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Mit der Zeitung in die Badewanne : Erfinder und Tüftler im Kreis Pinneberg

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Hans-Heiner Krohn aus Elmshorn erfindet Gegenstände, die Probleme des Alltags lösen. Ein Beispiel ist eine Klemmen, die das Zeitungslesen erleichtern soll.

shz.de von
erstellt am 16.Apr.2016 | 15:00 Uhr

Kreis Pinneberg | „Gerlinde, das ist ein Geschmacksmuster, oder?“, ruft Hans-Heiner Krohn seiner Frau hinterher und wedelt dabei mit einem kleckerreduzierenden Spezialkaffeebecher. Geschmacksmuster, Gebrauchsmuster oder Patent, diese Wörter nutzt Krohn im Gespräch mit dieser Zeitung häufig: Krohn ist Erfinder. Und der Becher ist nur eine seiner Ideen.

„Ich bin kein Thomas Alva Edison. Ich gehe nur mit offenen Augen durch die Welt“, erzählt der Elmshorner. Seine Einfälle kämen ihm spontan, immer wenn er auf ein Problem stößt. „Das habe ich schon als kleiner Junge gemacht. Warum soll ich Schularbeiten machen, wenn mein Kumpel oder meine Oma das auch machen kann“, sagt er.

Seine neueste Erfindung hat aber mit Zeitungen zu tun. Krohn hat Klammern entwickelt, die das Zeitungslesen vereinfachen sollen. Zwei von ihnen werden um die Falz geklemmt und halten das Blatt zusammen. „Mein Mann liest gern Zeitung in der Badewanne. Da kommt diese Idee her“, erzählt seine Frau. Immer wieder waren die Blätter auseinandergefallen und ins Wasser gerutscht. Eine Lösung musste her. „Die Idee ging mir nicht mehr aus dem Kopf“, sagt Krohn, der mehrere Anwendungsmöglichkeiten aufzählt. Am Strand oder draußen bei Wind, aber auch in der Bahn könnten seine Klemmen helfen, weil sich die Zeitung immer noch knicken lässt. „Wenn Sie in der Bahn eine Zeitung ganz aufklappen, sitzen Sie ja halb beim Nachbarn“, sagt er.

Die Klemmen befestigt man an der Zeitungsfalz.
Die Klemmen befestigt man an der Zeitungsfalz. Foto: Lottmann

Das Erfinden sei sein Hobby, sagt Krohn, der früher als Schlachtermeister gearbeitet hat. Doch wenn der Elmshorner von seinen Zeitungsklemmen spricht, klingt das professionell. Über Funktionalität, Herstellungskosten und Haltbarkeit denkt er nach. Auch über den Verkaufpreis macht er sich seine Gedanken: „Die kosten vielleicht gerade mal so viel, wie eine Currywurst mit Pommes frites.“ Hier unterscheide sich seine Erfindung auch von den gängigen Zeitungshaltern aus Holz. Diese seien schlecht zu bekommen, teuer „und niemand kann sich die in die Hosentasche stecken.“

Krohn ist ein Problemlöser. „Ich erfinde keine neuen Hubschraubermotoren, sondern Sachen, die den Alltag erleichtern“, sagt er. 19 seiner Erfindungen hat Krohn als Geschmacks- oder Gebrauchsmuster beim Patentamt in Jena angemeldet. Bei der Anmeldung helfe seine Frau. Bilder müssen gemacht und Erklärtexte geschrieben werden. „Das kann meine Frau besser als ich.“ Manchmal telefoniert Gerlinde Krohn auch mit großen Firmen und stellt dort die Erfindungen ihres Mannes vor. Auch seine Tochter werde eingespannt. Weil sie gut Englisch spricht, könne sie Unternehmen aus dem Ausland ansprechen.

„Einmal waren wir ganz kurz vor dem Durchbruch“, erzählt der Elmshorner. Ein Sportschuhhersteller hatte sich für seine Idee interessiert, mit der Fußbälle im Spiel weniger leicht über den Spann rutschen. Die Firma hatte schon Musterstücke herstellen lassen, doch am Ende sei nichts daraus geworden. „Diese ständigen Absagen nerven etwas“, sagt Krohn. Schwerwiegender sei aber, wenn Firmen seine Idee stehlen. „Zwei Mal sind Sachen einfach geklaut worden“, berichtet Krohn. Lange geärgert habe er sich aber nicht: „In der Zwischenzeit ist mir schon was Neues eingefallen.“

Mehr ärgern würde er sich über die Reaktion seines Umfeldes. Manche seiner Bekannten würden seine ständigen Ideen belächeln. „Anscheinend kann sich niemand vorstellen, dass so ein simpler Schlachter so etwas kann“, sagt er. Doch bei den Zeitungsklemmen sei das anders. Bekannte nutzen sie beim Zeitungslesen auf dem Balkon. „Wir haben sie auch in den Urlaub mitgenommen und dort am Strand ständig verliehen“, erzählt seine Frau.

