Eine neogotische Schönheit

Die katholische Kirche am Fahltskamp erstrahlt dank der Künstlerin Imke Stolz im farbigen Glanz.
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Die katholische Kirche am Fahltskamp erstrahlt dank der Künstlerin Imke Stolz im farbigen Glanz.

Katholische Kirche St. Michael aus Rücksicht in zweiter Reihe gebaut / Mittelalterlicher Stil bleibt bis heute erhalten

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22. August 2018, 16:18 Uhr

Der Wasserturm, die Drostei, die Paasch-Halle, die Christuskirche an der Bahnhofstraße und der Bahnhof selbst – wie oft geht man an diesen denkmalgeschützten Gebäuden in Pinneberg vorbei, ohne sie wahrzunehmen oder zu wissen, was hinter diesen Mauern ist? Die Künstlerin Imke Stotz (Foto) hat die denkmalgeschützten Gebäude in Aquarellfarben festgehalten. Stotz’ Tochter Helen Stotz (Foto, unten) liefert als Kontrast zu den bunten Bildern jeweils streng komponierte Fotos von den Originalbauwerken in klassischem Schwarz-Weiß. Elf Pinneberger Gebäude werden im Laufe der Serie vorgestellt.

Wer den Fahltskamp in Pinneberg aufmerksam entlang schlendert, wird sie schon einmal gesehen haben: die katholische Kirche St. Michael. Sie liegt – nicht wie die restliche Bebauung – direkt an der Straße, sondern ist ein wenig zurückgesetzt. Und das hat auch einen Grund: Beim Bau der Kirche wurde bewusst darauf geachtet, die Kirche nicht so präsent und auffällig zu bauen. „Man wollte die Evangelisch-Protestantische Kirche nicht vor den Kopf stoßen und hat deshalb diese recht kleine Kirche zurückliegend errichten“, erinnert sich Peter Kleinort, der sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Pfarrei St. Katharina-Halstenbek kümmert, zu der auch St. Michael gehört.

Die Kirche, die in ihrer ursprünglichen Form in rotem Backstein 1906 gebaut wurde, entstand in der Zeit der Katholiken-Emanzipation. „In Norddeutschland hatte der Katholizismus keinen besonders hohen Stellenwert“, berichtet Kleinort. Jedoch führte der wirtschaftliche Wandel – die Ilo-Motorenwerke und das Baumschulwesen wuchsen – dazu, dass immer mehr Menschen aus dem Osten nach Pinneberg kamen. „Das war die Initialzündung für den Katholizismus hier vor Ort“, sagt Kleinort.


Architektur ist typisch norddeutsch gestaltet

Die Gestaltung von St. Michael beinhaltet zwei architektur-historische Merkmale. Zum Einen besteht die gesamte Kirche aus nur einem Raum. „Das kommt aus der mittelalterlichen Kirchenbau-Tradition“, sagt Kleinort. Typisch norddeutsch ist hierbei, dass das Kirchenschiff schlicht gehalten und ein Kastenchor vorzufinden ist. Eine runde Apsis wäre hier untypisch. Zum anderen ist die Backsteingotik des Gebäudes maßgeblich und fällt dem Betrachter sofort ins Auge. Die Fassade wurde im Brandenburger Stil gestaltet. „Mit den Zinnen sollte die schlichte Wandform aufgebrochen werden“, erklärt er. Auch das sei ein Rückgriff auf das Mittelalter und typisch für den norddeutschen Raum.

Die Umbauten von St. Michael wurden 2009 begonnen und nur ein Jahr später bereits abgeschlossen. „Auch dabei wurde natürlich der ursprüngliche Stil beibehalten“, sagt Kleinort. Die dunklen Anbauten vergrößern das Kirchenschiff, ohne großen Einfluss auf die räumliche Gestaltung zu haben. Zusätzlich wurde beim inneren Ausbau als Leitlinie das Prinzip der Wegekirche als Vorbild genommen.


Bilder der Wegekirche halfen Analphabeten

„Auch das stammt aus dem Mittelalter. Viele Menschen konnten nicht lesen. Deswegen wurde alles bildhaft dargestellt“, erklärt Kleinort. Die ikonographische Gestaltung zeigt eine gerade Wegachse, die schon bei den Stufen zum Eingang beginnt. Sie stellen den Alltag dar. Die Tür steht für den Übergang vom alten zum neuen Testament. Am Ende steht das Taufbecken, dass die christliche Gemeinde verkörpert. Der Ambo, ein erhöhter Ort, von dem aus die Lesungen gehalten werden, steht für das Wort Gottes. Das Tabernakel, in dem sich geweihte Hostien befinden, beschreibt das ewige Leben.


Am Freitag, 24. August, steht das ehemalige Kreishaus Rübekamp im Mittelpunkt der Serie.

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