„Ökos waren damals nur Körnerfreaks“ : Eine Landwirtin berichtet in Bönningstedt aus dem Alltag

Bio-Bäuerin Resy de Ruijsscher war auf Einladung von Eckhard Johannes zu Gast.
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Bio-Bäuerin Resy de Ruijsscher war auf Einladung von Eckhard Johannes zu Gast.

Der Bönningstedter Seniorenbeirat hatte zu einem Vortrag eingeladen.

shz.de von
07. Juli 2015, 10:00 Uhr

Bönningstedt | 70 Rinder, Gänse, Hühner und Ziegen leben auf dem Bönningstedter Biohof von Resy de Ruijsscher und ihrem Ehemann Karsten Blohm. Dazu zählt auch die Zucht von Galloway-Rindern. Seit dem Jahr 2000 betreiben die beiden den Osterhof an der Kieler Straße 153.

In dieser Zeit konnte de Ruijsscher einige Erfahrungen sammeln. Von diesen berichtete sie während eines Vortrags, zu dem der Bönningstedter Seniorenbeirat eingeladen hatte. Doch kurz bevor sie loslegen konnte, bekam sie noch einen Anruf: „Zwei Rinder sind ausgebüchst. Darum muss ich mich kurz kümmern“, entschuldigte sich de Ruijsscher. Damit erlebten die Besucher, wie hingebungsvoll und verantwortungsbewusst die Diplom-Politologin mit ihren Tieren umgeht. „Ich möchte zuerst etwas über die Grundlagen eines Biohofs erzählen und was alles damit verbunden ist“, sagte de Ruijsscher zu Beginn. Trotz der hohen Temperaturen waren einige Gäste gekommen, um der erfahrenen Bönningstedterin zuzuhören.

Seit 15 Jahren bewirtschaftet sie ihren Hof nach Regeln des ökologischen Anbaus. „Der Anfang war ziemlich schwierig für uns. Entweder muss die Ernährung der Tiere umgestellt oder neue angeschafft werden“, erklärte de Ruijsscher. Die Herde müsse erst aufgebaut werden und das nehme viel Zeit in Anspruch. „Wir durchlebten am Anfang schon eine Durststrecke. Es ist nicht einfach“, sagte sie weiter. Hilfe bekämen Biohöfe durch die Förderung des Landes Schleswig-Holstein. „Diese Unterstützung erfolgt über zwei Jahre. Damit kann man sich relativ gut über Wasser halten“, so de Ruijsschers Erfahrung. Des Weiteren hatte sie anfangs mit vielen Vorurteilen zu kämpfen. „Die Ökos waren damals immer nur die Körnerfresser und die Bio-Produkte standen im Supermarkt ganz hinten in der Ecke“, erinnert sich die Landwirtin. Dies habe sich jedoch geändert: „Die Verbraucher schätzen die Produkte heute sehr viel mehr.“

Sie erklärte den Gästen ausführlich die Unterschiede der verschiedenen Bio-Siegel und -Labels. Teil ihres Vortrags waren auch die Kontrollen. „Die Kontrolleure wollen genau nachvollziehen können, ob das Rind wirklich Bio ist“, erklärte de Ruijsscher.

In Bönningstedt sind ihre Galloway-Rinder inzwischen bekannt. Deswegen wollte sie für die Gäste eine Kostprobe des Fleisches mitbringen. „Leider geht das nicht, da ich die Kühlkette bei diesen Temperaturen nicht einhalten kann“, bedauerte sie. Dafür zeigten die Gäste um Eckhard Johannes, Vorsitzender des Beirates, jedoch Verständnis.

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