Keine Tüftler, sondern Erfinder: Hartmuth Drews
vom Erfinderclub Schleswig-Holstein

„Sie wissen ja, Erfinder arbeiten entweder im Keller oder in der Garage“, sagt Hartmuth Drews und steigt die Treppe hinab. Im Keller seines Wohnhauses hat sich der Pinneberger eine Werkstatt eingerichtet. „Gedankenwerkstatt“ nennt er diesen Raum. Statt Werkzeug steht ein Computer in der Ecke und Schaubilder hängen an den Wänden. „Wer keine Fehler macht, ist nicht innovativ genug“, steht auf einem Zettel an der Pinnwand.

Innovativ sein, das ist ein Lebensmotto von Drews. Der Pinneberger ist Erfinder und Vorstandsmitglied beim Schleswig-Holsteiner Erfinderclub. Etwa 60 Mitglieder organisieren sich hier seit 1997. Mit dem Klischee des eigenbrötlerischen Erfinders, der allein an seinen Ideen werkelt, räumt Drews auf: „Wer nur allein in seinem Kämmerlein sitzt, kommt mit seinen Erfindungen nicht weit.“

Hartmuth Drews mit seinem Modell zu einem Antrieb.

Hartmuth Drews mit seinem Modell zu einem Antrieb.

Foto: Lottmann
 

Der Club trifft sich einmal im Monat in Flintbek bei Kiel. Hier stellen die Mitglieder ihre neuen Erfindungen vor, doch es wird auch gemeinsam an den Ideen gearbeitet. Das Gute dabei sei, dass die Mitglieder aus vielen unterschiedlichen beruflichen Richtungen kommen, sagt Drews. So würden ganz unterschiedliche Erfahrungen aufeinandertreffen.

Ein wichtiges Thema im Club sei die Anmeldung von Patenten. „Unsere Mitglieder erarbeiten das Patent selbstständig, aber wir haben auch Hilfe von einem Patentanwalt“, so Drews. Patente müssten ganz bestimmte Anforderungen erfüllen. So sei etwa die Form genau festgelegt. „Auch der innovative Charakter muss sich deutlich vom derzeitigen Stand der Technik abheben“, sagt Drews. Erfinder sein heißt deshalb auch, dass man viel recherchieren muss. Dazu gehört eine gewisse Professionalität. „‚Tüftler‘, das Wort hören wir nicht so gern“, sagt Drews, „das klingt zu sehr verniedlicht.“

Drews selbst hat seine Erfindungen zu seinem Beruf gemacht. Der Bauingenieur hat ein Wasserrad entwickelt, mit dem sich Strom erzeugen lässt und auch einen Nachrüstsatz, mit dem man ein Fahrrad mit einem Elektroantrieb ausstatten kann, hat er vorgestellt. Beide Erfindungen werden  nun gemeinsam mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen weiterentwickelt.

Gemeinsam arbeiten die Mitglieder des Erfinderclubs Schleswig-Holstein  seit einigen Jahren an einer Kollektiverfindung. Einen Druckluftspeicher, der auf dem Meeresboden verankert wird, haben sie entwickelt. In den etwa 400 Meter langen , 80 Meter breiten und 57 Meter hohen Speicher wird Luft reingepumpt, wenn viel Strom produziert, aber nicht abgenommen wird. Steigt der Bedarf, wird Luft aus dem Speicher abgeleitet und treibt dabei einen Generator an. Dadurch entsteht wieder Strom. Der Club hat seine Erfindung bereits im Landeswirtschaftsministerium vorgestellt. Derzeit wird die Realisierbarkeit geprüft. Im September wird die Erfindung bei einer Ausstellung der Industrie- und Handelskammer in der Merkur-Passage in Kiel der Öffentlichkeit vorgestellt.
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