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Pinneberger Tageblatt

20. September 2017 | 20:10 Uhr

Ein selbsterklärtes Lyrikgenie

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

premiere Theater-AG des Wolfgang-Borchert-Gymnasium probt für neue Eigenproduktion „Bleicher Bruder“ über Namensgeber der Schule

Selbsterklärtes Lyrikgenie, gescheiterter Schauspieler, Gestapo-Häftling, gebeutelter Soldat, geflüchteter Kriegsgefangener: All das war der Hamburger Wolfgang Borchert (1921-1947). Sein Lebenslauf liest sich wie ein Alptraum, da verwundert es kaum, dass seine Texte, die er in den zwei von Krankheit geprägten Jahren zwischen Kriegsende und seinem Tod verfasste, keine leichte Kost sind. Mit denen haben sich die Schüler des Halstenbeker Wolfgang-Borchert-Gymnasiums in ihrer neuen Eigenproduktion „Bleicher Bruder“ auseinandergesetzt. Premiere wird morgen um 19.30 Uhr in der Aula gefeiert.

Im Zentrum steht der Textzugang, Fragestellungen waren: Was gefällt uns daran? Was berührt uns? „Es geht darum, Borchert zu erleben und zu sehen: der hat was zu sagen“, so Theater-AG-Leiter Andreas Kroder. Und das in der typischen abstrakt-intermedialen Manier: Einige Holzblöcke, die wie überdimensionale Bauklötze auf der Bühne verstreut liegen, und eine blendend weiße Leinwand – mehr Kulisse brauchen die 13 jungen Schauspieler der Theater-AG nicht. Die Texte stehen klar im Vordergrund, feste Rollen gibt es nicht, alle gemeinsam stellen Borchert und sein Leben dar. „Wir haben die Texte biographisch aufgearbeitet“, erklärt Kroder. „Wir wollen zeigen, was dahinter steckt, was da mit einem jungen Menschen passiert, der so desillusioniert wird und mit 27 Jahren stirbt.“ Choreographien und Requisiten, etwa Regenschirme, gestalten dabei das Stück bildlich, so verwandeln sie die Bühne in ein Kino oder in das zerbombte Hamburg. Die tänzerische Performance wird noch von der Licht- und Tontechnik in Farbe getaucht.

Gezeigt wird zu Beginn auch eine Dokumentation der Video-AG über die Schule, und eine Ausstellung über Borcherts Leben kann in der Pause bestaunt werden: Mit dem Umzug in das neue Gebäude und dem 95. Geburtstag des Schul-Namenspatrons dieses Jahr geht es um einen Rückblick und Identifikation.

Borchert war den meisten Schülern nur bekannt als unliebsamer Geselle aus dem Deutschunterricht. Das hat sich mit den detailreichen Projekten schnell geändert: Recherchen im Staatsarchiv Hamburg, Debatten um Bildrechte, Rundgänge durch Eppendorf – da wird Geschichte lebendig. „Das Stück ist sehr interessant geworden, das hätten wir anfangs gar nicht gedacht“, gestehen die Schüler und auch das Publikum braucht keine Angst vor sperrigen Texten zu haben: „Bleicher Bruder“ arbeitet mit Anspannung und Entspannung, thematisiert Verzweiflung mit Hoffnung und Humor. Denn auch Borchert wusste: „Das Publikum will gekitzelt werden und nicht gekniffen.“


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