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Pinneberger Tageblatt

17. Dezember 2017 | 15:13 Uhr

Pinneberg : Eine Stadt feiert seine neue Orgel

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

500.000 Euro teures Instrument der Christuskirche geweiht. Kirchenkreis zahlt 350.000 Euro – der Rest kommt vom Förderverein.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Eigentlich sollten sie das erste Lied singen, die rund 400 Gläubigen, die sich in der Christuskirche zum Gottesdienst eingefunden hatten. Aber es war zugleich der Moment, an dem zum ersten Mal die gerade geweihte neue Orgel den Ton dazu angab und Kantor Andreas Polzin ließ sich die Chance nicht nehmen, das übliche kurze Vorspiel in ein veritables kleines Konzertstück zu verwandeln. Eine mitreißende Ouvertüre. Prompt brauste erstmal spontaner Beifall auf, ehe die Gemeinde „Nun danket alle Gott“ anstimmte.

Es war ein kostbarer Moment in der Geschichte des ältesten Pinneberger Kirchenbaus, lange herbeigesehnt, manchmal herbeigezittert. Sechs wechselvolle und arbeitsreiche Jahre waren vergangen, seitdem die Gemeinde den Bescheid erhalten hatte, sie müsse von der halben Million, die für das neue Instrument veranschlagt worden war, 150.000 Euro selbst aufbringen. Vom Kirchenkreis seien nur 350.000 zu erwarten.

Ein rasch gegründeter Orgelbauverein stellte sich der Herausforderung. Es waren vor allem zwei Leute aus dem Gründerteam, die nicht locker ließen, bis sie das Ziel Euro für Euro erreicht hatten: Schatzmeister Dr. Henning Froehner und Schriftführerin Christiane Bayer. Sie standen denn auch neben der Gallionsfigur des Vereins, Propst Thomas Drope und dem Pinneberger Orgelsachverständigen Klaus Schöbel im Rampenlicht, als Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der evangelischen Nordkirche, die Orgel in einer feierlichen Weihehandlung ihrer Bestimmung übergab.

Die Bischöfin war es auch, die das Instrument erstmals „Baumhoer-Orgel“ nannte. Bis dahin war immer von der „Röver-Orgel“ die Rede gewesen. Ernst Röver hatte Ende des 19. Jahrhunderts die erste Pinneberger Orgel erbaut. Sein Werk diente als Vorbild für die neue Orgel. Gebaut aber wurde sie von Albert Baumhoer, dem renommierten Experten romantischer Orgeln, wie Röver und seine Zeitgenossen sie schufen. Jetzt erlebte der Meister aus dem westfälischen Salzkotten mit, wie sein bisher größter Neubau offiziell seinen Namen bekam.

Nicht erst Polzins bravouröses Vorspiel zeigte, was in dem Instrument an Möglichkeiten steckt. Bereits zwei Tage vor der Weihe hatte der Kantor ein Konzert in der Kirche gegeben, vor geladenen Gästen, zumeist Sponsoren und ehrenamtliche Helfer, die sich um den Neubau verdient gemacht hatten. Dann gab es noch eine von Polzin moderierte Demonstration mit dem bekannten Organisten Peter Ewers aus Paderborn, die alles an Tönen, Harmonien und Klangfarben herausarbeitete, zu denen die neue Orgel fähig ist.

So wurde schnell ganz deutlich: Hier ist ein Instrument, das für die musikalische Vielfalt in der Kreisstadt eine unglaubliche Bereicherung darstellt.

Diesen Aspekt hob Ratsherr Bernd Hinrichs (CDU) in seinem Grußwort als Abgesandter der Stadt hervor. Und als hätte es noch eines weiteren Beweises bedurft: Nach dem Gottesdienst, dem anschließenden Empfang im Zelt vor der Kirche, einer informativen Präsentation der Orgelbaugeschichte, die Hans-Hermann Schramm vom Fotokreis Pinneberg akribisch zusammengestellt hatte, gab es schon gleich das zweite Orgelkonzert. Dazu war der renommierte Organist Christoph Schoener, Kirchenmusikdirektor an der Hamburger Michaeliskirche, in die Christuskirche gekommen. Mit Kompositionen von Bach, Brahms und Mendelssohn führte virtuos die Vielseitigkeit des neuen Instruments vor. Eine Ehre sei es für ihn, zur Orgelweihe nach Pinneberg eingeladen worden zu sein, wehrte er den Dank der Zuhörer für sein Kommen ab.

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