Günther Hildebrand im Gespräch : Ellerbeks Bürgermeister mit Politik-Virus infiziert

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Günther Hildebrand (FDP) lebt mit seiner Frau Regine in Ellerbek. Geboren ist er in Prisdorf.
Günther Hildebrand (FDP) lebt mit seiner Frau Regine in Ellerbek. Geboren ist er in Prisdorf.

Ellerbeks Bürgermeister Günther Hildebrand (FDP) gibt Auskunft über sein Leben und die politischen Aktivitäten

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30. August 2018, 16:00 Uhr

Es waren die politischen Diskussionen Ende der 1960er Jahre, die den damals knapp 20-jährigen Günther Hildebrand ansteckten und sein Interesse an Entscheidungsprozessen auf Gemeindeebene weckten. „Die FDP hatte damals die absolute Mehrheit in Ellerbek, und mit Gustav Heinemann hatten wir einen sozialliberalen Bundespräsidenten“, erinnert sich der heutige Bürgermeister und Amtsvorsteher des Amtes Pinnau. So sei seine persönliche politische Prägung entstanden.

Geboren ist Hildebrand als jüngstes von drei Kindern 1949 in Prisdorf. „Ja, ich bin ein echter Prisdorfer! Mein Vater kam von dort, meine Mutter war Ellerbekerin“, berichtet er. Als 1950 sein Großvater in Ellerbek starb, sollte die junge Familie den Hof übernehmen. „Damals herrschte noch die Wohnungszwangsbewirtschaftung – wir durften nicht einfach so umziehen, sondern mussten erst einen Antrag stellen“, erklärt Hildebrand.

Der sei zwar genehmigt worden, jedoch mit der Auflage, dass eine Familie gefunden werden musste, die von Ellerbek nach Prisdorf umzieht. „Am Ende war es so, dass meine Eltern jemanden fanden, der von Pinneberg nach Prisdorf zieht – und eine Ellerbeker Familie, die nach Pinneberg umzog. Damit stimmte es dann wieder“, so Hildebrands Bericht.

Seitdem haben er und seine Familie immer in Ellerbek gewohnt. „Ich ging dort auch zur Grundschule und durfte anschließend die Mittelschule in Quickborn besuchen“, so der weitere Weg. Es folgte die Ausbildung zum Vermessungstechniker, später das Studium an der Fachhochschule, das er als Diplom-Ingenieur für Vermessungstechnik abschloss.

„Bis 1980 habe ich dann in diesem Beruf in einem Tornescher Büro gearbeitet“, berichtet Hildebrand. Zwischenzeitlich hatte er seine Frau Regine kennen gelernt, deren Vater den in Ellerbek ansässigen Lesezirkel Krumbek leitete. „Als er in Rente gehen wollte, haben wir uns dafür entschieden, den Betrieb weiterzuführen“, sagt der Bürgermeister. Seit 40 Jahren sei Regine Hildebrand nun Geschäftsführerin, die Firma existiere nunmehr in vierter Generation als Familienbetrieb.

Parallel dazu ist Günther Hildebrand immer politisch aktiv gewesen: 1974 kandidierte er zum ersten Mal für den Ellerbeker Gemeinderat – und auch für den Kreistag, dem er viele Jahre lang angehörte. „Als ich 1990 das erste Mal Bürgermeister wurde, gab ich diesen Sitz auf“, erinnert er sich, Nach vier Jahren abgelöst von Klaus David, blieb Hildebrand Gemeindevertreter. 2003 kandidierte er erneut als Bürgermeister und hat seitdem dieses Amt inne.


Fast alle politischen Ebenen kennen gelernt

Auch dem Amtsausschuss gehört er bereits seit 1974 an. „Damals noch das Amt Bönningstedt, nach der Fusion mit dem Amt Pinneberg-Land dann für das Amt Pinnau“, sagt Hildebrand. 2013 schließlich übernahm er den Posten des Amtsvorstehers. Und zwar, nachdem er sich 2012 entschlossen hatte, nicht noch einmal für den Landtag in Kiel zu kandidieren.

Dort war er bis zum parlamentarischen Geschäftsführer der FDP-Fraktion aufgestiegen. „Zwölf Jahre lang pendeln zwischen Kiel und Ellerbek war genug“, begründet er diese Entscheidung.

Ganz abgesehen davon gab es viel in Ellerbek zu bewegen. „Die Schwerpunkte und vorrangigen Interessen haben sich im Lauf der Zeit immer wieder verändert“, erläutert der Politiker. So sei er in den 1990er Jahre zunächst auf Unverständnis gestoßen, als er das Thema „Verkehrsberuhigung“ auf die Agenda setzte. „Als ehemaliger Handballer lag mir auch immer die Sportförderung sehr am Herzen“, sagt Hildebrand.

Heute ist ihm die Ausstattung der Kindergärten und Schulen besonders wichtig. „Ich bin überzeugt von der Digitalisierung“, bekennt er. Sein Enkel sei kürzlich von der Ellerbeker Hermann-Löns-Schule auf ein Gymnasium gewechselt und einigermaßen entsetzt gewesen, dass dieser Wechsel einem „Rückschritt in die Kreidezeit“ geglichen habe: keine Tablets, keine interaktiven Tafeln, kein binnendifferenzierter Unterricht.

„Auch in Ellerbek gibt es eine heilige Kuh: unser Hallenbad“, betont Hildebrand. Die jüngsten Medienberichte über die große Anzahl der Kinder, die nicht oder nicht richtig schwimmen könnten, hätten ihn einmal mehr darin bestärkt, an der Einrichtung festzuhalten.

Für die kommenden Jahre ist die Agenda gut gefüllt: „Rad- und Fußweg zur Schule, das Regenrückhaltebecken und natürlich der Umbau zu Mehrzweckraum und Mensa sowie der Bücherei an der Schule sind liegengeblieben – da wollten wir schon längst fertig sein“, sagt er.

Seine Wünsche für die Gemeinde am Hamburger Stadtrand: „Ellerbek soll seinen Wohncharakter erhalten“, bekräftigt der Bürgermeister. Derzeit seien 25 Prozent des Gemeindegebiets bebaut, der Rest fast überwiegend freies Feld. „Das soll so bleiben. Eine Nachverdichtung der Bebauung halte ich für sinnvoll, aber neue Flächen sollen nicht verbraucht werden“, so sein Ziel aus heutiger Sicht. Als Bürgermeister wünsche er sich außerdem, dass die hohe Identifikation der Bewohner mit dem Ort erhalten bleibt.

Große Veränderungen in der noch jungen Wahlperiode erwartet er nicht: „Wir haben bisher konstruktiv zusammengearbeitet und werden das auch weiterhin tun“, ist er überzeugt. Und für sich ganz persönlich heißt das Ziel: „Ich möchte möglichst lang in Ellerbek wohnen bleiben.“

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