zur Navigation springen

Das Kreiskulturzentrum in Pinneberg : Eine Aufforderung zum Hinsehen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Ab 29. September sind etwa 100 Werke von Detlef Allenberg in der Drostei zu sehen. Die Prägetechnik hat er selbst entwickelt.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 10:00 Uhr

Pinneberg | Der Pinneberger Künstler Detlef Allenberg ist von seiner Ausstellung „Verwandlungen“ überzeugt. „Meine Bilder fordern dazu auf hinzugucken“, sagte er gestern während eines Termins im Kreiskulturzentrum, der Pinneberger Drostei. Dort werden ab Sonntag, 29. September, etwa 100 seiner Werke der Öffentlichkeit präsentiert. Diese Zeitung hatte die Gelegenheit, die Werkschau bereits im Vorfeld gemeinsam mit dem Künstler anzusehen.

Die Prägetechnik, die Allenberg etwa für seine „Pinnberger Stadtmusikanten“ verwendet hat, wurde von ihm selbst entwickelt. Um ein solches Kunstwerk zu erschaffen, produziert Allenberg zunächst kleine Einzelelemente aus Kupfer oder Plastik, die er auf einer Metallplatte zu Figuren und Mustern anordnet. Auf diese Vorlage wird dann ein feuchtes Papier gelegt, in das mit Hilfe einer Druckpresse eine sogenannte Blindprägung gedrückt wird. „Die regt mich dann dazu an, etwas damit zu machen, dem Bild Farben zu geben“, erläuterte Allenberg. Die einzelnen Elemente verwende er immer wieder. So kann der Betrachter auf einem der Bilder etwa eine Fliegenklatsche erahnen, die einen Baum darstellt. Auf einem anderen Bild ist ein Teil der Fliegenklatsche als Stück eines Wagens zu sehen, auf einem anderen als Flügel. „Meine Enkel zählen die einzelnen Elemente immer und suchen danach, in welchen Bildern sie noch vorkommen“, berichtete Allenberg. Dies könne jeder Betrachter machen, wie sehr er sich dabei mit der Bedeutung des Bildes auseinandersetzt oder wie sehr er die Kunst versteht, sei ihm dabei selbst überlassen.

Dass hinter Allenbergs Bildern oft mehr steckt als ein erster flüchtiger Blick vermuten lässt, wird unter anderem in seinen Öl- und Acrylwerken sichtbar. So zeigt das Werk „Feeding Birds“ etwa einen Menschen, der Vögel aus Holz füttert. „Holzvögel füttern, so ein Schwachsinn“, sagte Allenberg selbst. „Aber derartigen Schwachsinn gibt es auf der Welt. Oder wie lässt sich sonst erklären, dass Mais in Gebieten, in denen Menschen hungern, angebaut wird, damit man daraus Benzin machen kann? Das ist doch paradox.“ Allenberg stelle sich derartige Fragen und werfe sie auch in seinen Werken auf.

„Feeding Birds“ stammt aus dem Jahr 2008.
„Feeding Birds“ stammt aus dem Jahr 2008.
 

Ein anderes Thema, mit dem der Künstler sich gern auseiandersetzt, ist das Rollenspiel. „Wir spielen alle eine Rolle – im Berufsleben verhalten wir uns anders als privat. Und wenn man diese Rolle gut annimmt, dann wird man zur Rolle“, sagte Allenberg. Allenberg hat viele Bilder gemalt, auf denen Menschen mit Vögelköpfen zu sehen sind. Auf einigen erkennt man, dass sie keinen Vogelkopf, sondern lediglich eine Vogelmaske haben. „Die Figur ist mit ihrer Rolle noch nicht so weit“, erläutert Allenberg. Auf diesen Bildern seien auch häufig verschiedene Wirklichkeiten zu sehen. Die rechte Figur auf dem Bild „Präsentation“ scheint auf den ersten Blick drei Hände zu haben und einen leeren Rahmen vor sich zu halten. Doch das ist nicht so. „Die unterste Hand gehört nicht zu der Figur, sondern zu dem Rahmen des Bildes, das sie trägt“, sagte Allenberg. Und das es sich dabei um ein Bild handeln muss, auch wenn der gezeigte Oberkörper und der Rockbund von ihrer Größe und Platzierung auch zu der Figur gehören könnten, ließe sich auf den zweiten Blick erkennen. „Wenn es kein Bild wäre, müsste der Hintergrund grün sein“, sagte Allenberg.

Verwandlungen ist vom 27. September bis zum 7. November in der Drostei, Dingstätte 23 in Pinneberg, zu sehen. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet drei Euro. Am Sonntag, 11. Oktober, bietet Allenberg eine Künstler-Führung an, die Teilnahme kostet fünf Euro. Der begleitende Ausstellungskatalog kostet acht Euro.
zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen