Ein Stück Uetersen in Washington

AugustaLouise Gräfin zu Stolberg Stolberg pflegte einen Briefwechsel mit Goethe.
AugustaLouise Gräfin zu Stolberg Stolberg pflegte einen Briefwechsel mit Goethe.

Museum widmet sich Gräfin zu Stolberg Stolberg

shz.de von
23. Juni 2018, 16:00 Uhr

Das Kloster Uetersen befindet sich derzeit im kulturhistorischen Höhenflug. Augusta Louise zu Stolberg Stolberg, die Uetersener Brieffreundin Goethes, spielt dabei eine zentrale Rolle. Wie auch Elsa Plath (Foto), die die Conventualin des Adligen Damenstifts dadurch berühmt machte, dass sie die Briefwechsel zwischen der unverheirateten Edelfrau und dem Weimarer Dichterfürsten in Buchform veröffentlichte.

Gerade ist eine Neuauflage dieser Episode Uetersener Geschichte erschienen (wir berichteten), da erreichte Plath eine Einladung aus Washington. Das dortige „Museum of the Bible“, 2017 eröffnet, widmet sich in einer Ausstellung der Conventualin. Plath ist zur Vernissage Ende Juni eingeladen worden.

„Noblewomen and the Bible – Seven Stories from the House of Stolberg“ (Adelige Damen und die Bibel − sieben Geschichten aus dem Hause Stolberg), so lautet der Titel. Die Familienlinien der europäischen Adelshäuser faszinieren auch die Amerikaner. Eines der ältesten noch existierenden Häuser ist das Haus Stolberg, das im Jahr 1210 entstand. Die Erklärung des Bibel-Museums: „Diese Dynastie wies eine tiefe Verbindung zur Bibel auf.“

Die Ausstellung berichtet von sieben Frauen aus dem Hause Stolberg und zeigt auf, wie die Bibel zu ihrem Leitbild und Maßstab für ihre Entscheidungen geworden ist. Beleuchtet wird die Zeit zwischen 1504 (Äbtissin Anna II. zu Stolberg) und 1955 (Tod von Äbtissin Magdalena Gräfin zu Stolberg-Wernigerode). Augusta Louise (1753 - 1835) nimmt zwischen diesen einen zentralen Platz ein.

Diese Frauen haben nach Auskünften des Bibel-Museums „für die Kontinuität des Hauses Stolberg durch Heirat, Nachwuchs und Bildung sowie für die Einrichtung und Organisation von Netzwerken in ganz Europa“ gesorgt.

Als Äbtissinnen, Gräfinnen, Prinzessinnen, Ehefrauen und Mütter hätten sie den nächsten Generationen „Werte der Familie und des Glaubens“ weitergereicht. Alle sieben Frauen seien starke Frauen gewesen, die eng mit Familie und Kindern und mit Krieg, Gewalt und Tod verbunden gewesen waren. Allen gleich sei, dass sie Trost und Unterstützung, Motivation und Hoffnung in der Bibel gefunden hätten.

Die Ausstellung bietet einen Einblick in das Leben von sieben sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten. Ihre Porträts, Briefe und Signaturen, die in der Ausstellung gezeigt werden, sollen den Machern zufolge nicht nur ihre Individualität verdeutlichen, sondern Neugierde wecken, um mehr über ihr aufregendes Leben zu erfahren.

Elsa Plath hat sich für die Einladung bedankt, ihre Teilnahme an der Vernissage jedoch abgesagt. Gelingt es den Ausstellungsmachern jedoch, die beabsichtigte Neugierde bei den Besuchern zu wecken, ist es nicht unwahrscheinlich, dass schon bald eine US-Delegation in Uetersen vorbeischaut, um mehr über die Uetersener Stiftsdame zu erfahren. Und dann ist ein Zusammentreffen zwischen Plath und den Gästen aus Washington nicht unwahrscheinlich.

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