Das Sonntagsgespräch : „Ein Spender wäre für uns ein Lottogewinn“

Für Karin Kost gehört ehrenamtliches Engagement einfach zum Leben dazu.
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Für Karin Kost gehört ehrenamtliches Engagement einfach zum Leben dazu.

Heute mit Karin Kost, Vorsitzende der Wedeler Tafel.

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26. Juli 2015, 15:15 Uhr

Wedel | Karin Kost ist Vorsitzende der Wedeler Tafel. Im Sonntagsgespräch berichtet sie unter anderem von den drohenden Raumnöten der Tafel und wünscht sich weitere ehrenamtliche Helfer.

Wie viele Menschen nutzen in Wedel die Tafel?
Bei uns sind etwa 500 Kunden angemeldet, weniger als 300 sind bei den Ausgaben an jedem Mittwoch eigentlich nie da. Das sind aber nur die Menschen, die sich trauen, zu uns zu kommen. Die Zahl der Bedürftigen, die eigentlich Unterstützung bräuchten, ist wesentlich höher. Vielen ist es immer noch unangenehm, bei der Tafel Lebensmittel zu beziehen.

Wie ist die Entwicklung in den vergangenen Jahren verlaufen?
Die Zahlen steigen kontinuierlich an. Rentner, junge Menschen mit psychischen Erkrankungen, Flüchtlinge, arbeitslose Akademiker, Geringverdiener, Bewohner aus dem Frauenhaus, viele Kinder (sie machen etwa 30 Prozent der Kundschaft aus) – bei uns sind praktisch alle Gruppen vertreten. Einige sagen, dass sie sich nie vorstellen konnten, einmal zur Tafel zu müssen. Das kann heutzutage aber leider keiner mehr ausschließen.

Macht sich die steigende Zahl an Flüchtlingen stark bemerkbar?
Wir haben alle zwei bis vier Wochen bis zu 15 Neuanmeldungen. Wobei nicht alle Flüchtlinge regelmäßig zu uns kommen, weil sie häufig gar nicht in Wedel bleiben.

Warum engagieren Sie sich für die Tafel?
Ich habe mich früher in der Politik und für die Schulen meiner Kinder engagiert. Danach wollte ich mich weiter ehrenamtlich betätigen und wurde von der Tafel angesprochen, ob ich dort helfen möchte. Diese Arbeit passt zu mir. Ich stamme selbst aus einer einfachen Familie und weiß, wie es ist, wenn man jeden Cent umdrehen muss.

Mit was für Problemen hat die Tafel zu kämpfen?
Unser größtes Problem ist, dass die alte Bücherei an der Bahnhofstraße möglicherweise verkauft wird, in der wir derzeit untergebracht sind. Die Entscheidung könnte schon nach den Sommerferien fallen. Das kommt nicht völlig überraschend. Wir wissen schon seit Jahren, dass immer  wieder Investoren Interesse an dem Gebäude hatten. Auch wenn wir bisher immer bleiben durften, müssen wir nach einer Alternative suchen. Langfristig wird die Tafel auf jeden Fall umziehen müssen.

Wo könnte eine Alternative liegen?
Übergangsweise dürfen wir eventuell noch einen Teil der alten Bücherei nutzen. Die Frage ist, ob das ausreicht. Ohne zusätzliche Lagerräume kommen wir dann vermutlich nicht aus. Bei einer neuen Unterkunft müssen viele Voraussetzungen erfüllt sein. Sie muss in Wedel und für Mitarbeiter sowie Kunden erreichbar sein. Außerdem sollte gewährleistet sein, dass unsere Lebensmitteltransporter für das Anliefern der Waren direkt an das Gebäude heranfahren können. Dazu kommt, dass der Tafel nur begrenzte finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Es wäre toll, wenn sich ein Spender finden würde, der einen Teil der Miete trägt. Das wäre für uns wie ein Lottogewinn. Vielleicht besteht auch die Chance auf städtische Zuschüsse. Fest steht: Die Ausgabe jeden Mittwoch ist eine kleine logistische Meisterleistung, die nur durch unsere vielen fleißigen ehrenamtlichen Helfer zu schaffen ist. Und dies wiederum setzt auch voraus, dass wir auch weiter ausreichend Platz haben.

Wie viele Mitarbeiter unterstützen die Tafel?
Derzeit haben wir etwa 80 Helfer. Verstärkung können wir in allen Bereichen gebrauchen – gerade in den Urlaubszeiten. Fahren, packen, sortieren, aufräumen, putzen – das Aufgabengebiet ist groß. Besonders Fahrer, die größere Fahrzeuge wie einen Sprinter steuern können, wären dringend erforderlich. Ich würde mir zudem wünschen, dass wir eine Kinderbetreuung einrichten und dafür Unterstützung gewinnen. Ein Problem für uns ist, dass gerade Jüngere tagsüber keine Zeit haben. Hieraus ergibt sich, dass wir viele Rentner unter den Helfern haben. Jüngere, berufstätige Helfer sind schwer zu finden.

Karin Kost (51) ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne. Hauptberuflich ist sie 2,5 Tage in der Woche in einer Jugendhilfeeinrichtung auf St. Pauli tätig. Kost ist seit März Vorsitzende der Wedeler Tafel.  Wer die Tafel als Fahrer unterstützen möchte, kann sich unter der Nummer 04103-88016 an ihren Stellvertreter Günter Seeger wenden. Wer die Kinderbetreuung fördern oder in der Verwaltung mittwochs helfen möchte, kann sich ab Ende Juli unter Telefon 04103-14359 an Karin Kost wenden.
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