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Pinneberger in Kambodscha : Eine Zukunft für benachteiligte Jugendliche

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Bernhard Krüger aus Pinneberg unterrichtete vier Wochen lang an einer Schule in Kambodscha. An der Schule werden Waisenkinder zu Hotelfachkräften ausgebildet.

Wer einen Erlebnisurlaub absolviert, der kann mitunter tatsächlich etwas erleben. Bernhard Krüger ist es so ergangen. Im vergangenen Sommer hatte der Pinneberger mit dem Bus mehrere Wochen lang den Südosten Asiens erkundert. In der kambodschanischen Hafenstadt Sihanouk Ville, stieß er dabei zufällig auf eine von den Salesianern Don Boscos geführte Schule, in der einheimische Waisenkinder zu Hotelfachkräften ausgebildet werden (das „tip“-Tageblatt am Sonntag berichtete darüber am 18. August 2013).

Im November war Krüger erneut vor Ort, diesmal allerdings im Auftrag des SES Senior Experten Service Bonn. Denn vier Wochen lang arbeitete der promovierte Marketingfachmann an der Bildungseinrichtung, die Kooperation war beim ersten Besuch des 65-Jährigen vereinbart worden. Der SES ist stets auf der Suche nach ausländischen Fachkräften in den verschiedensten Bereichen wie z.B. Handwerksmeister, Ingenieure und Lehrer, die für eine gewisse Zeit ihr Wissen in Entwicklungsländern zur Verfügung stellen.

Im Detail kümmerte sich der Pinneberger weniger um die Ausbildung der 150 jungen Frauen und Männer, die die Schule besuchen als vielmehr um die Fortbildung der zwölf ausländischen und kambodschanischen Lehrkräfte in Sachen Marketing. „Außerdem sollte ich entsprechende Kontakte zu Multiplikatoren wie Reiseveranstaltern, Hotels und Restaurants knüpfen“, so der 65-Jährige weiter.“ Künftig soll zum Beispiel eine Kooperation mit Kreuzfahrtschiffen stattfinden, die im Hafen von Sihanouk Ville anlegen, die Auszubildenden der Schule sollen künftig Barbecues für Reisegäste auf dem Gelände der Schule organisieren. Derlei Praxiserfahrungen seien wichtig für die Jugendlichen, die im Anschluss an ihre zweijährige Ausbildung in den Bereichen Rezeption, Hauswirtschaft, Bar, Restaurantbetrieb und Küche im eigenen Land Arbeit finden sollen. „Die Schule bildet hauptsächlich für den Binnenmarkt, nicht für das Ausland aus. Gegenwärtig gibt es in Kambodscha einen großen Tourismus-Boom“, erläutert Krüger.

Wie schon bei seinem ersten Aufenthalt habe er allerdings auch dieses Mal wieder die bittere Armut erlebt, unter der das Land leidet. Noch immer sicht- und spürbar seien die Folgen des erst 1998 zu Ende gegangenen, Bürgerkriegs, der auch die große Zahl von Waisen erkläre, die es in Kambodscha gebe. Die Ausbildung in der „Don Bosco Hotel School“, so der offizielle Name, sei daher eine Chance für die Azubis, die daher auch einen straff organisierten Tagesablauf ohne viel Freiraum für eigene Entfaltung weitgehend ohne zu Murren auf sich nehmen würden. „6.30 Uhr ist Wecken. Um 7 Uhr gibt es ein spartanisches Frühstück aus Reisbrei und heißem Tee, bevor um viertel vor Acht eine Morgenandacht stattfindet, bei der auch die Nationalhymne gesungen wird. 8.15 Uhr beginnt der Unterricht, der bis 16 Uhr dauert“, berichtet Krüger. Am Abend gelte für alle Schüler ab 22 Uhr eine verbindliche Nachtruhe. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass die Ausbildung durchaus ihren Preis hat. Umgerechnet rund 200 Euro kosten die Lehrgänge pro Jahr und Person inklusive Essen und Lehrmaterial. Zum Vergleich: Ein Textilfacharbeiter verdient in Kambodscha etwa 80 Euro im Monat. Da kaum ein Schüler den notwendigen Betrag aufbringen kann, werden fast alle von Unternehmen oder Organisationen gesponsert. Die Suche nach potenten Sponsoren, so Krüger, sei eine zentrale Aufgabe innerhalb der Einrichtung – er selbst nehme entsprechende Hilfsangebote unter Telefon (0 41 01)69 04 40 entgegen.

Im Nachhinein und wieder zurück in heimischen Gefilden, schätzt Krüger seine „Mission“ im fernen Kambodscha als gelungen ein. In Entwicklungs- und Schwellenländern etwa Nachhaltiges mit aufzubauen sei nicht nur eine Erfüllung, sondern auch der einzige Weg die Lebensumstände vor Ort tatsächlich zum Positiven zu verändern.

Die gemeinnützige Stiftung „Senior Experten Service“ (SES) hat sich genau dies auf ihre Fahnen geschrieben. Die im rheinischen Bonn beheimatete Institution entsendet Fachkräfte im Ruhestand, die unter anderem in Entwicklungsländern Unternehmen, Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen unterstützen sollen. 2013 verzeichnete die Organisation über 1500 Einsätze außerhalb Deutschlands und ist dabei stets auf der Suche nach engagierten Senioren – vom Handwerksmeister bis zum Ingenieur und Englischlehrer.

Und in Zukunft? Bernhard Krüger hält weiterhin Kontakt nach Sihanouk Ville. „Es besteht ein reger E-Mail-Verkehr, jede Woche mindestens eine.“ Konkrete Rückkehrpläne hege er momentan allerdings nicht, vielmehr habe der Aufenthalt sein Bewusstsein für die Vorzüge der Heimat geschärft „Kambodscha ist zwar schön, aber auch anstrengend und teilweise sehr chaotisch. Danach“, so sagt er, „genießt man es, erst einmal wieder in einem geordneten Staatswesen wie unserer Bundesrepublik Deutschland zu leben.“

 

■ SES-Bonn.de
■ donboscohotelschool.com


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erstellt am 12.Jan.2014 | 16:40 Uhr

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