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Pinneberger Tageblatt

19. Oktober 2017 | 20:24 Uhr

Endlich: Kinderarzt für Halstenbek

vom

shz.de von
erstellt am 03.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Halstenbek | Nach langem Ringen bekommt Halstenbek endlich seinen Kinderarzt: Dr. Jürgen Stieh (53) heißt er, seit 2003 lebt er in Halstenbek und fühlt sich dort so wohl, dass er sich "gefühlter gebürtiger Halstenbeker" nennt. Seine neue Praxis soll in das Gebäude an der Gustavstraße 7 ziehen, das sich noch im Bau befindet. Im Oktober dieses Jahres hofft Stieh, die Praxis eröffnen zu können. Noch arbeitet er in Hamburg-Wilhelmsburg.

20 Jahre lang hatte sich die Gemeinde um die Zulassung für einen Kinderarzt bemüht. Doch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) lehnte alle Anträge ab: Der Kreis Pinneberg habe bereits eine hohe Ärztedichte, sei mit 113,7 Prozent sogar überversorgt, hieß es.

Viele Halstenbeker empfanden das anders. Etwa 2500 Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren leben in der Gemeinde, 1000 weitere gehen dort zur Schule oder sind im Sportverein aktiv, berichtet Wirtschaftsförderin Elke Tramm. Gerade für die jungen Sportler sei es wichtig, dass sie bei einer Verletzung schnell den Arzt erreichen könnten.

Immer wieder, erklärt Stieh, hätten ihn Anwohner gebeten, seine Praxis nach Halstenbek zu verlegen. Denn viele Eltern stört es, dass sie zum Kinderarzt nach Pinneberg oder Hamburg fahren müssen. "Manche Kinder mussten in der Schule einen halben Tag fehlen, nur um irgendwo zum Impfen zu fahren", berichtet Barbara Burton, Rektorin der Grundschule Bickbargen. "Für die Familien ist das ein echtes Problem."

Deshalb ergriffen die Bürger die Initiative. Sie sei es leid gewesen, "immer in der überfüllten Arztpraxis in Schenefeld" zu sitzen, berichtet Gemeindevertreterin Gudrun Gabriel-Schröder (Grüne), Mutter dreier Kinder. Gemeinsam mit Gleichgesinnten initiierte sie im Dezember 2011 eine Unterschriftenaktion, 1288 Halstenbeker unterzeichneten die Forderung nach einem Kinderarzt. Zunächst verhallte der Protest scheinbar wirkungslos: Im März 2012 lehnte die KV den Sonderbedarfssantrag der Gemeinde ab. "Aber der Bedarf ist dadurch deutlich geworden", betont Bürgermeisterin Linda Hoß-Rickmann.

Im Oktober 2012 schrieb die KV die Zulassung für einen weiteren Kinderarzt im Kreis Pinneberg aus. Stieh bewarb sich erneut und legte sich dabei auf Halstenbek fest, "ein Risiko", wie er im Nachhinein sagt. Doch diesmal hatte er Erfolg: Im Januar erteilte die KV ihm die Zulassung, am 24. April wurde der Entschluss rechtskräftig.

"Daran sieht man: Es ist wichtig, dass Bürger sich engagieren und den Mund aufmachen", so Wirtschaftsförderin Tramm. Zusätzlich zu der Erleichterung, die die neue Praxis für die Familien bedeutet, hoffen sie und die Bürgermeisterin auf eine Belebung des Ortskerns: "Das ist auch indirekte Wirtschaftsförderung", meint Hoß-Rickmann.

Auch Stiehs Familie freut sich über den Zuschlag, wenn auch aus ganz anderen Gründen: Bisher verbringt der Arzt täglich drei Stunden im Auto, um zwischen Halstenbek und seiner Praxis in Wilhelmsburg zu pendeln. Bald wird sein täglicher Weg zur Arbeit auf einige Minuten zusammenschrumpfen. So bleibt ihm mehr Zeit für seinen siebenjährigen Sohn und seine einjährige Tochter.

Stiehs Frau Maja, gelernte Kinderkrankenschwester, wird in der neuen Praxis mitarbeiten, zusätzlich will Stieh eine Arzthelferin einstellen. "Ich freue mich, dass ich nun für die Menschen da sein kann, die mir so geholfen haben", sagt er.

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