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Pinneberger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 23:51 Uhr

Pinneberg : Eine Chance für Zakie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Awo und der Verein „Brücken der Kulturen“ unterstützen die junge Afghanin auf ihrem Weg zu einem Schulabschluss, doch dass Geld für die Abschlussprüfung fehlt.

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erstellt am 10.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Pinneberg | Ein Schulabschluss: Was für Deutsche im Allgemeinen eine Selbstverständlichkeit darstellt, ist für Zakie Soltani bislang nur ein Traum. Doch die gehen bekanntlich gelegentlich in Erfüllung. Zwei Organisationen, die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und der Pinneberger Verein „Brücken der Kulturen“, setzen sich dafür ein, dass dies auch bei der 21-Jährigen der Fall sein wird.

Dass Soltani keinen formalen Bildungsabschluss vorweisen kann, hat einen triftigen Grund. Die junge Frau, die mit ihrer Schwester und ihren Eltern vor fünf Jahren aus Afghanistan nach Deutschland flüchtete, hat ein Handicap. Durch Sauerstoffmangel bei der Geburt kann sie ihre rechte Hand nur eingeschränkt benutzen, auch beim Laufen ist eine leichte Unsicherheit erkennbar. Nichts, was im Alltag großartig stört, jedoch: „In meinem Heimatland konnte ich mit meiner Behinderung keine Schule besuchen“, berichtet sie.

Dabei ist Soltanis Handicap rein motorisch, intellektuell ist die 21-Jährige voll auf der Höhe. Beweis: Deutsch lernte sie nach ihrer Ankunft in der Bundesrepublik beinahe in Rekordzeit. Grammatik und Vokabular sind auffallend gut – und das, obwohl sie hauptsächlich Kontakte zu ihren Landsleuten pflegt und sie deshalb im Alltag vornehmlich in ihrer Muttersprache kommuniziert. Was ihr fehlt, ist auf einen einfachen Nenner zu bringen: Geld. 175 Euro kostet die Hauptschul-Abschlussprüfung an der Pinneberger Volkshochschule. Seit Herbst vergangenen Jahres besucht Soltani die Abendschule als Vorbereitung darauf, finanziert über den VHS-Sozialpass. Der Preis dafür im Normalfall: 485 Euro.

Dass die junge Frau dafür nichts bezahlen muss, hat sie Cristina Conrad zu verdanken. Diese leitet das Projekt „Promi“, einen „Treffpunkt für Migranten und ihre Freunde“ unter dem Dach der Awo an der Siemensstraße, und lernte Soltani als regelmäßige Besucherin eines Treffs afghanischer Frauen kennen. „Nachdem ich Zakies Geschichte gehört habe, war mir sofort klar, helfen zu wollen“, sagt sie.

Unabhängig von der Übereinkunft mit der Volkshochschule knüpfte sie Anfang des Jahres Kontakte zum am Schulenhörn in Pinneberg ansässigen Verein „Brücken der Kulturen“. Dort erhält Zakie Soltani nun seit vergangenem Sonnabend einmal pro Woche Nachhilfeunterricht im Fach Mathematik, ihrer größten Schwäche.

Das Geld für die einjährige Kooperation stammt aus Spenden aus einem interkulturellen Fest Ende des vergangenen Jahres – die 21-Jährige, die trotz ihres Handicaps leidenschaftlich gern malt und zeichnet, hatte dort einen Teil ihrer Werke präsentiert. „Leider reichen die Spenden aber nicht aus, um die Prüfung zu bezahlen“, sagt Conrad, die deshalb auf weitere Unterstützung hofft.

Im Übrigen soll der Hauptschulabschluss für Zakie Soltani keineswegs das Ende der sprichwörtlichen Fahnenstange bedeuten. Anschließend, diesen Ehrgeiz besitzt sie, will sie auch noch ihren Realschulabschluss erfolgreich angehen.

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