Torfbahn Himmelmoor : Eine neue Lore Marke Eigenbau

Flache Rampe, großer Stellplatz, Sitze für die Begleiter: Die Tüftler Fanziska Zelck (von links), Lothar Hornburg und Dan Zelck haben an alles gedacht.
Flache Rampe, großer Stellplatz, Sitze für die Begleiter: Die Tüftler Fanziska Zelck (von links), Lothar Hornburg und Dan Zelck haben an alles gedacht.

Drei Tüftler der Quickborner Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor ermöglichen Rollstuhlfahrern die Teilnahme an Rundfahrten.

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13. August 2018, 12:00 Uhr

Quickborn | Einem jungen Mädchen aus dem Bekanntenkreis der Arbeitsgemeinschaft Torfbahn Himmelmoor ist es zu verdanken, dass ab sofort auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen an Fahrten durch das Quickborner Himmelmoor teilnehmen können. „Die 7-jährige Pina ist seit ihrer Geburt körperlich und geistig behindert und sitzt im Rollstuhl“, berichtet Dan Zelck, Vorsitzender des Vereins. Das habe ihn, seine Frau Franziska und Lothar Hornburg im vergangenen Herbst auf die Idee gebracht, eine besondere Lore zu bauen, die es auch Rollstuhlfahrern ermöglicht, an den Fahrten durch das Moor teilzunehmen.

„Das war eine ziemliche Herausforderung – es gibt nämlich kein Vorbild, das wir heranziehen konnten“, beschreibt Hornburg die Problematik. Das Aussehen und einige der Funktionen hätten sich erst während des Baus entwickelt. „Details wie Stellplatzgröße, Einstiegshöhe, Entgleisungssicherheit und gute Kurvengängigkeit waren zu berücksichtigen“, zählt Zelck auf.

Für den Notfall: An den Rolli-Plätzen ist eine Hupe angebracht.
Foto: uts
Für den Notfall: An den Rolli-Plätzen ist eine Hupe angebracht.
 

Herausgekommen ist eine Konstruktion, die die Tüftler als „Niedrigflurlore“ bezeichnen. Ähnlich wie bei einem Lkw-Anhänger, der beispielsweise große Arbeitsmaschinen transportiert, liegt dabei die Fläche zwischen den Achsen tiefer als bei einem normalen Anhänger. „Außerdem hat diese Lore vier Achsen, sonst wäre es nicht möglich, enge Kurven zu fahren“, erläutert Zelck weiter.

Die Rampe, über die Rollstuhlfahrer auf die Lore gelangen, ist besonders flach. Ein verstellbarer Bügel sorgt innen für Sicherheit. „Das haben wir uns vom Omnibusbau abgeguckt“, sagt Hornburg. Die Trennwand zwischen den beiden Rolli-Abteilen ist herausnehmbar, so dass sogar Menschen, die liegend transportiert werden müssen, mit durch das Moor fahren können. Für die Verriegelung der Rampen hat Hornburg sogar einen ganz eignen Verschluss erfunden und angefertigt.

Warme Werkstatt im Winter

„Viel Fachwissen hat Klaus Czerwonka, früherer Betriebsleiter des Torfwerks mit eingebracht. Außerdem hat er uns über den gesamten Winter eine warme Werkstatt zur Verfügung gestellt. Ohne diese Hilfe wäre das Projekt nicht möglich gewesen“, bedankt sich Zelck. Auch das Quickborner Ehepaar Hidelbrecht, das sich für Inklusion in der Eulenstadt einsetzt, habe Tipps zur Umsetzung gegeben. „Es war ein unbeschreiblich schönes Erlebnis, als Pina mit ihren Eltern das erste Mal durchs Moor fahren und dabei Moorfrösche und eine Kreuzotter beobachten konnte“, sagt Zelck. Schließlich sei es für Rollstuhl- aber auch Fahrradfahrer sowie Eltern mit Kinderwagen so gut wie unmöglich, über den weichen Moorboden zu fahren.

Als weitere Anschaffung haben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft drei ehemalige Torf-Loren aus Niedersachsen gekauft und für Personenfahrten umgebaut. „Sie haben einen niedrigeren Einstieg und sind mit einer Treppenstufe versehen“, erläutert Zelck. So könnten auch gehbehinderte Menschen oder solche mit Rollatoren deutlich besser einsteigen. „Diese drei Loren werden mit der Niedrigflurlore zu einem Zug zusammengekoppelt, so dass 25  Personen plus zwei Rollstuhlfahrer mit jeweils bis zu drei Begleitpersonen Platz finden“, erklärt Zelck. Der Zug würde bei Bedarf an den öffentlichen Fahrtagen eingesetzt und stehe darüber hinaus auch für Sonderfahrten zur Verfügung. „Beim ersten Einsatz am vergangenen Sonntag waren zwei Rollstuhlfahrer dabei, die hellauf begeistert waren“, so das erste Fazit. Der nächste Termin für öffentliche Fahrten ist am Sonntag, 19. August. Abfahrt ist um 13 und 15 Uhr am Torfwerk in der Himmelmoorchaussee. Anfragen für Sonderfahrten können über die Internetseite vorgenommen werden.
 

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