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Bassbariton in Rellingen : Eine hoffnungsvolle Stimme erwacht

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Keno Brandt (31) bereitet sich akribisch auf seine Karriere vor. Sein Großes Vorbild ist der Walise Bryn Terfel (47)

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erstellt am 08.Okt.2013 | 16:00 Uhr

Keno – das ist der Name ostfriesischer Fürsten und Häuptlinge seit dem 14. Jahrhundert. „Kühn im Rate“ lautet auch eine „Übersetzung“, Keno ist zudem die friesische Form für den Vornahmen Konrad. Fakten, mit denen Keno Brandt leben kann. In die Rolle eines Fürsten, Tyrannen, Helden, Leidenden oder Strauchelnden zu schlüpfen, dürfte dem Sänger mit dem eindrucksvollen Bassbariton nicht schwerfallen. Im Gegenteil: Der 31-jährige „gebürtige Ostfriese, der im preußischen Wilhelmshaven geboren wurde“, gehört zu den nationalen Hoffnungsträgern seines Fachs. Und ist in Rellingen kein Unbekannter.

Da wären die Duo-Abende mit Kantor Oliver Schmidt, mit denen Brandt als „Altkanzler-Duo“ während der Konzertreihe „12 mal 19“ regelmäßig für Aufsehen sorgt – und für Aufhorchen. Zudem stehen zwei weitere Termine für dieses Jahr rot umrandet in seinem Terminkalender: Am 12. Oktober wird der charismatische Sänger mit der ungeheuren Bühnenpräsenz – Gardemaß: 1,98 Meter – um 19 Uhr für die Wiederaufführung der „Rellinger Messe“ in der Barockkirche von 1756 erwartet. Des Weiteren übernimmt Brandt einen Hauptpart während des „Weihnachtsoratoriums“ von Bach (Kantaten 1 bis 2 und 5 bis 6) am 14. Dezember um 19 Uhr.

Gesangsprüfung an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf

Noch ist Brandt nicht auf der großen Bühne zu sehen. Noch fühlt sich der Nachwuchssänger im „geschützten Raum der Hochschule“ geborgen. Die kirchenmusikalische B-Prüfung sowie ein Diplom als Klavierspieler hat er bereits in der Tasche, in wenigen Monaten folgt die Gesangsprüfung an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf, wo er – zusammen mit Kantor Schmidt – vor zwei Jahren schon die A-Prüfung ablegte.

Brandt weiß nur zu gut: „Danach läuft meine Schonfrist ab.“ Zwar spürt er die Begehrlichkeit um seine Person, wenn es um geistliche Musik geht. Doch Brandt ist Realist genug und weiß, dass sein kostbares Gut gehätschelt werden will. Eine Stimme muss eben reifen. „Eine Heldenstimme hat den gleichen Kalorienverbrauch wie ein Maurer“, heißt es aus Medizinerkreisen. Dass Singen harte Arbeit ist, dem widerspricht Brandt nicht. Es braucht Jahre, bis Körper und Stimme so weit unter Kontrolle sind, dass die Interpretation selbst schwerster Partien über Stunden wie ein Spaziergang aussieht.

Passt nicht der Hüne Brandt, der stets einen Schal trägt, der stets Mineralwasser mit sich führt – Klischees müssen sein –, perfekt in die Helden-Rolle einer Wagner-Oper? Brandt wird ernst und rückt keinen Millimeter von seiner Karriereplanung ab: „Frühestens in fünf Jahren. Und dann, das wäre ein Traum, die Götterrolle des Donners im Rheingold.“ Brandt lebt sein Ziel. Klar, dass sich ein Sänger mit Zukunft von Vorbildern inspirieren lässt. Der walisische Sänger Bryn Terfel ist so eins. Von ihm „bekommt er Anstöße.“ Brandt braucht Menschen, denen er vertraut. „Und das Wichtigste ist: zuhören. Bis ans Lebensende“, lässt der Sänger einen Blick in sein Innenleben zu. Dem Idol Terfel ist Keno Brandt begegnet. In der Staatsoper Hannover 2011. Im Anschluss an eine Gala-Vorstellung mit Verdis „Falstaff“. Ein unvergessener Moment. Ein Foto davon hütet er wie einen Schatz. Rellingen kann sich glücklich schätzen: Es könnte zum Sprungbrett für eine große Sängerkarriere werden.

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