Eine Neueröffnung für Kummerfeld

Ann-Christine Rentel eröffnet Anfang Februar einen Salon in ihrem Wohnort Kummerfeld.
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Ann-Christine Rentel eröffnet Anfang Februar einen Salon in ihrem Wohnort Kummerfeld.

Die Bäckerei ist seit Jahren geschlossen, jetzt öffnet eine Friseurin / Tägliche Versorgung im Dorf nimmt weiter ab

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20. Januar 2018, 16:00 Uhr

In Kürze hat die Gemeinde Kummerfeld ein neues Geschäft: Die Friseurmeisterin Ann-Christine Rentel eröffnet in den seit etwa zwei Jahren leerstehenden Räumen des ehemaligen Bäckers nun einen Salon für die ganze Familie: „Heimathafen“ soll er heißen. Meldungen dieser Art sind selten geworden auf den Dörfern rund um Pinneberg: Hauptsächlich ist von Schließungen die Rede.

Viele Anlaufstellen für den täglichen Bedarf sind Kummerfeld nicht geblieben: Laut Bürgermeisterin Erika Koll (SPD) sind am Ort noch die seit Generationen geführte Schlachterei Schmidt, der Kreta-Shop mit griechischen Lebensmitteln und eine Kosmetikerin mit eigenem Ladengeschäft im Bornbarg. Es gibt zwei Tierärzte, eine Polizeistation, die auch für Borstel-Hohenraden zuständig ist, und eine Poststelle, die täglich gerade einmal eine Stunde geöffnet hat. Pakete werden dort aber nicht hinterlegt – dafür müssen die Kummerfelder nach Pinneberg. „Eine Bank gab es hier nicht, jedenfalls nicht seit ich hier wohne – und das sind 40 Jahre“, so Koll.

Die Eröffnung des neuen Friseurs begrüßt die Bürgermeisterin, Hoffnungen an eine langfristige Verbesserung der Versorgung im Ort knüpft sie daran aber nicht: „Es ist der Preis der Nähe zu Pinneberg Nord“, erläutert sie. „Viele Supermärkte aus Pinneberg sind von uns aus sogar mit dem Rad zu erreichen. Niemand denkt daran, hier einen Markt zu eröffnen.“ Dies wär eventuell zweckmäßig, wenn es noch ein Pflegeheim gäbe, als Versorger für Heimbewohner und Ortsansässige – aber auch dies ist geschlossen und wird von der Polizei mittlerweile als Anti-Terror-Übungsraum genutzt. „Pläne, dort gegenüber eine Wohngruppe für Pflegebedürftige zu gründen, sind leider vom Tisch. Der Bauantrag ist nicht genehmigt worden.“ Schmerzlich sei für Koll besonders das Fehlen eines Treffpunktes im Ort: „Das vermisse ich.“

Der Lindwurm steht nur noch für Veranstaltungen zur Verfügung, der Meinkenhof ist geschlossen: Andreas Supthut, der das Gebäude kaufte, sucht händeringend einen Pächter, der den Mut hat, wieder eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Große Hoffnung setzt Koll auf die Idee dreier Kummerfelder Bürger, in der alten Schule ein Kulturcafé zu eröffnen. „Der Antrag auf Nutzungsänderung ist gestellt“, so Koll. Wenn das klappt, hofft sie, dass es Bestand haben wird: „Wir Dörfler verhalten uns doch so und sind auch selbst mit schuld. Es reicht nicht zu sagen ,oh toll‘, die Leute müssen dann auch wirklich hingehen.“

Dass die Leute wirklich zu ihr kommen – da ist die frischgebackene Friseur-Unternehmerin zuversichtlich. „Ich wohne seit acht Jahren selbst in Kummerfeld, meine Kinder gehen hier in den Kindergarten.“ Gut vernetzt sei sie. Sie habe als mobile Friseurin bereits das Vertrauen vieler Stammkunden. „Ich habe sogar schon erste Termine vergeben“, sagt Rentel, während sie noch in Eigenregie mit der Hilfe diverser Handwerksbetriebe hinter den abgeklebten Scheiben werkelt. „Heimathafen“ – der Name soll Programm sein. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem man sich zu Hause fühlen kann.“ Das Zuhause-Sein ist es, was den Dörfern, die mangels wegbrechender Infrastruktur zunehmend zu reinen Schlafplätzen mutieren, stückweise abhanden kommt. Am Sonnabend, 3. Februar, eröffnet Rentel ihren Salon.

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