Kummerfeld : Eingeschläfertes Pony liegt sieben Stunden am Straßenrand

Stephanie Kuhlmann trauert um ihr Pony. Zur Abholung hat sie es mit einem Laken bedeckt.
Stephanie Kuhlmann trauert um ihr Pony. Zur Abholung hat sie es mit einem Laken bedeckt.

Die Besitzer beschweren sich über mangelnde Informationen zur Abholung.

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04. Juni 2015, 10:00 Uhr

Kummerfeld | Ein großes Bündel, spärlich abgedeckt mit einem Bettlaken, lag Mittwoch stundenlang an der Mühlenstraße in Kummerfeld. Die Mähne und ein Huf waren noch zu sehen. Bei dem Bündel handelte es sich um das tote Pony Summer. Das Tier musste am Dienstagabend krankheitsbedingt eingeschläfert werden und sollte gestern von der Entsorgungsfirma „Rendac“ abgeholt werden.

Dass der Kadaver dafür von morgens um 6 bis abends ums 20 Uhr am Wegrand bereit liegen musste, findet Besitzerin Stephanie Kuhlmann mehr als befremdlich. „Mir wurde bei der Anmeldung gesagt, dass das Pferd in dieser Zeit für den Abtransport frei zugänglich sein muss. Feste Termine könne man mir nicht sagen.“ Und das in einem Gebiet, in dem viele Spaziergänger und Kinder auf dem Weg zur Schule unterwegs sind. „Die Kinder, die dort vorbei gekommen sind, haben geweint“, sagt Kuhlmann. „Ich habe bei der Hotline dreimal nachgefragt, ob das Tier dort wirklich den ganzen Tag liegen muss, weil ich es nicht glauben konnte.“

Offensichtlich ist einiges in der Kommunikation zwischen Reiterin und Abdecker schief gelaufen. Laut der Firma „Rendac“ gab es eine Terminzusage – laut Kuhlmann nicht.

Beauftragt wurde der Abdecker vom Land Schleswig-Holstein. Am 1. Januar hat die Firma den Zuschlag hierfür bekommen. Seit Anfang des Jahres ist nicht mehr der Kreis, sondern das Land zuständig für die Entsorgung. Seitdem gab es mehrfach Probleme mit den Abholungen. Das bestätigt Antje Lange, Leiterin des Kreisfachdienstes Veterinär- und Lebensmittelaufsicht. Zuletzt machte ein Fall aus Tangstedt Schlagzeilen, bei dem ein Pferd vier Tage auf einem Hof vor sich hin verweste, bis es abgeholt wurde. Die Firma gelobte Besserung.

Die Mähne ist noch zu sehen: Mit Laken abgedeckt lag das tote Pony Summer gestern in der Mühlenstraße. (Foto: Plock)
Die Mähne ist noch zu sehen: Mit Laken abgedeckt lag das tote Pony Summer gestern in der Mühlenstraße. (Foto: Plock)
 

„Der Start ist sehr holprig gelaufen“, gibt auch Andreas Schade, technischer Leiter des Unternehmens, zu. „Neue Fahrer, ein neues Gebiet. Wir haben das unterschätzt.“ Bisher war „Rendac“ für den nördlichen Bereich in Schleswig-Holstein zuständig, nun kamen die südlichen Kreise dazu. Bei Pferdebesitzern agiere das Unternehmen besonders sensibel und versuche, einen schnellen Abtransport zu gewährleisten. Dass in diesem Fall ein so großes Zeitfenster genannt wurde, versteht er selbst nicht. Laut seinen Informationen wurde zugesagt, das Tier mittags zu holen. Kuhlmann entgegnet: „Mir wurde gesagt, dass die Touren erst morgens geplant werden und keine Zusagen gemacht werden können.“

Gegen Mittag wurde Summer dann tatsächlich abgeholt. Irritiert zeigte sich Lange von der Ansage, das Tier „luftdurchlässig abzudecken“. Gängige Praxis seien keine Wolldecken oder Bettlaken, sondern großflächige Planen, um Tiere und Menschen fern zu halten. Eine lose Bedeckung entspreche nicht den rechtlichen Anforderungen. Der Kreis wolle auf das Land einwirken, damit die Vorgaben künftig eingehalten werden. Schade entgegnet, der Verwesungsprozess würde sich unter Folie enorm beschleunigen. Normalerweise empfehle man den Pferdebesitzern, den Kadaver mit einer nassen Decke abzudecken.

Die anfänglichen Schwierigkeiten sind auch der Leiterin der Veterinär- und Lebensmittelaufsicht bekannt. „Mittlerweile ist es deutlich besser geworden.“ Dennoch befinde sich der Service in dem vorliegenden Fall eindeutig „unter dem Minimum“, sagt sie. Eine zeitliche Begrenzung für die Ablagerung von Tierkadavern am Straßenrand gibt es übrigens nicht. Im Gesetz ist nur von einem „unverzüglichen Abtransport“ die Rede.

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