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"Appener Gespräche" : Eine logistische Mammutaufgabe

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Rückführung des Bundeswehr-Materials aus Afghanistan: 1700 Fahrzeuge müssen nach Deutschland transportiert werden.

„Alles muss raus“, sagte Oberstleutnant Ullrich Kraus am Mittwochabend in der Unteroffizierschule der Luftwaffe in Appen. Kraus sprach im Rahmen der „Appener Gespräche“ allerdings nicht über einen bevorstehenden Schlussverkauf, sondern über ein Mammutprojekt der Bundeswehr. „Der Weg zurück – Materialverlegung aus Afghanistan“ lautete das Thema.

Zahlreiche Soldaten sowie lokale Prominenz aus Pinneberg, Moorrege, Wedel und Appen waren in der Marseille Kaserne dabei, als Kraus berichtete, wie bis Ende 2014 die Ausrüstung der Soldaten von Afghanistan wieder zurück nach Deutschland gebracht wird. „So eine geordnete Rückführung hat es bisher noch nicht gegeben“, sagte Kraus. Der Oberstleutnant weiß, wovon er spricht. Er war als Leiter der Betriebsführung von Februar bis Juli 2013 in Trabzon (Türkei) stationiert und half mit, die Voraussetzungen für einen reibungslosen Transport zu schaffen.

Der Weg der Materialien: Mit dem Flugzeug werden sie von Afghanistan nach Trabzon geflogen und von dort mit dem Schiff nach Deutschland gebracht. Dank sorgfältiger Planung soll diesmal klappen, was nach früheren Auslandseinsätzen nicht funktioniert hat. „Bisher wurde alles meistens irgendwie in Container gepackt und war dann in Deutschland nicht mehr zu gebrauchen“, berichtete Kraus. Das könne sich die Bundeswehr diesmal nicht erlauben. Schließlich stünde den Soldaten in Afghanistan die modernste Ausrüstung der Bundeswehr zur Verfügung, auf die man nicht so einfach verzichten könne. Deshalb wird schon in Trabzon ermittelt, wo Reparaturen notwendig sind und wohin die Materialien in Deutschland transportiert werden. Nur ein kleiner Teil wird in Afghanistan entsorgt.

Was einfach klingt, ist laut Kraus „eine spannende Aufgabe für Logistiker wie mich“. Es müssten schließlich zirka 1700 Fahrzeuge und Unmengen an Material nach Deutschland gebracht werden. Große Entfernungen, wenige Verbindungswege und Unmengen an Material – diese Probleme hätten die Logistiker vor riesige Herausforderungen gestellt.

Bereits 2011 begannen deshalb die Vorbereitungen für die Rückführung. 2012 fiel die Entscheidung, den Transport über den Schwarzmeerhafen in Trabzon zu organisieren. Im Januar 2013 kamen die ersten Soldaten nach Trabzon und begannen auf einer zirka 40 000 Quadratmeter großen Fläche mit dem Aufbau eines Umschlagplatzes mit fünf Hallen, Werkstätten und zahlreichen Büroräumen. Im April wurden bereits die ersten Fahrzeuge aus Afghanistan gebracht. Inzwischen landen pro Woche zwischen drei und 14 Flugzeuge in Trabzon und bringen Material. Das erste Schiff nach Deutschland fuhr im Juli, das zweite ist erst vor wenigen Tagen aufgebrochen. Bis Mitte 2015 soll der Umschlagplatz in Betrieb bleiben. Bis dahin müssten die Logistiker eine Aufgabe bewältigen, „vor der die Bundeswehr so noch nie gestanden hat“, betonte Kraus.

Die Besucher zeigten sich beeindruckt. „Eine solche Operation ist nicht alltäglich“, sagte Oberst Klaus Kuhle, Standortkommandeur der Unteroffizierschule, zu den Ausführungen des Oberstleutnants.


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erstellt am 18.Okt.2013 | 16:00 Uhr

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