„Einander mit Güte behandeln“

Vernissage ganz nach ihrem Geschmack: Galerist Gerd Uhlig mit den Künstlerinnen Brigitte Wollert (von links), Christin van Talis und Marianne Janze.
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Vernissage ganz nach ihrem Geschmack: Galerist Gerd Uhlig mit den Künstlerinnen Brigitte Wollert (von links), Christin van Talis und Marianne Janze.

Vernissage und Lesung auf der Rellinger Rathaus Galerie: Die Gemeinde beteiligt sich an China Time 2018 / Interview mit Comic-Autor

shz.de von
08. September 2018, 16:00 Uhr

Seit 2006 organisiert die Hansestadt Hamburg alle zwei Jahre die Veranstaltungsreihe „China Time“. Die Metropolregion demonstriert damit seine wirtschaftliche und kulturelle Verbundenheit. Am Donnerstagabend wurde auf der Rellinger Rathaus Galerie die Ausstellung „Seidenstraße“ eröffnet. Der Schenefelder Galerist Gerd Uhlig, Mitorganisator der China Time, hat gemeinsam mit der deutsch-chinesischen Künstlergruppe Paradox und Einzelkünstlern wie Armin Metzger und Norbert Behrens gestaltet. Am Dienstag, 11.  September, findet in der Ausstellung eine Lesung des Comic-Künstlers Jing Liu (kleines Foto) statt. Jing Liu ist Autor der Comicreihe „Chinas Geschichte im Comic – China durch seine Geschichte verstehen“. Er entwirft in seiner auf vier Bände angelegten historischen Comic-Reihe einen Überblick über 5000 Jahre chinesische Geschichte. Beginn ist um 18 Uhr. Der Eintritt kostet fünf Euro. Wir sprachen vorab mit dem Künstler.



Frage: Sie haben diverse internationale Preise für ihre Comic-Serie erhalten. Was genau erwartet den Leser beim Studieren Ihrer historischen Reihe?
Jing Liu: Die Reihe „Chinas Geschichte im Comic“ hat die Geschichte des Landes zum Inhalt. Band 1 befasst sich beispielsweise mit der frühen Geschichte. Es werden Philosophien wie der Konfuzianismus und Daoismus vorgestellt. Es geht auch um die Geschichte der Seidenstraße, um Kaiser wie Han Wudi und den Prozess der Reichseinigung Chinas.

Sie sind hauptberuflich im Werbedesign tätig. Sie haben ein starkes Interesse für die chinesische Geschichte. Wie und wann sind Sie darauf gekommen, dies in ihrer Reihe umzusetzen?
Als meine Frau mit unserem Sohn im Jahr 2009 schwanger war, wollte ich für ihn etwas Besonderes erschaffen, um ihm die Geschichte Chinas, meines Geburtslandes, zu vermitteln. Geschichte und Kunst sind schon seit geraumer Zeit meine Hobbies. Mehr als 20   Jahre lang war ich Geschäftsführer einer Firma für Graphikdesign. Ich fühlte mich also der Aufgabe gewachsen. Ich glaube, dass durch das Comicformat das Erlernen von Geschichte einfacher und spaßiger gestaltet werden kann. Die Illustrationen helfen den Lesern, abstrakte Konzepte zu visualisieren, wie zum Beispiel den dynastischen Zyklus oder das Mandat des Himmels. Gleichzeitig ist die Sprache des Textes einfach und der Schwerpunkt liegt auf der allgemeinen Textentwicklung in der Geschichte. Die Leser können die gesamte chinesische Geschichte relativ schnell durcharbeiten und einen großen Überblick erlangen.

Was kann der Leser von Ihrer Kunst erlernen? Sind Ihre Werke in deutscher Sprache übersetzt und auch käuflich zu erwerben?
Jedes Land besitzt eine einzigartige Geschichte, welche seinen Pfad auf dem Weg zu einer modernen Nation aufzeigt. Die Geschichte Chinas ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie sich verschiedene Einflüsse über den Verlauf von Jahrtausenden hinweg dahingehend ausgewirkt haben, um aus China das zu machen, was es heute ist. Ich hoffe, dass die Leser meine Bücher nutzen, um die Geschichte ihres Landes in ähnlicher Weise zu reflektieren. Mein Schweizer Verlag, Chinabooks.ch, arbeitet an den deutschsprachigen Ausgaben der Comicreihe. Die Bände 1 und 2 sind gerade veröffentlicht. Das Erscheinen der Bände 3 und 4 wurde für Ende 2018 angekündigt.

Welche historischen Themen bereiten Sie in ihrer Comic-Reihe auf?
Eines der Hauptthemen ist es, aufzuzeigen, wie sich Geschichte weiterentwickelt. In anderen Worten, was sind die treibenden Kräfte, die hinter der Geschichte verborgen liegen? Ein chinesischer Gelehrter des Altertums beschrieb die Geschichte als einen Fluss in seinem Gedicht: „Tausende von Jahren gehen vorbei, so wie ein großer Strom ostwärts fließt. Die Wellen der Zeit reißen selbst den größten Mann mit sich fort.“ Die Herrschenden sehen sich selbst oft als die wichtigsten Persönlichkeiten ihrer Zeit an, so wie chinesische Kaiser immer von sich behaupteten, das Mandat des Himmels zu besitzen, um ihre Herrschaft zu rechtfertigen. Aber chinesische Philosophen glauben, dass das Mandat des Himmels als ein Mandat des Volkes verstanden werden sollte. Sie argumentieren, dass ein Herrscher zwar einem gewöhnlichen Bürger höhergestellt ist, aber dass er sich dem Volk als Ganzem unterordnen muss. Die Menschen müssen in der Lage sein, ihre Leben zu leben und in einer sicheren Umgebung nach Glück zu streben. Die herrschenden Eliten müssen eine vernünftige gesellschaftliche Ordnung aufrechterhalten, um den Bedürfnissen der Bevölkerung Sorge zu tragen.


Was sind also die treibenden Kräfte hinter der Geschichte?

Die Reihe „Chinas Geschichte im Comic“ versucht diese Frage dadurch zu beantworten, indem sie aufzeigt, wie Geschichte durch ökonomische, soziale und kulturelle Kräfte angetrieben wird, all diese Kräfte sind von geographischen und historischen Begleitumständen beeinflusst, Diese Thematik war vor tausenden von Jahren wahr und sie ist es noch heute.

Was ist die ideale Staatsführung?
Das konfuzianische Ideal umfasst eine Gesellschaft, in der ein jeder sich dem anderem gegenüber verantwortlich fühlt und alle einander mit Güte behandeln. In der Realität müssen diese Werte und Fertigkeiten erlernt werden, zumeist in einem jungen Alter und verschiedenen Umständen angepasst werden. Diese ideale Art der Staatsführung würde versuchen, die Menschen dazu zu inspirieren, solche Werte zu verfolgen, ohne sich jedoch in die Leben der Menschen einzumischen.

www.chinatime.hamburg.de



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