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Umfrage im Kreis Pinneberg : Eltern wollen mehr Ganztagsschulen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im Kreis Pinneberg gibt es derzeit laut einer Auflistung des schleswig-holsteinischen Ministeriums für Bildung 33 Ganztagsschulen – vor allem Grundschulen. Nach der vierten Klasse sieht es jedoch düster aus. Gerade einmal drei Gymnasien und sechs Gemeinschafts- beziehungsweise Regionalschulen ohne Elementarbereich bieten eine verlässliche Betreuung nach dem Unterricht an.

shz.de von
erstellt am 05.Sep.2013 | 15:00 Uhr

Eine Studie, die Politikern und Verantwortlichen im Bildungsbereich im Kreis Pinneberg jüngst zugestellt wurde, dürfte für Aufmerksamkeit sorgen. Der Bedarf an Ganztagsangeboten, auch ab den 5. Klassen, ist weitaus größer. Laut einer Befragung unter Eltern in Pinneberg, Rellingen, Halstenbek, Tangstedt, Hasloh, Bönningstedt und Quickborn wünschen sich 80 Prozent der Mütter und Väter, die einen Betreuungsbedarf reklamieren, ein offenes Ganztagsangebot. Der Elternwille kommt der Politik sogar etwas entgegen: Die Betreuung muss nicht kostenlos sein. Bis zu 100 Euro würden die Erziehungsberechtigten bezahlen.

Die Ausgangslage ist für die Elterninitiative um Koordinatorin Sabine Poston aus Rellingen, die einen umfassenden Fragebogen an Eltern verteilt und anschließend ausgewertet hat, klar. Kita, Grundschule: Die Kinder wurden verlässlich betreut. Die Möglichkeit, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, war gegeben. „Sieben Jahre lang konnten sich Arbeitgeber auf die regelmäßige Anwesenheit ihres Angestellten verlassen“, fasst Poston zusammen. Auch die Eltern konnten ruhigen Gewissens einer Beschäftigung nachgehen. „Arbeitszeiten von 20 bis 40 Stunden sind in der Zeit, in denen der Nachwuchs in Kita oder Grundschule geht, möglich“, sagt sie.

Der Bruch kommt für Poston und ihre Mitstreiter nach Ende der vierten Klasse. „Oft heißt es von den Verantwortlichen, es gebe keinen Bedarf.“ Poston selbst, die zwei Kinder im Alter von fünf und sieben Jahren hat, wollte dies so nicht glauben. Ist sie als berufstätige Mutter mit Betreuungsbedarf für Sohn und Tochter eher eine Exotin? Sie wollte es genau wissen und fand schnell Mitstreiter. Ziel der Aktion: Zahlen, Daten und Fakten vorliegen zu haben und eine breite Diskussion im Kreis Pinneberg anzustoßen.

Insgesamt 1349 Fragebögen verteilten die Mitglieder der Initiative an Eltern von 14 Grundschulen. 733 Antwortbögen kamen zurück und wurden schließlich ausgewertet. Das Ergebnis ist eindeutig und für Poston wenig überraschend: 87 Prozent der Eltern, die an der Befragung teilgenommen haben, benötigen eine verlässliche Schulzeit, wie im Stundenplan angegeben. 85 Prozent wünschen sich darüber hinaus eine Betreuung der Jungen und Mädchen auch ab der fünften Klasse.

Dabei steht vor allem die offene Ganztagsschule hoch im Kurs. 80 Prozent derjenigen, die an der Studie teilgenommen haben, präferieren die Schulform. Nur 20 Prozent sprechen sich für eine verbindliche Ganztagsschule aus. Außerhalb des Unterrichts sprechen sich 64 Prozent der Eltern für eine Hausaufgabenbetreuung und ein Nachmittagsangebot aus. Ein Mittagessen an den Schulen favorisieren 59 Prozent. Deutlich aus der Befragung ist für Poston zudem geworden, dass sich der Betreuungsbedarf vor allem an Eltern ausrichten sollte, die einer Halbtagsbeschäftigung nachgehen. Ein Großteil der Befragten, die eine Betreuung für notwendig erachten, spricht sich für ein Angebot bis 14 Uhr aus (215 Antworten) – bis 15 Uhr immerhin noch 174. „Danach geht der Bedarf deutlich zurück“, erläutert Poston.


Größte Nachfrage bis zur sechsten Klasse


Ähnlich deutlich zeichnet sich ab, bis zu welcher Klassenstufe die Jungen und Mädchen in der Schule bleiben sollten. Den Höchstwert mit 211 Antworten erzielte die Umfrage bei den Antworten bis zur sechsten Klasse. Bis zur siebten Klasse sprachen sich noch 143 derjenigen aus, die die Frage beantwortet haben. Für ältere Schüler, die mit zunehmenden Alter selbstständiger werden, wird kaum noch ein Betreuungsbedarf gesehen.

Für Koordinatorin Poston wenig überraschend, decken diese sich doch auch mit ihren eigenen Erfahrungen und Wünschen. „Etwas verwundert war ich über den geringen Bedarf während der Ferien“, sagt sie. Nur für die Sommerferien haben knapp die Hälfte derjenigen, die sich an der Befragung beteiligt haben, einen Bedarf angemeldet.

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