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Wie in einer Sardinenbüchse : Einwohnerversammlung in Pinneberg sorgt für Besucherfrust

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Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Zu wenige Sitzplätze, schlechte Akustik. Bürgermeisterin Urte Steinberg stellt die aktuelle Flüchtlingssituation dar.

Pinneberg | Dass das Thema Flüchtlinge auch den Bürgern im Kreis Pinneberg unter den Nägeln brennt – selten war das greifbarer als am Montagabend. Schon eine halbe Stunde vor Beginn der Einwohnerversammlung, zu der Bürgervorsteherin Natalina di Racca-Boenigk eingeladen hatte, war so gut wie keiner der 240 Sitzplätze im Ratssitzungssaal mehr frei. Am Ende dürften zwischen 400 und 500 Menschen den Weg ins Rathaus gefunden haben, von denen viele die Veranstaltung stehend, auf dem Boden sitzend oder vor der Tür verfolgten. Das sorgte für Ärger. „Es zeigt, wie wenig im Vorfeld nachgedacht wird und vor allem, wie schlecht die Verwaltung ihre Bürger einschätzt. Hinten und draußen war kaum ein Wort zu verstehen“, sagte Besucherin Annegret Knoll. Stadtsprecher Marc Trampe räumte gestern ein, den Ansturm unterschätzt zu haben. „Im Nachhinein hätten wir doch in eine größere Einrichtung wie die Rübekamphalle gehen sollen“, sagte er. Über die „positive Resonanz“ sei man dennoch erfreut.

Kern der Einwohnerversammlung bildeten zwei Kurzreferate der Pinneberger Bürgermeisterin Urte Steinberg sowie von Rüdiger Ewald aus dem Kieler Innenministerium, die über die aktuelle Flüchtlingssituation in der Kreisstadt sowie im Land Schleswig-Holstein Auskunft gaben. Nach den Worten von Steinberg rechne man mit der Ankunft von insgesamt 600 Flüchtlingen in Pinneberg bis Jahresende. Stand Ende Oktober seien 369 in die Kreisstadt gekommen. Zum Vergleich: 2010 waren es nur 23. „Jeden einzelnen Flüchtling konnten wir unterbringen“, sagte Steinberg. Der ursprünglich gefasste Plan, alle Flüchtlinge dezentral unterzubringen, sei nicht zu halten gewesen und im Laufe des Jahres per Ratsbeschluss abgeändert worden. Aktuell plane man die Sanierung eines Gebäudes auf dem stadteigenen Gelände der Eggerstedt Kaserne, in dem weitere 300 Menschen Quartier beziehen können. Auch das ehemalige Amt Pinnau an der Elmshorner Straße 49 solle zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut werden. Beides sei aber noch nicht beschlossen, die Politik müsse noch zustimmen. Ebenso wie im Übrigen auch im Falle des früheren DRK-Heims am Rehmen, in dem jüngst Asbestfunde für Aufsehen sorgten. Bereits zuvor hatte Ewald unter anderem einen Überblick über die Erstaufnahme-Kapazitäten in Schleswig-Holstein gegeben. Das nördlichste Bundesland stehe gerade im bundesdeutschen Vergleich nicht so schlecht da. „Wir haben zum Beispiel überdurchschnittlich viele ehemalige und mittlerweile leerstehende Kasernengebäude, die sich zur Flüchtlingsunterbringung eignen“, sagte er.

Im Anschluss an die Präsentationen durften die Besucher Fragen stellen, was diese auch rege taten. Eine richtige Debatte entspann sich aber nicht. Das mag auch daran gelegen habe, dass die Stimmung angesichts der Thematik recht entspannt war – kritische Kommentare waren die Ausnahme und bezogen sich zumeist auf die Finanzierung der Unterbringung. Tina Bandorf, Besucherin mit Sitzplatz, zog ein positives Fazit. „Die Menschlichkeit der Pinneberger“, sagte sie, „hat mich sehr berührt“.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 14:00 Uhr

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