Eis zu dünn – Lebensgefahr

Übung auf dem Krupunder See: Die Retter der Freiwilligen Feuerwehr Halstenbek probten im Winter 2017/18 den Ernstfall. Eine gefährliche Situation, auch wenn das Eis eine Stärke von zehn Zentimetern hatte. Die Ehrenamtlichen waren aber stets gut gesichert.
Übung auf dem Krupunder See: Die Retter der Freiwilligen Feuerwehr Halstenbek probten im Winter 2017/18 den Ernstfall. Eine gefährliche Situation, auch wenn das Eis eine Stärke von zehn Zentimetern hatte. Die Ehrenamtlichen waren aber stets gut gesichert.

Minustemperaturen reichen nicht: Halstenbek und Landesfeuerwehrverband warnen vor Betreten der Gewässer / Verhaltensregeln beachten

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23. Januar 2019, 16:00 Uhr

„In Geesthacht ist am Montag ein Junge (12) ins Eis eingebrochen.“ Der Junge habe es aber allein geschafft, wieder ans Ufer zurückzukommen, sagte eine Polizeisprecherin am Dienstag in Ratzeburg. Glück gehabt. In Winsen hatte ein 38-Jähriger letztes Jahr weniger Fortune: Auf der zugefrorenen Luhe in Winsen ist er eingebrochen und dann beim Versuch, sich an Land zu retten, erfroren. Der rasche Kältetod nach leichtsinnigen Betreten der Eisfläche: für Verantwortliche der Gemeinde Halstenbek eine Horrorvorstellung. Deshalb warnen die Behörden eindringlich: „Das Betreten der Eisfläche auf dem Krupunder See ist verboten.“

Durch die kühle Witterung hat sich zwar eine Eisfläche auf dem Krupunder See gebildet. „Sicher eine Anregung, um dort zu wandern, Schlittschuh zu laufen oder ähnliches“, heißt es aus dem Rathaus an der Gustavstraße. Aber Vorsicht: „Es ist keinesfalls garantiert, dass die Eisdecke dick genug zum Betreten ist. An vielen Stellen wird der See durch Enten und andere Wasservögel vom Durchfrieren abgehalten. Zudem befindet sich in der Mitte des Sees die Tiefenbelüftungsanlage, um die herum die Eisdecke äußerst dünn ist.“

So eindringlich formuliert es Rodion Wohlleben. Der Chef des Ressorts Natur- und Umweltschutz kennt den See aus dem Effeff. Seine Tücken, seine Launen. „Das Betreten der Eisfläche ist daher lebensgefährlich und streng verboten.“ Doch der prominente Krupunder See als Publikumsmagnet ist nicht die einzige Wasserfläche in der Baumschulengemeinde, die nicht betreten werden darf. „Genauso verhält es sich mit den öffentlichen Regenrückhaltebecken in Halstenbek. Betroffen sind die Regenrückhaltebecken am Osterbrookweg, Blocksberger Moor, Thesdorfer Weg, Stawedder und am Wasserwerk. Auch hier ist das Betreten der Eisdecke sehr gefährlich und verboten.“

Schulterschluss bei der DLRG, dem DRK, den Naturschutzbunden. Sie alle warnen vor den massiven Gefahren durch zu dünnes Eis. Zumal die Temperaturen in den kommenden Tagen tagsüber über Null sein werden.

Im Jahr 2017 ertranken in Deutschland 157 Menschen in einem Fluss, 137 in einem See oder Teich. Viele davon, weil das dünne Eis nicht hielt. Das trügerische, aber verlockende Eis brachte gestern auch den Landesfeuerwehrverband Schleswig-Holstein auf den Plan. Deren Sprecher Holger Bauer unterstreicht ebenfalls: „Trotz der aktuellen Minusgrade sind viele Eisflächen noch zu dünn. Es droht Einbruchgefahr. Auch der Frost der letzten Tage und Nächte garantiert nicht, dass die Eisdecke auf Seen oder Flüssen tragfähig ist. Das gilt auch für die kommenden Tage, für die noch Frost angesagt ist.“

Bauer nimmt vor allem die Kleinen und deren Leichtsinn ins Visier: „Besonders Kinder lassen sich von den glitzernden Eisflächen zu unvorsichtigem Verhalten verleiten.“ Das gelte es zu vermeiden. Für den sicheren Ausflug sollten daher einige Tipps der Feuerwehren beachtet werden:
Örtliche Warnhinweise ernst nehmen. Kindern müssen Gefahren erklärt werden.
Einsame Ausflüge auf dem Eis vermeiden.
Wenn das Eis knistert und knackt, Risse aufweist oder schwallweise Wasser auf die Oberfläche tritt: Nicht betreten.
Wenn bereits auf dem Eis: Flach hinlegen, um das Gewicht auf eine größere Fläche zu verteilen, zum Ufer robben (möglichst wenig ruckartige Bewegungen).
Im Unglücksfall sofort über den Notruf 112 Hilfe rufen beziehungsweise organisieren, dass jemand einen Notruf absetzt.
Vorsicht: Auch an Ein- und
Ausflüssen kann die Eisdicke plötzlich abnehmen. Vor allem an dunklen Stellen kann das Eis zu dünn sein – hier droht Einbruchgefahr.
Innerhalb weniger Minuten in rund drei bis vier Grad kaltem Wasser erschlaffen die Muskeln, der Körper erlahmt, die eingebrochene Person geht unter.

Gerettete in warme Decken (Rettungsdecke) oder Jacken hüllen, vorsichtig erwärmen. Nicht als „Hausmittel“ mit Schnee abreiben. Unterkühlten Personen keinen Alkohol geben, stattdessen möglichst warmen Tee reichen. Wer einbricht, sollte versuchen, sich vorsichtig am Eis festzuhalten oder darauf zu ziehen.
Wer sich zum Helfen auf die Eisfläche begibt, sollte dafür eine Unterlage (Leiter, Bretter, Zaun, Hockeyschläger) verwenden, um das Gewicht zu verteilen. Die Hilfsmittel kann man der eingebrochenen Person zuschieben.

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