Ein weiter Weg zum Bahnhof

Provisorium: Jürgen Brandt (links) und Florian Kirsch von der CDU stehen dort, wo auf dem Parkplatz am Thesdorfer Bahnhof früher eine Rampe von den Behindertenparkplätzen auf die Brücke führte – die Stellplätze sind wegen der Baustelle nicht nutzbar.
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Provisorium: Jürgen Brandt (links) und Florian Kirsch von der CDU stehen dort, wo auf dem Parkplatz am Thesdorfer Bahnhof früher eine Rampe von den Behindertenparkplätzen auf die Brücke führte – die Stellplätze sind wegen der Baustelle nicht nutzbar.

CDU fordert Neuplanung der Behindertenparkplätze an der Station Thesdorf / Baustelle: Stiege statt Rampe für Gehbehinderte

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20. Januar 2018, 16:00 Uhr

Bauzäune, Schutt und schweres Gerät – an der Bahnstation Thesdorf herrscht Baustelle. Und zwar genau auf den Behindertenparkplätzen. Seit Juli 2016 wird dort ein neues Gleichrichterwerk für die Deutsche Bahn (DB) gebaut (siehe Kasten) – einen Ersatz für die Parkplätze gibt es nicht. Darüber beklagen sich Florian Kirsch, Fraktionschef der Pinneberger CDU, und CDU-Ratsherr Jürgen Brandt. Kirsch erläutert: „Wir haben das schon im Ausschuss für Stadtentwicklung angesprochen und der Hinweis wurde auch dankbar angenommen.“ Passiert sei nichts. „Dann habe ich allerdings gemerkt, dass die Parkplätze nicht viel bringen würden, denn die Rampe ist auch weg.“

Über diese Auffahrt konnten vor Baubeginn Menschen mit Gehbehinderung vom Parkplatz aus auf die Thesdorfer Eisenbahnbrücke gelangen – dort liegt der einzige Zugang zur Station, die entweder über Treppen oder einen Fahrstuhl erreicht werden kann. „Jetzt müssen Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren über die Rellinger Straße außen herum“, sagt Kirsch. Laut Googlemaps eine Entfernung von knapp 350 Metern.

Auf der anderen Seite der Bahnbrücke sieht es nicht besser aus. Dort liegt gegenüber von Rewe ein weiterer Parkplatz mit zwei klar beschilderten Stellplätzen für Behinderte. Diese befinden sich ganz am Ende. Per Luftlinie ist das der kürzeste Weg zur Station – doch nicht, wenn man keine Treppen steigen kann und über den gesamten Parkplatz an Rewe vorbei über die Brücke zum Bahnstationsfahrstuhl rollen muss. Dieser Weg ist sogar noch länger. Etwa 500 Meter laut Googlemaps.

Stadtsprecherin Maren Uschukrat erläutert: „Wo die Schwerbehindertenparkplätze errichtet werden sollen, ist nicht weiter geregelt.“ Gehbehinderte Menschen würden einen Berechtigungsausweis erhalten, wenn sie eine Wegstrecke von 100 Metern nur unter Schwierigkeiten überwinden können. „Diese Entfernung kann bei der Einrichtung der Schwerbehindertenparkplätze jedoch aufgrund der Örtlichkeiten nicht überall eingehalten werden.“

Kein Einzelfall. Der Behindertenbeauftragte des Kreises, Axel Vogt, erläutert auf Anfrage: „So etwas gibt es zu Hauf. Auch dass Baustellen auf Behindertenparkplätzen stehen – praktisch als Reserve, weil sie nicht so oft benutzt werden –, findet man immer wieder.“ Das Thema Behindertenparkplätze bezeichnet er als eine „mittelschwere Katastrophe“. „Viel geholfen wäre schon, wenn es für Fremdparker hohe Geldstrafen gäbe und Wissen um die kürzesten Wege für Behinderte in die Planung mit einfließen würde.“ Seiner Einschätzung nach steigt der Bedarf.

Beschwerden über die Parkplätze an der Station Thesdorf hat es laut Uschkurat jedoch nicht gegeben. Nur dreimal wurde im zuständigen Fachbereich nachgehakt: „Keine wirklichen Beschwerden, sondern Fragen zur Neugestaltung.“


Abschluss der Arbeiten bis Ende 2018

Nach anderthalb Jahren Bauzeit ist das Ende langsam in Sicht. Laut DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis sollen die Bauarbeiten bis Ende 2018 abgeschlossen sein. „In der Endphase der Baumaßnahme wird auch die Rampe wieder aufgebaut“, verspricht er. Kirsch ist trotzdem verärgert. Eine kurzfristige Lösung für eine Rampe hätte Sinn gemacht, sagt er. Und: „Wir beklagen die Dauer der Baustelle und dass die Parkplätze nicht genutzt werden können.“ Die CDU will sich dafür einsetzen, dass dort mehr Behindertenparkplätze entstehen. „Wir fordern also nach der hoffentlich zeitnahen Einrichtung der Rampe eine Neuplanung der Behindertenparkplätze“, sagt er. Vorgesehen ist das nicht. Uschkurat erläutert: „Da durch das entstehende Gleichrichterwerk der Deutschen Bahn die zur Verfügung stehende Fläche eher etwas eingeengt wird, ist nicht geplant, dort weitere Schwerbehindertenparkplätze einzurichten.“

Trotzdem wünscht sich die CDU mehr Parkplätze nahe der Rampe. Brandt sagt: „Die Gesamtzahl an Behindertenparkplätzen könnte beibehalten werden, aber es sollten mehr hierhin.“ Also dorthin, wo der Weg am kürzesten ist. Vogt weiß jedoch: „Eine einfache Umwidmung von Parkplätzen ist nicht möglich, weil diese nicht die erforderliche Breite haben. Aus drei normalen Parkplätzen zwei Behindertenparkplätze machen, das klappt.“

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