Endlich Liebe

Haben sich wiedergefunden: Michael Trowitzsch und Karin Exarchos kennen sich seit der Grundschule und wohnen jetzt gemeinsam in Barmstedt.
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Haben sich wiedergefunden: Michael Trowitzsch und Karin Exarchos kennen sich seit der Grundschule und wohnen jetzt gemeinsam in Barmstedt.

Vor Jahrzehnten drückten sie gemeinsam die Schulbank – jetzt leben Michael Trowitzsch und Karin Exarchos als Paar in Barmstedt

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14. Juli 2018, 15:49 Uhr

Er ist in Barmstedt aufgewachsen, war Jahrzehnte auswärtig, hat Theologie studiert und als Professor gelehrt, besuchte 2012 erneut Barmstedt und fand seinen Grundschulschwarm wieder. Seit kurzer Zeit wohnt Michael Trowitzsch (73) mit Karin Exarchos, geborene Dölling, in Barmstedt und ist per Unterschrift im Rathaus Neubürger geworden.

In der Schuhmacherstadt wuchs er auf, weil sein Vater im damaligen Krankenhaus eine Stelle als Internist erhielt. Seine Eltern kamen aus Stralsund im damaligen Vorpommern. Sie konnten 1945 in eines der letzten auslaufenden Schiffe steigen und landeten in Dänemark. Sie lebten auf Fehmarn und zogen 1950 berufsbedingt nach Barmstedt. Als Trowitzsch zur Schule kam, fiel ihm Karin Dölling auf. „Wir mochten uns damals schon sehr gern“, so die beiden. Ihre Wege gingen aber zunächst weit auseinander. Trowitzsch besuchte eineinhalb Jahre die Bismarckschule in Elmshorn, dann zogen seine Eltern nach Lübeck, wo er 1965 das Abitur machte. Er studierte in Württemberg, wo er auch sein Vikariat absolvierte und hatte dort ein Pfarramt inne. Auch in Schwaben war er Pastor. „Die sprechen dort ein so breites Schwäbisch, das konnte ich nicht lernen“, sagte Trowitzsch lachend. Akzeptiert sei er trotzdem worden. Fünf Jahre war er wissenschaftlicher Assistent in Bochum. „Ich habe viel über Martin Luther gearbeitet, ich finde seine Theologie nach wie vor wichtig“, sagte er.

Seine Doktorarbeit schrieb Trowitzsch in Tübingen. Es kam schnell der Ruf aus Münster, dort eine Professur zu übernehmen. „Ich lehrte systematische Theologie, Dogmatik und Ethik sowie Philosophie“, so Trowitzsch, der während dieser Zeit guten Kontakt zur katholischen Fakultät pflegte. „Die Verbindung Lehre und Forschung für einen Professor ist äußerst spannend, ich beschäftigte mich mit dem evangelischen Theologen Karl Barth aus dem 20. Jahrhundert, der reformatorisch und für soziale Belange immer offen war“, sagte Trowitzsch, der über ihn ein Buch schrieb und ihn aus der Gegenwart sieht.

Der Barmstedter schrieb weitere Bücher, das jüngste heißt „Christus allein. Vom Fährmann der Zeit“. Auch hier betrachtet er christliche Texte aus heutiger Sicht unbekümmert erbaulich und gradlinig. Es sind auch einige von ihm gehaltene Predigten in Barmstedt enthalten.

Nach dem Mauerfall zog es ihn 1993 nach Jena. „Es war eine kleine Fakultät mit wenigen Studenten, aber es herrschte eine tolle Aufbruchstimmung“, sagte er. In Gesprächen erfuhr er, dass es während der DDR-Zeit auch unter Theologen Spitzel gegeben habe. Bis zu seiner Pensionierung 2010 lehrte er in Jena und wohnte dann in Weimar. Wenn er von seiner Professorentätigkeit spricht, strahlen seine Augen. „Die 27 Jahre Professur habe ich mit großer Leidenschaft ausgeübt“, so Trowitzsch. Überhaupt sei sein beruflicher Weg sehr erfüllend gewesen.

Wie kam er wieder nach Barmstedt? „Die Mutter meiner Schulfreundin, Gertrud Dölling, hatte brieflich immer Kontakt mit mir gehalten“, sagte er. Spontan entschloss er sich Weihnachten 2012, sie in Barmstedt zu besuchen. Dort traf er seine Karin wieder, die lange in Griechenland gelebt hatte. „Der Blitz schlug bei uns ein“, sagen beide. Derzeit sind sie mit dem Einrichten ihrer Wohnung beschäftigt. So viele Bücher müssen in Regale gestellt werden. „Wir sind viel herumgekommen. Barmstedt ist zauberhaft, hier fühlen wir uns wohl.“

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