Falschparken : Eine Stunde Knöllchen schreiben kostet die Stadt Bönningstedt 105,27 Euro

Ganz schön teuer: Selbst bei einer großen Bestellmenge von 500 Stück kostet allein der Zahlschein pro Vordruck schon 1,06 Euro plus Mehrwertsteuer.
Ganz schön teuer: Selbst bei einer großen Bestellmenge von 500 Stück kostet allein der Zahlschein pro Vordruck schon 1,06 Euro plus Mehrwertsteuer.

Die Gemeinde berät darüber, ob es sich finanziell lohnt, Falschparker zu verfolgen.

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18. Januar 2018, 12:30 Uhr

Bönningstedt | Es ist den Schilderungen von Bönningstedter Politikern zufolge jeden Morgen das gleiche Bild: Vor der Grundschule an der Kieler Straße stockt der Verkehr. Fahrzeuge halten am Straßenrand trotz Halteverbots, weil Eltern, die ihre Sprösslinge zur Schule bringen, sie dort aussteigen lassen. Der kleine Parkplatz ist im Nu voll und da es wohl jeder eilig hat, fährt kaum jemand auf den großen Parkplatz des Pflanzenmarkts gegenüber. Schließlich müssten dann die Überquerung der Straße und einige Meter zusätzlicher Fußweg in Kauf genommen werden.

Als Folge davon beratschlagten die Politiker der Gemeinde im vergangenen Herbst, wie die Situation entschärft werden könne. Appelle an die Eltern fruchteten nicht, also sollen Strafen her: Die Verwaltung wurde beauftragt, die Kosten zu ermitteln, die entstehen, wenn die Stadt Quickborn damit beauftragt wird, eine Person zur Feststellung von Ordnungswidrigkeiten im ruhenden Verkehr nach Bönningstedt zu schicken. In Kurzform: Was kostet ein Knöllchenschreiber?

Wenn der Bauausschuss am Donnerstag, 25. Januar, um 19.30 Uhr im Kulturzentrum an der Kieler Straße erneut zusammenkommt, kann über konkrete Zahlen beratschlagt werden. Gemäß des Angebots, das die Quickborner Verwaltung ausgerechnet hat, liegt der Stundensatz inklusive Personalnebenkosten für einen Knöllchenschreiber bei 46,39 Euro. Dies gilt auch für Fahrt-, Rüst- und Nachbereitungszeiten.

Hinzu kommt die innendienstliche Nachbereitung der Einsätze: Die Daten müssen übergeben und erfasst und die Beweisfotos an den Kreis Pinneberg weitergegeben werden. Als Zeitaufwand werden dafür 50 Prozent der Zeit angesetzt, die tatsächlich vor Ort überwacht wurde. Der Stundensatz für diese Tätigkeit beträgt 53,70 Euro.

20 Prozent bleiben bei der Gemeinde

Weitere Kosten fallen für die Zahlscheine an, die bei einem Fachverlag für Behördenvordrucke bestellt werden müssen. Gemäß der Beschlussvorlage sind die Kosten je nach Menge gestaffelt: Werden 99 Stück bestellt, kostet ein Vordruck 6,75 Euro, werden 500 Stück gekauft, fallen je Exemplar 1,06 Euro an. Hinzu kommt in beiden Fällen noch die Mehrwertsteuer. Von den eingenommenen Verwarngeldern behält der Kreis 80 Prozent, die restlichen 20 Prozent fließen zurück nach Quickborn. Dieser Betrag reduziert die Kosten, die der Gemeinde Bönningstedt entstehen.

60 Minuten Überwachungszeit 46,39 Euro
30 Minuten Fahrzeit 23,20 Euro
30 Minuten Innendienst 26,85 Euro
7 Verwarnungsvordrucke 8,83 Euro
Kosten : 105,27 Euro
Erlöse: 14,00 Euro (20 Prozent von 70 Euro)
bereinigte Kosten: 91,27 Euro

Die Verwaltung schlägt weiter vor, dass die sporadischen Überwachungseinsätze zwischen dem Bürgermeister der Gemeinde Bönningstedt und dem Fachbereich Öffentliche Sicherheit der Stadt Quickborn hinsichtlich der Schwerpunkte, Intervalle und Einsatzdauer der Kontrollen sowie der Tageszeit geplant und abgestimmt werden. Nach Auskunft der Bönningstedter Polizei gibt es in der Gemeinde „kein großes Problem“ mit Falschparkern. Gelegentlich würden Personen, die im Bereich der Schule mit zwei Reifen auf dem Gehweg stünden, bußgeldpflichtig verwarnt. Einen Problemschwerpunkt sehen die Beamten dort jedoch nicht.

Rechenaufgabe für Grundschüler, Stochastik-Gymnastik und ein Appell

Ein Kommentar von Ute Springer

Nun liegen die Zahlen auf dem Tisch: Eine Stunde Überwachungstätigkeit kostet demnach 105,27 Euro. Erhält die Gemeinde 20 Prozent der Einnahmen, müssten 53 Falschparker  à zehn Euro aufgeschrieben werden, damit die Kosten gedeckt sind. Also Strafzettel im Minutentakt. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass dies jemals eintreten kann, dürfen die Gymnasiasten der Oberstufe gern im Fach Stochastik unter die Lupe nehmen. Meine Einschätzung – auch ohne Stochastik-Gymnastik: Das haut nicht hin.

Da hilft nur ein dringender Appell an alle Eltern: Bitte bringen Sie ab sofort unbedingt jeden Tag ihr Kind mit dem Auto zur Schule. Vermeiden Sie den Parkplatz. Stellen Sie Ihren Wagen mit zwei Rädern auf dem Bordstein an der Kieler Straße ab und begleiten Sie ihr Kind bis zur Tür des Klassenzimmers. Geben Sie der überwachenden Person auf jeden Fall ausreichend Zeit, die Ordnungswidrigkeit zu erfassen und den Strafzettel unter den Scheibenwischer zu klemmen. Nur gemeinsam können Sie es so schaffen, dass der Einsatz kostendeckend erfolgt und die Gemeinde nicht draufzahlt. Ihr Nachwuchs sollte Ihnen das wirklich wert sein! Was sind schon ein paar hundert Euro, wenn es um nicht weniger als die optimale Sicherheit  Ihrer Kinder geht?

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