„Schule ohne Rassismus“ in Pinneberg : Ein „schwules Mädchen“ als Pate

Die Klasse 10a leitet das Projekt gegen Rassismus. Als Lohn der Arbeit konnten sich die Schüler jetzt über die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ freuen.
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Die Klasse 10a leitet das Projekt gegen Rassismus. Als Lohn der Arbeit konnten sich die Schüler jetzt über die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ freuen.

Johann-Comenius-Schule wird als „Schule ohne Rassismus“ ausgezeichnet. Björn Beton von „Fettes Brot“ ist mit im Boot.

shz.de von
21. Juni 2014, 14:00 Uhr

Pinneberg | „Ich bin Pinneberger, ein Drittel von ,Fettes Brot’ – und ich bin ein schwules Mädchen“. Schon in seinem Einstieg machte Musiker Björn Beton deutlich, was er von vermeintlichen Beleidigungen wie diesen hält. Der Musiker ist neuer Pate der Johann-Comenius-Schule in Thesdorf, die für ihr Engagement gegen Ausgrenzung als „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ausgezeichnet wurde.

Im Kreis sind sie die siebte Schule. Bundesweit machen eine Million Schüler bei der Initiave mit. Dafür mussten mehr als 70 Prozent an der Schule unterschreiben – in Thesdorf waren es satte 83 Prozent. Die Auszeichnung beinhaltet auch den Auftrag, sich immer wieder Projekten mit dem Thema zu widmen.

Unter der Leitung der interkulturellen Klasse 10a wurden bereits eine Woche lang diverse Projekte gestartet. Die Jugendlichen sammelten Sprüche für mehr Toleranz, setzten die Problematik in einem Comic-Wettbewerb um und testeten ihre Mitschüler mit einem inszenierten rassistischen Vorfall in der Cafeteria. „Hinterher haben wir mit den Schülern in den Klassen gesprochen und die Reaktionen reflektiert“, erzählt Katharina Deterding.

Das Finale war dann die festliche Auszeichnung der Schule. Durch das Programm führten die beiden Schüler Jonathan Lipinsik und Emily Gocksa sehr souverän. Björn Beton wurde mit einem großen Applaus auf der Bühne empfangen. Der Pinneberger erzählte von dem Entstehen des Hits „Schwule Mädchen“. Sie seien oft angefeindet worden als verweichlicht, weil sie nicht wie andere Hip-Hopper ihr Gegenüber verbal attackieren. Dabei seien auch die beiden Worte gefallen, die später den Titel des Songs bildeten. Beide Begriffe seien natürlich zu Unrecht negativ besetzt. „Indem wir die Bedeutung umgedreht haben, nehmen wir den Worten die Macht“, erläuterte er. „Wir wollten mit dem Song zum Nachdenken anregen und unsere gemeinsame Stärke ausdrücken. Songs sind mehr als nur gesammelte Worte. Sie können unterschwellig die Gesellschaft verändern“, glaubt der Musiker. Er bot der Schule an, als Pate auch weiter mit den Jugendlichen zu arbeiten. Sprache solle dabei im Mitttelpunkt stehen.

Schulleiterin Uta Holst-Timm nahm das Angebot dankbar an. Sie lobte zudem das Engagement der Klasse 10a, die den Haupteil der Arbeit übernommen hatte. „Es macht mich zuversichtlich für unsere Gesellschaft, wenn ich euer Engagement sehe.“

Den Anstoß, sich für das Projekt zu entscheiden, bot ein Vorfall im vergangenen Sommer. Die Bildungseinreichtung zog 300 bereits ausgeteilte Exemplare des Jahrbuchs zurück. Einige Schüler hatten auf einem Foto die Hände zum Hitler-Gruß gehoben. Damals kam die Lehrerin Birgit Antona-Müller auf die Idee, und schlug sie den Schülern vor. Die waren gleich begeistert und erarbeiteten ein Konzept. In dieser Woche konnten sie nun ihre Lorbeeren ernten – und waren sichtlich stolz.

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