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Kitas im Kreis Pinneberg : Elternvertreter wollen den Druck erhöhen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Das Gremium kritisiert die kommunale Verwaltungen. Der Arbeitsmarkt für Erzieher erschwert die Einstellung von Personal.

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 10:00 Uhr

Pinneberg | „Kinder fördern, Kitas stärken“: Die Ziele für den frisch gewählten Vorstand der Elternvertreter der Kindertagesstätten im Kreis Pinneberg stehen fest: Er will sich nicht mehr mit ungerechten Gebühren, unflexiblen Öffnungszeiten oder Spontanschließungen wegen Erziehermangels abfinden.

Während der jährlichen Vollversammlung in der Caspar-Voght-Schule in Rellingen wurde der Unmut deutlich. „Wir brauchen weniger Bürokratie, mehr Qualität, mehr Flexibilität und vor allem mehr Erzieher“, sagte Nadine Mai aus Wedel, stellvertretende Vorsitzende der Kreiselternvertretung (KEV). Doch Erzieher scheinen im Kreis Pinneberg vom Arbeitsmarkt gänzlich verschwunden zu sein. „Ich kenne mich in dem Bereich aus. Der Markt ist leergefegt“, informiert Sebastian Borgward aus Elmshorn.

Viele der 30 Diskussionsteilnehmer bestätigen das. „Selbst wenn mehr Erzieherstellen ausgeschrieben würden, könnte man die Plätze nicht besetzen. Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, so eine Teilnehmerin. Eine Elternvertreterin benennt Gründe für das Desaster: „Erstens ist die politische Planung vollkommen nach hinten losgegangen. Man muss erst ausbilden, dann kann man auch Erzieher einstellen. Und zweitens steht der Kreis Pinneberg in Konkurrenz zum Hamburger Arbeitsmarkt. Die Hamburger Kitas saugen unsere ausgebildeten Kräfte auf.“

Kritik hatten einige Eltern auch an der Kooperationsunfähigkeit ihrer Kommunen. Es sei schwierig, in ihren Verwaltungen ein einfaches Kitaportal installieren zu lassen, das den Eltern mehr Transparenz ermöglichen würde. Die Idee und Handhabung sei einfach: Unter kitaportal-sh.de sehen Eltern sofort, wo ein Kitaplatz frei wird, sie können sich voranmelden oder auf Wartelisten setzen. „Unsere Verwaltung weigert sich, da mitzumachen“, ärgert sich Jan Philipp Speichert aus Uetersen.

Vorsitzender Dirk Battermann hat sich aus persönlichen Gründen nicht wieder in den Vorstand wählen lassen. Er war jetzt ein Jahr lang dabei. „Das Jahr hatte es in sich“, sagt er. „Wir haben einiges bewirkt.“ Mai ergänzt: „Und wir mussten uns in den vergangenen 12 Monaten vermehrt mit der Pinneberger Situation auseinandersetzen.“

Ex-Vorstand Dirk Battermann ist aus persönlichen Gründen nicht wieder zur Wahl angetreten.
Ex-Vorstand Dirk Battermann ist aus persönlichen Gründen nicht wieder zur Wahl angetreten. Foto: Sabrina Lincke
 

Zur Erinnerung: Vier Kita-Träger schlugen Alarm, weil das Pinneberger Zuschussmodell die Finanzierungen der Kitas nicht abdeckte. Die Träger drohten mit Schließung. Über 1000 Kita-Plätze waren in Gefahr. Inzwischen wurde die Finanzierung abgesichert, aber der nächste Vorfall ließ nicht auf sich warten. Im Ostermannweg musste kürzlich die Kita geschlossen werden, weil Schimmel entdeckt wurde. Die Kinder wurden auf andere Einrichtungen aufgeteilt. Mai findet abschließend klare Worte für die „Problemkommune“: „Im Bereich Kita hat die Pinneberger Bürgermeisterin komplett versagt.“

Mai hat den neuen Vorstand für den 13. November nach Wedel eingeladen. Dann wird auch der Vorsitzende und sein Stellvertreter gewählt. Den Eltern gibt sie mit auf den Weg: „Wir müssen und wollen an den richtigen Tischen sitzen und mitbestimmen. Geht in die Politik. Wehrt Euch!“ Mitstreiter sind willkommen.

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