Eine Initiative fürs Mitbestimmen

Werner Küppers (links) wohnt seit 18 Jahren in dem Omnibus. Benjamin Radlow fährt seit 2015 regelmäßig mit durch Deutschland unterstützt Bürgerinitiativen.
1 von 2
Werner Küppers (links) wohnt seit 18 Jahren in dem Omnibus. Benjamin Radlow fährt seit 2015 regelmäßig mit durch Deutschland unterstützt Bürgerinitiativen.

Omnibus für direkte Demokratie sammelt Unterschriften gegen Fracking für die „Volksinitiative zum Schutz des Wassers“ in Pinneberg

shz.de von
12. Mai 2018, 16:00 Uhr

Von Weitem schon zu sehen war in den vergangenen Tagen ein großer, alter, weißer Omnibus. Er stand auf dem Platz direkt vor Pinnebergs Drostei. Davor ein Mann im Anzug. Doch warum? Das haben sich sicherlich viele Bürger gefragt. Ein genauerer Blick erklärte eigentlich alles. In grünen Lettern steht an der Seite des Gefährts „Omnibus für direkte Demokratie in Deutschland – Volksabstimmung.“ Der Bus tourt durch die Republik. Mit dem Ziel, die Menschen über die Möglichkeiten direkter Demokratie zu informieren, besonders über die Vorteile von Volksentscheiden.

Der Mann im Anzug ist Werner Küppers. Er ist der Fahrer des alten Gefährts. Er sitzt seit mittlerweile 18 Jahren am Steuer und befördert sich und sein kleines Team quer durch Deutschland und Europa. Noch bis Ende Mai hat das Team eine besonderes Mission: Unterschriften sammeln. Und zwar für die Volksinitiative „Zum Schutz des Wassers“. „Es geht darum, dass das sogenannte Fracking in Schleswig-Holstein verboten wird“, erklärt Küppers. „20 000 Unterschriften müssen wir bis zum 29. Mai gesammelt haben.“ Bisher laufe es super, die Leute seien sehr empfänglich für dieses Thema.

Beim Fracking wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien mit Hochdruck in das Erdreich gepumpt, um dort Vorkommen von Erdöl zu lösen und somit fossile Brennstoffe zu finden. „Die Auswirkungen sind vielseitig und tiefgreifend. Das Gemisch, das in den Boden gepumpt wird, versickert zu großen Teilen und gelangt so in unser Grundwasser, in die Meere, Seen und Flüsse. Dass das krank macht, ist unumstritten. Zudem drohen, wenn Vorkommen von Öl auf einem Privatgrundstück gefunden werden, Zwangsenteignungen“, schildert Küppers die Probleme. „Wasser ist unser grundlegendstes Element. Der Mensch selbst besteht zum Großteil daraus. Es kann doch nicht sein, dass Konzerne den Vorrang gegenüber den Normalbürgern haben.“

Auf kommunaler Ebene sind Bürgerentscheide schon gang und gäbe. „Unseren 30-jährigen Kampf gegen den zähen Widerstand der Parteien haben wir aber noch nicht beendet. Wir wollen Abstimmungsrechte auch auf bundesweiter Ebene für die Bürger erreichen. Im Koalitionsvertrag wurde zumindest ein Zusatz aufgenommen. Das Thema der Bürgerentscheide wird zur Sprache kommen“, so der 68-Jährige, der seine komplette Existenz dem Kampf für die Demokratie verschrieben hat. Sein ganzes Leben findet in dem Bus statt, der zu einer Art Wohnmobil umgebaut wurde. Zuvor hatte er ein eigenes Übersetzungsbüro.

>

www.vi-wasser.de

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen