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Geldstrafe für eine eingetretene Tür : Elmshorner soll für Bekannte Schulden eintreiben

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Prozess: Drohungen gegen die Familie des Opfers. Täter mehrfach vorbestraft.

Elmshorn | Wegen Sachbeschädigung, Hausfriedensbruchs, Nötigung und Diebstahls ist gestern ein 25 Jahre alter Elmshorner zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Sein 24 Jahre altes Opfer hatte ausgesagt, dass der Täter bei ihm angebliche Schulden aus Drogengeschäften eintreiben wollte.

Weil der 25-jährige Elmshorner im März des vergangenen Jahres auch gewalttätig geworden sein soll, hatte die Staatsanwaltschaft zunächst einen Raub angeklagt. Laut der Staatsanwältin hatte der Täter mehrfach an der Tür der Elmshorner Wohnung seines Opfers geklopft und geklingelt, ohne dass er hereingelassen wurde. Schließlich trat er die Tür ein und kam in das Wohnzimmer, wo der 24-Jährige auf einem Sofa lag. Ein Bekannter, der ebenfalls in der Wohnung war, soll sich dem Eindringling in den Weg gestellt haben und von diesem auf das Sofa gestoßen worden sein. Schließlich durchsuchte der Täter laut Anklage die Wohnung, steckte 100 Euro Bargeld ein und ließ drei Handys im Wert von weiteren 100 Euro mitgehen.

Der Angeklagte selbst äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Die Befragung der Zeugen, des Bestohlenen und seines Freundes, war zäh. Der 24-Jährige hatte angegeben, dass alte Geschäftspartner aus dem Drogenmilieu bis zu 800 Euro forderten. Vordergründig sei es um den Verkauf eines Sofas gegangen, tatsächlich habe die Sache mit dem Verkauf von Drogen in Verbindung gestanden. An Details könne er sich nicht mehr erinnern.

Erinnerungslücken hatten beide Zeugen. Und sie widersprachen sich teils. So war nicht eindeutig zu klären, ob und wenn ja, wie viel Geld der 25-Jährige mitgenommen hatte. Auch konnten die Zeugen nicht zweifelsfrei angeben, wie viele Handys der Täter stahl. Übereinstimmend berichteten sie lediglich von einem älteren Modell von geringem Wert. Auch die Befragung eines Polizisten brachte keine erhellenden Informationen. „Ich kann nur das wiedergeben, was in der Anzeige des Opfers steht“, sagte der Beamte. Schließlich sei die Anzeige nicht am Tatort sondern in der Dienststelle aufgenommen worden. „Da kommen täglich hundert Leute vorbei. Ich könnte denjenigen, der Anzeige erstattet hat, wahrscheinlich nicht einmal wiedererkennen“, sagte der Polizist.

Wichtig für Richterin Renate Päschke-Jensen war, dass es keine eindeutigen Beweise für Gewaltanwendung gab. „Bei einem Raub muss die Gewalttat die Wegnahme eines Gegenstands überhaupt erst möglich machen. Das ist hier nicht zu erkennen.“ Das sah auch die Staatsanwältin so. Sie verwarf den Vorwurf des Raubes und klagte schließlich Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch und Diebstahl an. Weil der Täter sein Opfer seit Monaten mit Drohungen bedrängt hatte, klagte sie zudem Nötigung an. Sie forderte 90 Tagessätze à zehn Euro als Strafe. Strafverteidiger Henrik Tantau beantragte eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen à acht Euro.

Päschke-Jensen folgte der Staatsanwaltschaft und verurteilte den Elmshorner zu 900 Euro Geldstrafe, die er auch mit Sozialstunden abstottern kann. „Ich habe darüber nachgedacht, ob eine Geldstrafe überhaupt noch in Frage kommt oder nicht eine Freiheitsstrafe angemessen ist“, sagte die Richterin angesichts des Vorstrafenregisters des Angeklagten. Neun Einträge mit einschlägigen Taten wie Diebstahl, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Einbruch und Waffendelikten sind dort zu finden. Dafür gab es unter anderem eine Jugendstrafe von drei Jahren. „Zu Ihren Gunsten habe ich berücksichtigt, dass die Taten inzwischen mehrere Jahre zurückliegen. Ich glaube Ihnen auch, dass Sie Ihr Leben in andere Bahnen lenken und einen Schulabschluss nachholen wollen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig

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erstellt am 16.Jun.2017 | 14:00 Uhr

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