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Kreis Pinneberg : Energy-Drinks im Visier: Die Dosis macht das Gift

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Warnungen vor übermäßigem Konsum. Experten fordern Einschränkungen in der Abgabe an Minderjährige.

Kreis Pinneberg | Bereits seit einer Weile stehen Energy-Drinks aufgrund der freien Verfügbarkeit für Kinder und Jugendliche trotz ihres hohen Koffeingehalts in der Kritik. Ende 2014 hatte Litauen als weltweit erstes Land ein Abgabeverbot von Energy-Drinks an Kinder und Jugendliche in Kraft gesetzt. Seit Dezember 2014 gehört in Deutschland bereits der Warnhinweis „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen“ auf alle frei verkäuflichen Getränke mit einem Koffeingehalt über 150 Milligramm. Das geht einigen Kritikern der süßen, aufputschenden Flüssigkeiten nicht weit genug. Institutionen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO), Foodwatch oder das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) machen auf Gesundheitsgefahren im Falle des übermäßigen Konsums aufmerksam.

Auch Christine Nilsen, Leitende Diätassistentin der Regio-Kliniken im Kreis Pinneberg, fordert gesetzliche Einschränkungen des Verkaufs an Kinder und Jugendliche. „Der Geschmack ist Nebensache. Was für die jungen Käufer zählt, ist die Aufmachung. Je aufwendiger das Design der Dose, je schriller die Farbe, je dubioser die Herkunft, desto besser“, so Nilsen. „Koffein wirkt sich auf das zentrale Nervensystem aus, macht wacher und steigert die Aufmerksamkeit.“ Das Koffein an sich sei nicht ungesund, bestätigt die Diätassistentin. Allein die Dosis mache das Gift.

Für einen gesunden Erwachsenen gelte eine Tagesdosis Koffein von 350 Milligramm als unbedenklich. Das entspräche vier Tassen Kaffee oder einem Liter Cola. Ein Viertelliter Energy-Drink enthalte etwa 80 Milligramm Koffein. Für Kinder und Erwachsene diene eine tägliche Dosis von drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als Orientierungswert. Mit dieser Aussage zielt Nilsen in dieselbe Richtung wie die Ergebnisse einer Studie der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA). Und Nilsen warnt: Ein zwölfjähriger Junge mit 50 Kilogramm Körpergewicht überschreitet diese Grenze nach dieser Rechnung bereits mit einer 0,5-Liter-Dose eines Energy-Drinks.

Laut der EFSA-Studie, durchgeführt mit Teilnehmern aus 13 EU-Ländern, konsumieren 68 Prozent der befragten zehn- bis 18-jährigen Jugendlichen Energy-Drinks. Zwölf Prozent zählen aufgrund ihres monatlichen Konsums von sieben Litern zu den stark chronischen Konsumenten. Von den befragten drei- bis zehnjährigen Kindern konsumieren 18 Prozent Energy-Drinks, 16 Prozent als stark chronische Konsumenten nahezu vier Liter pro Monat.

Nilsen erläutert: Die eigentliche Gefahr liege am Mix mit Alkohol. Durch die Süße merkten die Konsumenten nicht, wie viel Alkohol sie trinken würden.

Nach Auskunft der leitenden Kinderärztin der Pädiatrie am Regio-Klinikum Pinneberg, Bettina Moser, habe es jedoch noch keine Fälle von Einweisungen Jugendlicher mit erkennbaren Missbrauchssymptomen von Ernery-Drinks in den Notaufnahmen Elmshorn, Pinneberg oder Wedel gegeben.

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erstellt am 08.Mär.2015 | 11:00 Uhr

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