Simon. 1992 war es ein Broadway-Hit, ausgestattet mit allen dazu notwendigen Attributen: Liebe und Verrat, psychologisch modern zu total chaotischen Beziehungen aufgepäppelt, dazu eine Menge Klamauk und schließlich ein Happy End.

Auf jeden Fall ist es ein anstrengendes Stück, für das Publikum ebenso wie für die Mimen auf der Bühne. Das meiste, was sie spielen, ist „Kopfkino“, virtuose Inszenierung einer unermüdlichen Einbildungskraft, die den Schriftsteller Jake (Hans Molenda) mehr und mehr beherrscht. Seine verstorbene erste Frau Julie (Anja Beeck) spielt darin mit. Molly, die Tochter der beiden, ist gleich zweimal dabei, als Zwölfjährige (Franziska Rarey) und als Erwachsene (Anna Bonkewitz).

Sogar Jakes Psychotherapeutin Edith (Hanne Schellwald) ist zumindest meistens, vielleicht sogar die ganze Zeit über, eine Phantasiegestalt. Bei Jakes Schwester Karen (Gudrun Göller) und seiner Geliebten Sheile (Nicola Heubach) kann man sich nicht sicher sein, in welche Welt sie gerade gehören. Nur Jakes Frau Maggie (Eveline Düstersiek) ist wohl die ganze Zeit über aus echtem Fleisch und Blut.

Diese verwirrenden Szenarien auf die Reihe zu kriegen ist nicht nur für Jakes Hirn eine Herkulesaufgabe sondern auch für Regisseur Lutz Hatje. Er rückt ihr mit überzeugenden Einfällen zu Leibe: Mal lässt er seine Akteure aus den Zuschauerreihen aufspringen, dann wieder tauchen sie gespenstisch unvermittelt aus dem schwarz verhüllten Bühnenhintergrund hervor. Sie reden viel, aber bewegen sich wenig, ganz im Gegensatz zum Protagonisten Jake, der unentwegt auf der Flucht zu sein scheint, rastlos von einer Bühnenseite zur anderen jagt, manchmal auch für die Zuschauer nervig.

Thomas Körners Bühnenausstattung kommt dem sehr entgegen. Es gibt mehrere Ebenen, stufenweise ansteigend vom Niveau des Zuschauerraums bis hinauf zum angedeuteten Arbeitsplatz des Schriftstellers. Auf der größten Spielfläche stehen sich zwei Sessel gegenüber, sonst gibt es keine Requisiten. Am Ende der gut besuchten Premiere klang der Applaus eher intellektuell nachdenklich. Von den Schauspielern, die sich vor dem Publikum verneigten, waren einige erkennbar verschwitzt. Sie alle, vor allem aber Molenda als Jake, hatten in der Hitze des Rampenlichts eine auch körperlich bis an die Grenzen des Menschenmöglichen gehende Leistung vollbracht, die größten Beifall verdiente.

Am kommenden Wochenende sind weitere drei Vorstellungen geplant. Nähere Infos im Internet.

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