Eine Trutzburg der Ideale

Das Thalia Theater am Alstertor aus der Vogelperspektive. Hier spielten einst Inge Meysel und Heinz Rühmann.
Das Thalia Theater am Alstertor aus der Vogelperspektive. Hier spielten einst Inge Meysel und Heinz Rühmann.

Zum 175-jährigen Bestehen des Thalia Theaters betont Intendant Joachim Lux die Bedeutung als „kulturelles Gedächtnis“ Hamburgs

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28. Oktober 2018, 12:38 Uhr

Als Chérie Maurice, der Sohn eines Schnapsbrenners, 1843 das Thalia Theater in Hamburg eröffnete, wurde ihm dies unter einer Bedingung erlaubt: Er durfte nur Komödien spielen. Ernste, dramatische Stücke waren dem Stadt-Theater an der Dammtorstraße vorbehalten, das sich neben Opern auch dem Schauspiel widmete. Deshalb benannte Maurice sein Haus nach der griechischen Muse der komischen Dichtung: Thalia.

Seinen Ruf als Unterhaltungstheater hat das Thalia Theater seit langem abgestreift und ist heute gemeinsam mit dem Deutschen Schauspielhaus die wichtigste Sprechbühne Hamburgs. Mit einer Jubiläumsfestwoche feiert das renommierte Theater, an dem früher Stars wie Inge Meysel, Heinz Rühmann und Hardy Krüger spielten, vom 2. bis 11. November seinen 175. Geburtstag.

„Theater muss das eigene kulturelle Erbe schützen, bewahren und aus dem Geist der eigenen Gegenwart befragen“, sagt Intendant Joachim Lux (60). Dies sei wichtig, weil der Verlust des kulturellen Gedächtnisses zur Geschichtslosigkeit führe.

Gleichzeitig, so Lux, dürfe es sich nicht aus der Gegenwart davonstehlen, sondern müsse sich zu ihr bekennen. „Beides zusammen schützt gegen den Geist politischer Einfalt, der nicht nur in Deutschland, sondern leider in der gesamten westlichen Welt in Mode ist“, meint Lux. Er leitet das Theater seit 2009. „Wir müssen uns zu Europa bekennen, nicht nur als Wirtschaftsraum, sondern zu seinen Idealen. Denn es gibt sie ja: Es sind die Ideale der Französischen Revolution: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.“

Zum Jubiläum wurde das Theater umfangreich saniert und die Foyers nach den Plänen des Architekten Georg Kallmorgen wiederhergestellt. Wegen des Erfolgs war 1912 ein größeres Theater am Gerhart-Hauptmann-Platz erbaut worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde dieses zerstört und erst 1960 wiedereröffnet.

„Das Regietheater hat am Thalia viele Siege gefeiert: Hier haben der böse Peter Zadek und der schlimme Hans Neuenfels und der junge Jürgen Flimm inszeniert – die waren ja damals keineswegs Klassikaner“, reflektiert Lux die wechselvolle Geschichte.

Geholt hatte die „Jungen Wilden“ Boy Gobert, der das Theater von 1969 bis 1980 leitete. Unter Intendant Ulrich Khuon (2000-2009) wurde das Thalia gleich zweimal zum „Theater des Jahres“ in Deutschland gekürt.

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