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Neue Wohnungen statt Container : Einwohnerversammlung in Kummerfeld

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

80 Bürger nehmen an Einwohnerversammlung in Kummerfeld teil. Das Amt Pinnau erwartet bis zum Ende des Jahres 350 Flüchtlinge.

Kummerfeld | Das Foyer der Bilsbek-Schule war am Dienstagabend gut gefüllt: Insgesamt 80 Kummerfelder, darunter fast alle Gemeindevertreter und einige Flüchtlinge, waren zur Einwohnerversammlung erschienen. Das Thema beschäftigt derzeit alle Kommunen: Es ging um die Unterbringung und die Integration von Flüchtlingen in der Gemeinde. Die neue Flüchtlingskoordinatorin Elke Gers-Barlag gab gemeinsam mit Bürgermeisterin Erika Koll (SPD) Einblicke in ihre Arbeit. Vom Amt Pinnau saßen Dagmar Quentin-Krane und Ramona Zarp sowie der Leitende Verwaltungsbeamte Detlev Brüggemann auf dem Podium, um Fragen zu beantworten.

Zur Einwohnerversammlung in Kummerfeld trafen sich Politiker, Anwohner und Flüchtlinge zum gemeinsamen Informationsaustausch. Das Thema, das primär besprochen wurde war die Aufnahme von Flüchtlingen im Ort.

Koll zeigte sich optimistisch: „In Kummerfeld läuft es gut. Ich bin froh, dass uns Probleme wie in Großstädten noch nicht erreicht haben und wir bisher alles bewältigen.“ 21 Flüchtlinge leben in Kummerfeld. Dazu kommen vier Jugendliche, die von der Großstadtmission betreut werden. Die Gemeinde hat vier Wohnungen, die von den Ehrenamtlichen hergerichtet wurden. Eine Wohnung hat die Kommune von einer Privatperson angemietet.

Quentin-Krane beschrieb das Verfahren, das Flüchtlinge durchlaufen bevor sie nach Kummerfeld kommen. Nach der Registrierung bei der Ausländerbehörde in Elmshorn werden die Asylbewerber zum Sozialamt nach Pinneberg gefahren, um Leistungen zu beantragen. Einer Einzelperson stehen demnach 360 Euro im Monat zu. Davon werde eine Strompauschale in Höhe von 30 Euro direkt wieder abgezogen. Zudem werde eine Miete in Höhe von bis zu 416 Euro und die Heizkosten übernommen. Die Menschen kommen hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und Irak, aber auch aus Armenien und Somalia.

In Kummerfeld in Empfang genommen werden sie von einem Betreuer, von denen es neun gibt. Sie zeigen den Flüchtlingen die Wohnung, Einkaufsmöglichkeiten, fahren mit ihnen zu Ärzten und Behörden. Dazu gibt es ein Team von 20 Helfern, die sich engagieren. So wird mittwochs ab 16 Uhr und sonntags ab 12 Uhr ein Sprachcafé in Kummerfeld organisiert. Jugendliche betreuen in dieser Zeit die Kinder. Zudem ist donnerstags ab 19 Uhr ein Schach-Treff geplant. Beides findet in der alten Schule statt. In Borstel-Hohenraden werden donnerstags ab 17 Uhr an der Quickborner Straße 13 gemeinsam Fahrräder repariert, damit die Flüchtlinge mobil sind. Gers-Barlag warb für ihre Arbeit: „Es macht viel Spaß und wir haben viel gelernt. Es ist sehr bereichernd, fremde Kulturen kennenzulernen. Gleichzeitig ist es auch erschütternd, mit welchen bürokratischen Schwierigkeiten die Menschen zu kämpfen haben.“

In der Diskussion ging es um die Zukunft. Wieviele Flüchtlinge werden noch kommen? Wo sollen sie untergebracht werden? Derzeit kommen keine Asylbewerber, so Brüggemann. Im März sollen die Zahlen aber wieder steigen. Für das gesamte Zuständigkeitsgebiet des Amtes Pinnau sollen weitere 350 Menschen bis zum Ende des Jahres kommen.„Die Zahl hat uns geschockt“, gibt Brüggemann zu. Kummerfeld müsste etwa 50 weitere Menschen beherbergen. „Wir wollen vermeiden, öffentliche Räume zu nutzen“, sagte er. Auf Container wolle man auch nicht zurückgreifen. „Das ist technisch kein Problem, aber das wollen wir nicht.“ Stattdessen soll nachhaltiger Wohnraum geschaffen werden. Koll sagte, dass die Politik und die Verwaltung dies bereits in Angriff genommen hätten. Konkreter wurde sie nicht.

Wer eine Wohnung zur Verfügung stelle, könne dazu sagen, dass sie besonders für Familien geeignet sei, so Brüggemann. Dann würde im Regelfall auch eine Familie zugeteilt werden. „Wir wissen, wie sensibel das Thema ist.“ Ein Bürger fragte, ob nicht nur Familien in den Ort ziehen könnten. Dem erteilte Koll eine Absage: „Das können wir uns nicht aussuchen.“ Sie forderte die Besucher auf: „Nehmen Sie die Menschen an die Hand und zeigen ihnen Ihre Gemeinde.“

Für die Betreuung der Flüchtlinge werden noch dringend Helfer gesucht. Zudem werden Brettspiele, Küchen-Kleingeräte, Fernseher und CD-Player gesucht. Wer Interesse hat zu helfen oder zu spenden, kann sich bei der Koordinatorin Elke Gers-Barlag unter Telefon 04101-76535 melden.
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erstellt am 18.Feb.2016 | 12:00 Uhr

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