Darsteller gesucht : Ein Tag beim Bühnen-Casting der Muscial Company Pinneberg

Beim Casting beobachten Lisa Westfalen (von links), Arnfried Oprotkowitz und Manfred Domidian kritisch die Bewerber.
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Beim Casting beobachten Lisa Westfalen (von links), Arnfried Oprotkowitz und Manfred Domidian kritisch die Bewerber.

Premiere für das Stück „Rent“ ist im November. Andrang gab es besonders bei den Frauenrollen.

shz.de von
16. Januar 2018, 12:00 Uhr

Pinneberg | Wer schon einmal in der Grund- und Gemeinschaftsschule (GuGs) im Quellental gecastet wurde, war vorbereitet und hatte seine Songs im Vorfeld aufs Handy geladen: „Habt ihr vielleicht besseren Handyempfang?“ – die Frage zog sich am Sonntag durch das Casting der Musical Company in der Aula der Schule. Regisseur Arnfried Oprotkowitz sowie die Gesangsleiter Manfred Domidian und Lisa Westfalen konnten nur die Schultern zucken. „In diesem Bunker keine Chance“, sagte Jan Torben Schunck, Produzent des kommenden Musical-Company-Stücks „Rent“. Wem Stück und Netz fehlten, der musste a cappella vortragen. „Eigentlich ist das heute ja ganz einfach, weil jeder seine Musik auf dem Handy dabei hat. Wenn ich an die Zeiten von CDs denke, war das noch ganz anders“, erinnerte sich Oprotkowitz.

Zwei Musikstücke sollten die Interessenten für eine Rolle in der neuen Produktion, die vom 1. bis 10. November im Pinneberger Cap Polonio aufgeführt wird, vorbereiten. „Wir haben da keine Vorgaben gemacht“, sagte Oprotkowitz, der zum zweiten Mal bei der Produktion von „Rent“ die Verantwortung hat. Bereits 2011 hat er Regie geführt. „Ansonsten ist das Team komplett neu“, sagte Andreas Hettwer, Pressesprecher der Musical Company. „The One“ von Adele, „Bed of Roses“ von Bon Jovi, ein Stück aus Miss Saigon – die Bandbreite, die am Sonntag dargeboten wurde, war groß.

„Tanz wird es bei ,Rent’ eigentlich nicht geben. Wir werden ein paar Choreos erarbeiten, aber es ist nicht ,Cats’“, erläuterte Oprotkowitz den potenziellen Darstellern, bevor sich diese der Casting-Jury stellen mussten.

Rock-Musical von Larson

Das Rock-Musical „Rent“ ist das letzte Werk des Komponisten und Autors Jonathan Larson (1960-1996), der am Tag der Premiere starb. Das Stück, das unter anderem den Tony Award für das „Beste Musical“ und die „Beste Originalmusik“ sowie den Pulitzer-Preis für das „Beste Drama“ gewann, basiert auf Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“. „Rent“ erzählt die Geschichten einer Gruppe junger Künstler im New Yorker East Village. Zwei der Hauptfiguren sind Filmemacher Mark und Musiker Roger, die die Miete nicht mehr zahlen können. Thematisiert werden unter anderem Drogensucht und Aids.

„Wir achten besonders auf den Gesang und den Ausdruck“ , erläuterte Oprotkowitz die Arbeit der Casting-Jury. „Man bekommt in kurzer Zeit einen Eindruck davon, wie sich Leute auf der Bühne geben.“ Gesucht werden zwölf weibliche und 16 männliche Darsteller in Doppelbesetzung. Allerdings warteten etwa dreimal so viele Frauen auf eine Chance beim Vorsingen als Männer. „Das ist normal. Bei den Frauen haben wir immer einen größeren Andrang als bei den Männern“, erläuterte Hettwer. Darunter waren viele bekannte Gesichter aus anderen Produktionen der Musical Company. Macht es das für die Jury einfacher oder schwerer, wenn sie die Kandidaten kennt? „Wir müssen natürlich darauf achten, dass wir nicht zu sehr beeinflusst sind, aber das können wir eigentlich gut trennen“, sagte Oprotkowitz. „Für die, die wir nicht kennen, nehmen wir uns mehr Zeit, bei denen, die wir kennen, geht es manchmal schneller“, sagte der Regisseur.

Im Laufe der Woche sollen die Vorsänger ein Feedback erhalten. „Natürlich können sie eine Wunschrolle angeben, aber am Ende schauen wir, ob wir es auch so sehen“, sagte Oprotkowitz. Bis Ende März, wenn die Aufführungen der aktuellen Produktion „Blutsbrüder“ abgeschlossen sind, will er seinen Cast stehen haben. Geprobt wird dann dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr sowie sonntags von 13 bis maximal 17 Uhr. „Die Proben werden vermutlich sehr chronologisch ablaufen, vielleicht aber auch nicht. Bei ‚Rent‘ ist es möglich, in bestimmten Blöcken zu proben“, so Oprotkowitz.

Eventuell wird es – vor allem für die männlichen Rollen – ein zweites Casting geben. „Es ist wie in der Bundesliga, wenn ein Team zusammengestellt wird. Es ist schön, wenn man vier Stürmer hat, aber man braucht auch Verteidiger. Entweder geht dann das Geschiebe los oder man muss jemanden von Extern holen. Das ist dann so.“


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