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Pinneberger Tageblatt

18. Oktober 2017 | 00:39 Uhr

Eine Frau, die nicht still sitzen will

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Seit 1991 beim VfL Pinneberg: Doris Wilckens hat ihren Lehrerberuf aufgegeben und gibt ihrem Leben anders einen Sinn – mit Sport

shz.de von
erstellt am 21.Feb.2014 | 14:49 Uhr

Wir treffen Doris Wilckens am Fahltskamp. Da, wo sie hingehört. Seit 1991, als sie erstmals die Geschäftsstelle des VfL Pinneberg betrat. Die Heimat des Vereins, der ihrer werden – und bleiben sollte. Wie sagte der britische Autor Nick Hornby mal so treffend: „Du suchst Dir Deinen Club nicht aus. Er wird Dir zugeteilt.“ Gut, bei Hornby ging’s um Fußball. Bei Wilckens ist Fitness das Thema. Aber auch sie hätte das Leben irgendwo anders anspülen können. Wollte es aber nicht.

Doris Wilckens lacht viel, wenn sie erzählt. Ein Mensch für Menschen, das wird sofort klar. Die 54-Jährige muss viele Hände schütteln, wenn sie das Gebäude am Fahltskamp durchstreift. Treppe runter, an der Sauna vorbei. Gewichte. Hanteln. Viel Eisen. Und Räume für Gruppentraining. Ihre Welt. Als Doris Wilckens Anfang der 90er hereinschneite, war das Fitnessstudio gerade erst eröffnet worden. Sie übernahm beim VfL die Kinderbetreuung, absolvierte nebenbei Kurse zur Übungsleiterin. Und ergatterte mit dem Schein in der Tasche 1993 ihren ersten Honorarvertrag bei dem Verein.

Apropos Scheine machen. Damit hat Doris Wilckens schon früher Erfahrungen gesammelt. Aufgewachsen auf einem zwischen Elmshorn und Barmstedt gelegenen Bauernhof, war sie nach dem in der Krückaustadt „gebauten“ Abi an die Hamburger Uni gegangen. Germanistik, Französisch und Psychologie sollten es sein. Mit dem Ziel, Lehrerin zu werden. 1983 das Referendariat im Gymnasium am Hohenzollernring. Dann kam das erste Kind, ein Sohn. Zwei Töchter sollten folgen. Familie statt Job lautete fortan die Losung. Doris Wilckens bereut ihre Entscheidung nicht: „Ich wäre in meinem Beruf nicht so gesund geblieben, wie ich es jetzt bin.“

Nach dem Studium ging es zurück in den Kreis Pinneberg. Heute lebt Wilckens mit ihrem Lebensgefährten wieder auf einem Bauernhof. In Bevern. „Idyllisch, mit Hofkatzen“, sagt die 54-Jährige. Und lacht einnehmend. Ihr Freund hat drei Enkel. „Ich bin so eine Art Bonus-Oma.“ Eine, deren Kraft locker für mehr Kinder reicht. 2014 wird Wilckens beim VfL die Leitung eines Kurses übernehmen, in dem Babys die Hauptrollen spielen. Sie freut sich drauf. „Bei mir muss immer alles in Bewegung sein.“

Auf die Frage, was Sport ihr bedeutet, muss die langjährige Übungsleiterin, die sich stets weitergebildet hat, nicht lange überlegen: „Lebensqualität, körperliche und geistige Fitness, soziale Kontakte“, sagt sie. Freude am Dasein. Mittendrin. Aktiv. „Ich bin einfach gern unter Menschen.“

Ticken ihre Kinder ähnlich? „Ja“, sagt Wickens. Der Sohn spiele Fußball. Die Mädchen Handball. Geht es nach Mutti, ist das der richtige Weg. „Bei mir zwickt und zwackt es noch immer nicht.“ Operationen an beiden Knien – längst vergessen. Irgendwie klar. Schließlich hat die 54-Jährige auch die Lizenz für Rehasport. Rückenexpertin ist sie ohnehin. Gesundheitsberaterin und Mentaltrainerin auch. Zudem leitet sie Kurse für Qi Gong und Feldenkrais. Kein Wunder, dass da kein Kilo zu viel ist. Sitzt da also eine gnadenlose Gesundheitsfanatikerin vor uns? Jetzt lacht Doris Wilckens wieder. „Nein, ich nasche, gehe auch mal zu McDonalds.“ Auch eine gute Currywurst müsse es schon ab und zu mal sein.

Und was ist abseits des Sports noch drin? „Nicht viel“, lautet die ehrliche Antwort. Ab und zu mal ins Theater. Kleine Kinos – auch so eine Leidenschaft. Und Urlaub an der Algarve oder an der französischen Atlantikküste. Gern im Oktober, wenn die Saison zur Neige geht. Reisen – dafür ist die Frau aus Bevern auch beim VfL zuständig. „So eine Art Ausflugskasper“ sei sie mittlerweile. Demnächst soll es mit einer Gruppe nach Winterberg gehen. Zum Langlauf. Natürlich geht’s um Sport. Und um Gesellschaft. „Ich bin einfach gern mit Menschen zusammen“, so Wilckens. „Als Trainerin beim VfL bin ich so eine Art C-Promi“, sagt die Frau, die beim VfL mittlerweile seit sieben Jahren fest angestellt ist und 22 Wochenstunden gibt. Hat sie ein Lebensmotto, dass sie teilen will? Hat sie. „Such nicht nach dem Sinn des Lebens, gib ihm einen.“ Da ist es wieder, dieses Lachen. Irgendwie ansteckend.




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