Ein überzeugter Appener

Rolf Heidenberger ist in Appen und Umgebung für viele ein Ansprechpartner.
Rolf Heidenberger ist in Appen und Umgebung für viele ein Ansprechpartner.

Rolf Heidenberger ist Ehrenbürger seines Heimatortes / Er engagiert sich beinahe überall – außer in der Gemeindevertretung

von
10. August 2018, 16:37 Uhr

Die Auszeichnungen, die der gebürtige Appener Rolf Heidenberger für sein vielseitiges und langjähriges ehrenamtliches Engagement bereits bekommen hat, sind unzählig und in ihrem Stellenwert kaum zu überbieten. Ein enormer Verdienst waren die 6,3 Millionen Euro, die Heidenberger mit der von ihm initiierten Spendenorganisation Appen Musiziert zugunsten schwerkranker Kinder gespendet hat – und weiterhin spendet. 2014 erkrankte der Mann, der sich lebenslang im Kampf gegen den Krebs engagierte, selbst daran. Damals sei ihm die Dankbarkeit derer, denen er zuvor half, zugute gekommen: „Appen musiziert hat mir das Leben gerettet“, resümiert der heute gesunde Heidenberger.

„Ich bin ein überzeugter Appener“, sagt Heidenberger in seinem idyllischen Garten mit grünem Rasen und vielen Blumen sitzend. Auf diesem Grundstück sei er vor 68 Jahren, am 25. Mai 1950, durch eine Hausgeburt zur Welt gekommen. Aus dem Bauch einer ebenso verwurzelten Appenerin: Charlotte Heidenberger, geborene Rechter, war selbst auf dem Grundstück an der Hauptstraße geboren worden. Sie ist mit ihren 94-Jahren die älteste gebürtige Appenerin im Ort. Heidenbergers Vater hingegen war aus dem Saarland zugezogen. Wegen des damaligen Fliegerhorsts sei er nach Uetersen gekommen – und hatte sich dann in Charlotte verliebt. „Meine Eltern hatten dort, wo wir nun sitzen einen ganz, ganz kleinen Milchladen“, berichtet Heidenberger. „Mit Pferd und Wagen fuhr mein Vater ab 1955 im Ort die Milch der Pinneberger Meierei aus“, erläutert er. Heidenberger habe alle Dokumente zur Veränderung des eigenen Grundstücks, auf dem er noch immer mit der ganzen Familie lebt, aufgehoben, weiß jedes Datum. Seine Appener Wurzeln sind ihm wichtig.

Und wer seinen Heimatort liebt, der tut gut daran, sich ehrenamtlich zu engagieren. 54 Jahre ist Heidenberger im Spielmannszug aktiv, 30 Jahre davon war er dessen Vorsitzender: „Der Spielmannszug war mein Leben“, sagt er. Aber nicht nur: Über den Spielmannszug kam Heidenberger auch in den Dienst bei der Feuerwehr: Von 1971 bis 2017 war er aktives Feuerwehrmitglied und ist jetzt in der Ehrenabteilung. „Der Wert des Ehrenamtes ist immens“, befindet Heidenberger.

Unendlich groß sei die Dankbarkeit, die er gegenüber all den Helfern empfinde, die den Erfolg von Appen Musiziert möglich gemacht haben. Wie wichtig die durch ein Ehrenamt entstehende Vernetzung sei, habe er besonders zu Zeiten seiner eigenen Krebserkrankung erfahren: „Ich sollte zur Bestrahlung eigentlich täglich nach Lübeck“, berichtet Heidenberger, „wollte aber wegen der geringeren Entfernung und meiner guten Kontakte durch Appen Musiziert lieber ins UKE.“ Die Chefärztin der Kieler Uniklinik habe deswegen dort angerufen. „Just in dem Moment hatte die dortige Direktorin der Radiologie, Professor Cordula Petersen, den Bericht des Pinneberger Tageblattes über eine größere Spende von Appen Musiziert an das UKE vorliegen,“ schildert er. Als sie verstanden habe, dass es sich bei dem Patienten um eben diesen Heidenberger handelte, habe sie sofort für den nächsten Tag einen Termin gemacht. „Da müssen wir etwas zurückgeben“, habe sie befunden.

Trotz all seines Engagements war Heidenberger in der Appener Politik nur kurz, für vier Jahre als Gemeindevertreter der CDU, aufgetreten. Warum? „Ich bin kein Sitzungsmensch und als Kaufmann ist Politik oft nur schwer zu ertragen“, sagt Heidenberger. Er ziehe es vor, als freier Bürger unabhängig den Werdegang seines Ortes kritisch zu begleiten. Und das tut er: Heidenberger macht sich zum Beispiel stark gegen den Neubau des Amtes Geest und Marsch Südholstein. „Wie soll Appen das stemmen?“, fragt er. „Wer braucht 34 Einzelbüros? Es bräuchte eine Analyse, wie die Verwaltung vor dem Hintergrund der Digitalisierung in 20 Jahren überhaupt aussieht“, kritisiert er. Kritisch sehe er auch das Ortsentwicklungskonzept, das nach seinen Worten eher einem nicht bezahlbaren Wunschkonzert gleiche. Dennoch hat Heidenberger Respekt vor den Politikern: „Es sind Appener Bürger, die sich für ihren Ort engagieren. Und das macht auch nicht immer Spaß.“

Heidenberger arbeitet aktuell mit an der Organisation des 750. Geburtstags der Gemeinde Appen im September 2019, des Jubiläums des Appener Spielmannszuges für 100-jähriges Bestehen und das Jubiläum des A. Beig-Verlags für 175Jahre, nebst Weltkindertag. Auch die Organisation der Hamburger Polizeishow unterstützt er aktiv mit.

> Nächste Woche im Freitagsgespräch: Prisdorfs jüngst in den Ruhestand getretener Bauhofleiter Holger Fuß.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen