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Tornescher Kita „Weltenbummler“ : Engagement für die Kinderseelen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Traumjob oder Stress? Was macht den Beruf der Erzieherin aus? Ein Besuch in der neuen Tornescher Kita „Weltenbummler“.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2013 | 12:00 Uhr

Ein Beruf mit Zukunft. Ein Beruf mit hohen Anforderungen. Ein Beruf, der mehr oder weniger gut bezahlt wird. Erzieher leisten in Kindertagesstätten, als Tagesmütter und in anderen Einrichtungen eine wichtige Arbeit. Grund genug für die Redaktion dieser Zeitung, sich einmal näher mit diesem Berufsbild zu beschäftigen.

Christina Eremenko und Pamela Schroetter sind Erzieherinnen in der im September dieses Jahres neu eröffneten Kindertagesstätte „Weltenbummler“ des Hamburger Trägers WABE e.V. in Tornesch. Beide haben sich bewusst und mit Leidenschaft für ihren Beruf entschieden. Während die 21-jährige Christina direkt nach dem Ende ihrer Ausbildung zur sozialpädagogischen Assistentin in die Kita kam, kann Pamela Schroetter auf eine lange Berufszeit zurückblicken.

Für beide neu ist die offene Arbeit, wie sie in allen Einrichtungen der Wabe praktiziert wird. „Ich habe in verschiedenen Kitas unterschiedlicher Träger in Hamburg gearbeitet“, berichtet Schroetter, für die der Schritt in den neuen pädagogischen Ansatz, bei dem Kindern ein breiterer Spiel- und Entwickungsraum gelassen wird, eine große Umstellung war. „Ich hatte schon ein paar Bedenken. Schließlich war ich zuvor nur in der geschlossenen Arbeit tätig. Auch unter meinen Kollegen aus anderen Häusern mit denen ich gesprochen hatte, herrscht viel Skepsis.“ Trotzdem entschied sie sich, dieses persönliche Risiko einzugehen. „Wichtig bei Erziehern, die ihren Weg zu uns finden ist, dass sie offen sind und Bereitschaft signalisieren, sich mit der Offenen Arbeit zu beschäftigen“, ergänzt Claudia Janson, Mitarbeiterin in der Öffentlichkeitsarbeit der Wabe.

Das Küken in der Mannschaft

Für Christina Eremenko war die Umstellung hingegen nicht schwer. Die 21-Jährige hat schon während ihrer Ausbildung erste Erfahrungen in der offenen Arbeit sammeln können, unter anderem an einer Ganztagsschule. Sie ist das Küken in der Mannschaft, die sich zum 1. September neu gefunden hat. „Mir war es wichtig, nach meinen Stärken eingesetzt zu werden und diese Möglichkeit gibt mir dierse Pädagogik.“ Während sich Pamela Schroetter auf den Bereich Wellness und Motorik konzentriert, fand Eremenko in der „Kreativabteilung“ der Kita ihren Platz. „Ich war schon als Kind immer sehr kreativ“, erzählt sie. Und so ist es nur folgerichtig, dass sie nun im Kunstatelier mit den Kindern bastelt, tuscht und Gipsarbeiten macht. Jeden Tag macht sie den Kindern ein neues Angebot, denn das Prinzip funktioniert nach genau diesen Mechanismen. „Die Erzieher erarbeiten jeden Tag ein neues Programm. Die Kinder entscheiden dann, worauf sie Lust haben“, erläutert Janson das Modell. Und während Eremenko auf die Kreativität setzt, überlegt sich ihre 48-jährige Kollegin,w ie sie mit Wasser und Welness ein ähnlich gutes Programm auf die Beine stellen kann. Trotzdem, so betonen beide, gebe es keine Konkurrenz unter den Kolleginnen. „Wir sind alle gefordert, gemeinsam für die Kinder das Beste zu erreichen. “

Ihre Aufgabe verstehen sie dabei nicht, die Kinder jeden Tag zu bevormunden und ihnen in einer festen Gruppe eine festgezurrte Struktur zu geben. „Kinder haben ihren eigenen Motormind wir Erwachsenen die Aufgabe, ihnen den Weg zu ebnen“, so Schroetter. In ihrer täglichen Arbeit haben die Beiden dabei stets mit Kindern aus den verschiedensten sozialen Schichten zu tun. Und entsprechend auch mit den unterschiedlichen Eltern. „Den Umgang mit den Eltern lernt man nicht in der Ausbildung“, lacht Eremenko, die sich in die Elterngepräche ersteinmal henein denken muss und sich dabei auch auf die Erfahrung der Kolleginnen verlassen kann. Die Ansprüche der Eltern seien genau so individuell wie die Fähigkeiten der zu betreuenden Kinder. Geht es vielen Eltern zunächst einmal darum, ihre Kinder in guten Händen zu wissen, legen andere großen Wert darauf, genau zu erfahren, was ihre Sprösslinge den Tag über gemacht haben. Dabei liegt die Entscheidungsfreiheit jedoch immer in den Händen der Kinder. „Die Jungen und Mädchen haben hier die Möglichkeit, sich auszuprobieren“, betont Janson.

Kritik am Prinzip der Offenen Arbeit

Mit dem Prinzip der Offenen Arbeit seien immer wieder Ängste verbunden, besonders in der Elternschaft. So würde bemängelt, dass Erzieher für einzelne Lernbereiche Verantwortlichkeit übernehmen müssten und daher als feste Bezugsperson verloren gingen. „Gerade in der Phase der Eingewöhnung haben die Kinder immer eine feste Bezugsperson, aber eben auch die Möglichkeit, diesen Bezug auf eigenes Empfinden wieder zu lösen“, sagt Schroetter. Dass die Kinder damit überfordert sein könnten, was ebenfalls oftmals als Kritikpunkt an der offenen Arbeit angeführt wird, können weder Schroetter noch Eremenko bestätigen.

Und doch gibt es auch Kritikpunkte, welche die beiden Frauen anführen. „Wir könnten noch den einen oder anderen männlichen Kollegen gebrauchen.“ Zwar seien derzeit zahlreiche Stellen bei der Wabe ausgeschrieben, aber „es muss für alle Beteiligten passen“, sagt Janson, die hofft, in den kommenden Wochen neues Personal zu finden. Sukzessive wird dann die Anzahl der Erzieher erhöht werden. Und vielleicht können die Kolleginnen dann auch einen Kollegen in ihren Reihen begrüßen. Männer sind nämlich, trotz aller Bemühungen, immer noch eine unterrepräsentierte Spezies in den Kindertagesstätten. Obwohl Träger und Politik immer wieder betonen, wie wichtig auch Männer als Bezugspersonen für die Jungen und Mädchen sind. „Männer sind auch für das Betriebsklima gut, da sie in vielen Dingen eine ganz andere Perspektive haben“, stimmen Eremenko und Schroetter überein.

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