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Kreis Pinneberg : Eine spektakuläre Strommast-Rettung

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Übung der Höhenrettung: Spezialgruppe von THW und Feuerwehr im Einsatz.

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Kummerfeld | Hinter der Einsatzmeldung „Person auf Strommast“ verbirgt sich eine lebensgefährliche Mutprobe. Ein Mann sucht die Gefahr. Er ist auf die 28 Meter hohe Traverse geklettert und kommt allein nicht mehr runter. In den Leitungen des 48 Meter hohen Stahlkollosses fließen tödliche 380.000 Volt.

Die Kreis Pinneberger Höhenrettung rückt aus – eine Spezialgruppe aus Kräften des Technischen Hilfswerks und Aktiven verschiedener Feuerwehren. Gruppenführer Markus Knobelsdorf und sein Team fahren ins Niemannsland zwischen Tornesch und Uetersen, Esinger Waldweg. Zum Glück ist es nur eine Übung. Der Strommast ist noch nicht ans Netz angeschlossen.

Zwei Transporter mit acht Männern und professioneller Rettungsausrüstung rollen auf die Wiese. Kein Blaulicht, keine Sirene. „Wir behandeln solche Einsätze ähnlich wie welche mit Suizidgefährdeten“, erläutert Knobelsdorf. Es soll kein „Ansporn“ gegeben werden.

Nachdem der Gruppenführer festgestellt hat, dass der zu Rettende noch ansprechbar ist, wird der Einsatz vorbereitet. Der Höhenrettungs-Anwärter Jan Lescow von der Feuerwehr Bokholt-Hanredder ist die Person im Mast. Sven Duus (Feuerwehr Uetersen) soll rauf. Nach letzten Instruktionen von Knobelsdorf klettert der Oberlöschmeister hoch – gesichert durch zwei Seile und seine Kameraden am Boden. Auf der Traverse wird der Rettende erst gesichert und dann passiv abgeseilt. Das heißt, dass der Retter im Mast mit den Händen die gefährdete Person sichern kann. Die Höhenretter am Boden ließen das Duo langsam herab. Nach 20 Minuten hatte der „Lebensmüde“ wieder festen Boden unter den Füßen.

„Das hat alles gut geklappt“, resümiert Knobelsdorf. Es seien beste Bedingungen gewesen. Kein Regen, Windstille und eben kein Strom, denn der Stahlkolloss ist noch gar nicht am Netz.

Die Übung war eine Kooperation mit dem Trassenbauer Tennet. Das Bayreuther Unternehmen baut derzeit neue Strommasten auf 30 Kilomentern Länge zwischen dem Umspannwerk Hamburg Nord und Dollern-Wilster.

Die Kreis Pinneberger Höhenrettung ist beim THW angesiedelt. Sie setzt sich jedoch auch aus Feuerwehrkräften zusammen. Das Ehrenamt üben die 15 Aktiven und zehn Anwärter zusätzlich zu ihren sonstigen Tätigkeiten aus. Die Ausbildung dauert 120 Stunden über zwei Jahre, die Aktiven müssen sich 70 Stunden im Jahr fortbilden. Geübt wird an Silos, Riesen-Postern oder Windkraftanlagen. Die Ehrenamtler kommen auch zum Einsatz wenn adipöse Patienten (krankhaftes Übergewicht) aus ihren Wohnungen geholt werden müssen. www.thw-pinneberg.de
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