zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 21:20 Uhr

Inklusion : Eine Mutmacherin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Alexandra Hübner ist halbseitig gelähmt und arbeitet in der Verwaltung – anderen möchte sie beweisen, dass das geht.

von
erstellt am 22.Dez.2016 | 10:00 Uhr

Moorrege/Tornesch | „Auch ein behinderter Mensch kann in ganz normalen Firmen gute Arbeit leisten“, sagt Alexandra Hübner. Die 19-Jährige möchte Betrieben genau das beweisen – und tut es bereits. Sie arbeitet in der Verwaltung im Amt Moorrege und im Rathaus in Tornesch.

Seit dem 3. November arbeitet sie von Montag bis Donnerstag jeweils halbtags in Moorrege und in Tornesch. „Bis hier hin war es ein langer, harter Weg“, sagt Alexandra Hübner. Die 19-Jährige ist halbseitig gelähmt, hat Spastiken. Ihre Behinderung ist nicht angeboren, sie hat sie aber schon fast ihr Leben lang: Ein Hund hat sie in den Nacken gebissen als sie wenige Wochen alt war. Der Vierbeiner wollte das Baby apportieren und fügte Hübner damit ein offenes Schädel-Hirn-Trauma zu. Bis heute ist sie deswegen in Behandlung. Trotz der schwerwiegenden Folgen sind Hunde heute ihre Lieblingstiere.

Die junge Frau aus Moorrege besuchte die Schülerschule in Pinneberg und später die Hirtenwegschule in Hamburg. Danach kam sie im Rahmen der beruflichen Bildung zur Elmshorner Arbeitsassistenz (Elmar). Deren Team unterstützt Menschen mit Handicap dabei, ihre eigenen Wünsche und Vorstellungen von Arbeit umzusetzen.

Hübners Wunscharbeitsplatz war beim Amt Moorrege. Das wurde ihr schon 2014 während eines einwöchigen Praktikums klar. Seit Mai dieses Jahres kam sie als Praktikantin mehrmals die Woche wieder.

Es ist das erste Mal, dass Elmar mit einer Amtsverwaltung im Kreis Pinneberg kooperieren kann. „Wenn die öffentliche Hand das jetzt nicht macht, wer denn dann“, ist der Pinnau-Amtsleiter Rainer Jürgensen überzeugt. Jürgensen war es auch, der die Idee für das Tätigkeitsfeld von Hübner hatte.

Arbeitsprozesse neu denken

Die junge Frau scannt Zeitungsartikel ein und archiviert sie. Ihren Kollegen sei das immer zur Last gefallen, sie machten es nebenbei. „Man muss Arbeitsprozesse neu denken“, erklärt Jürgensen. Hübner macht ihren Job sehr sorgfältig. „Und es macht mich glücklich. Ich kann hier ohne Hilfe arbeiten, die Atmosphäre ist toll und die Kollegen auch“, schwärmt die 19-Jährige. Ihr Chef ist ebenfalls begeistert: „Seit sie da ist, lachen wir hier viel mehr.“ Seinen Kollegen Roland Krügel, Bürgermeister von Tornesch, konnte er auch dafür gewinnen. Ansonsten seien die Verwaltungen im Kreis Pinneberg eher zurückhaltend gewesen. „Nicht alle in der Verwaltung waren am Anfang begeistert. Jetzt, wo sie Frau Hübner kennengelernt haben, hat sich das geändert“, berichtet Krügel. In Tornesch übernimmt Hübner nun ähnliche Aufgaben. „Und ich verteile in Tornesch zum Beispiel die Post“, sagt Hübner.

Hübner möchte ein Vorbild sein für andere Menschen mit Behinderung. Ihr eigener Weg war nicht einfach. „Ich habe viele Absagen bekommen, die Betriebe haben das mit mangelnden Kapazitäten begründet“, berichtet Hübner. „Da dachte ich, es liegt an meiner Behinderung. Aber das stimmt nicht. Es liegt an denen“, weiß sie heute. Auch ihre Betreuerin, die Elmar-Leiterin Julia Schubarth, bestätigt: „Frau Hübner ist eine richtige Mutmacherin für andere Teilnehmer bei uns.“ Am Freitagvormittag arbeitet sie übrigens bei Elmar. Noch lieber würde sie auch diesen Tag mit Verwaltungsarbeit füllen. „Am liebsten in Uetersen.“

Die Elmshorner Arbeitsassistenz (Elmar) ist ein Angebot der Glückstädter Werkstätten im Kreis Steinburg und besteht seit 2012. Elmar hilft Menschen mit Handicap zur Teilhabe am Arbeitsleben und möchte einen Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt schaffen. Kontakt unter Telefon 04121-261050 und per E-Mail an info@elmar.sh (ira)
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen