„Einer muss ja den Hut aufhaben“

Sabine Loof lernt mit den Flüchtlingen Deutsch. Die Kummerfelderin koordiniert die Freiwilligenarbeit.
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Sabine Loof lernt mit den Flüchtlingen Deutsch. Die Kummerfelderin koordiniert die Freiwilligenarbeit.

Die Kummerfelderin Sabine Loof kümmert sich als Koordinatorin gemeinsam mit einem Team um die Flüchtlinge in der Gemeinde

shz.de von
24. Juli 2015, 16:00 Uhr

„Wir sind gleichberechtigt im Team. Es muss aber halt einer den Hut aufhaben.“ Sabine Loof ist eine bescheidene Frau. Für sie steht das Team im Vordergrund. Im Rampenlicht sieht sie sich nicht so gern. Loof packt lieber an, koordiniert, fragt nach, wo Hilfe benötigt wird. In Kummerfeld kümmert sie sich als ehrenamtliche Koordinatorin um die Flüchtlinge. 25 Menschen, die vor Krieg und Elend geflohen sind, leben derzeit in Kummerfeld in insgesamt vier Wohnungen. „Das sind ganz nette, liebenswerte Leute“, sagt Loof.

Die Gartenbauingenieurin lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in der kleinen Gemeinde. Außer ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit für die Asylbewerber ist sie auch Kreistagsabgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen und sie singt im Chor der Kantorei der Osterkirchengemeinde. Dass sie die Flüchtlingshilfe helfen unterstützen wollte, war für sie trotz der weiteren Verpflichtungen klar. „Ich möchte da etwas machen, wo ich auch wohne.“

Bei einer Chorfreizeit entstand die Idee, die Willkommenskultur in Kummerfeld zu verbessern, berichtet Loof. Als die Gemeinde nach einer Koordinatorin suchte, stellte sich die 48-Jährige bereitwillig zur Verfügung. In Kummerfeld kümmert sich ein Patenteam aus zwei oder drei Personen um jeweils eine Wohngruppe. „Wir können aber noch mehr gebrauchen. Wir haben auch vier Kinder hier. Das ist zwar schön, aber auch etwas aufwendiger, was die Betreuung angeht“, berichtet sie. „Manchmal wird es schon eng, weil die meisten von uns auch berufstätig sind.“ Wer sich ebenfalls für die Flüchtlinge engagieren will, kann sich bei Loof unter Telefon (01  60) 90  60  82  68 melden.

Oft geht es um die alltäglichen Dinge, bei denen Loof die Asylbewerber unterstützt. „Wenn jemand zum Beispiel nur Persisch spricht und einen Arzttermin braucht.“ Behördengänge, erste Kontakte, Probleme: Die Helfer haben immer ein offenes Ohr für die Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Flüchtlingsgebieten. Dazu kommt ein Sprachtreff. Jeden Mittwoch und Sonntag wird in der alten Schule an der Bundesstraße Deutsch gelernt. Mittwochs geht es um 16 Uhr los, am Sonntag um 12 Uhr. Meistens werde eine Kleinigkeit gekocht oder Obst hingestellt, sagt Loof. Sie ist froh über die große Hilfsbereitschaft. „Ich empfinde die Atmosphäre als sehr offen und bin begeistert, was da zusammenkommt und wer sich engagiert. Auch viele, die ich vorher gar nicht kannte.“ Während des Sprachtreffs betreuen zum Beispiel Jugendliche aus dem Dorf die Kinder, damit die Eltern sich der Sprache widmen können.

Problematisch sei für die Flüchtlinge der Wohnungsmangel. So habe ein Asylbewerber zwar nun eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten und auch Arbeit in Kummerfeld gefunden, die Suche nach einer Wohnung gestaltet sich aber schwierig. Deshalb lebe er weiter in der Wohngemeinschaft.

„Man merkt immer wieder wie gut es uns geht“, urteilt Loof. „Man sieht die Welt aus einem anderen Blickwinkel.“ Durch ihren engen Kontakt könne sie auch in Diskussionen Vorurteile schneller entkräften. „Man ist ganz anders im Thema.“

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