zur Navigation springen
Pinneberger Tageblatt

20. August 2017 | 01:07 Uhr

Uetersen : Ein Podium ohne Bürgermeisterin

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Andrea Hansen (SPD) will nicht mehr an der Wahlveranstaltung am Abend teilnehmen. Es gibt Kritik von den Mitbewerbern.

Uetersen | Bürgermeisterin Andrea Hansen (SPD) hat die Teilnahme an dem Schlagabtausch der Bürgermeisterkandidaten in Uetersen heute Abend abgesagt. In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Hauptausschusses, Andreas Stief (CDU), erklärt sie, dass sie Schaden von der Stadt, den Bürgerinnen und Bürgern und nicht zuletzt den anwesenden Polizistinnen und Polizisten abwenden wolle. Bis zur Wahl am Sonntag, 21. September, bleibt die Veranstaltung die einzige Möglichkeit, die Kandidaten im direkten Schlagabtausch zu vergleichen.

In dem Schreiben heißt es, dass sie die Auffassung des beim Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein angesiedelten regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus teile, „dass es hoch problematisch sei, wenn ein NPD-naher Rechtsextremist in unserer Stadt seine Thesen als vermeintlich demokratische Alternative zu den anderen drei Kandidaten präsentieren kann.“ Man sollte ihnen überhaupt keine städtische Plattform für ihre Propaganda bieten. „Eine städtische Veranstaltung mit Beteiligung des NPD-Spitzenkandidaten zur Kommunalwahl und Reichsbürgers, unter Polizeischutz und begleitet von Protesten, wäre das falsche Signal.“

Zudem schreibt die Bürgermeisterin, dass die Uetersener Polizei am Montag vor dem Hintergrund ihrer Lageeinschätzung den Wunsch geäußert habe, die Veranstaltung abzusagen. Deshalb sei Hansen nicht bereit, „die Veranstaltung und den Konflikt auf dem Rücken der Polizei auszutragen“. Es sei unwahrscheinlich, dass es zu einer ungestörten Sachdebatte kommen werde.

Der unabhängige Kandidat Bernd Möbius und der CDU-Kandidat Andreas Faust sind sich einig, dass sie an der Veranstaltung teilnehmen wollen. „Der Termin und die Teilnehmer stehen schon lange fest“, sagt Möbius. „Die Bürger freuen sich, zu hören, was die Kandidaten zu sagen haben.“ Die Sorge darum, dass irgendjemand „braunen Müll“ auf dem Podium absondere, sei für ihn kein Grund, alles abzusagen. Die Reaktion von Hansen sei für ihn „Demokratie nach Gutsherrenart“ – gerade so, wie es passt. Er finde es unglücklich, dass der Schulterschluss der Demokraten nicht geglückt sei. Einen Schaden für Uetersen – wie Hansen ihn schildert, könne er nicht erkennen.

Auch Faust will an dem Termin festhalten. „Ich bin der Auffassung, dass wir uns als Demokraten nicht von einem rechtsradikalen Bewerber einschüchtern lassen sollen. Wir müssen den Rücken gerade machen und ein Zeichen setzen für die Demokratie.“

Andreas Stief, Fraktionsvorsitzender der CDU und Hauptausschussvorsitzender, kann die Argumentation von Hansen ebenfalls nicht nachvollziehen. Die Gründe hält er für fadenscheinig. Es gehe ihr nicht darum, Schaden von der Stadt abzuwenden. „Sie will den Schaden von sich abwenden, weil sie dieser Veranstaltung nicht gewachsen ist.“ Zudem wundert er sich über die Polizei, die nicht auf ihn zugekommen sei, obwohl er die Veranstaltung initiiert hat. Polizeichef Frank Lassen bestätigt, dass er gegenüber Hansen den Wunsch geäußert habe, die Veranstaltung abzusagen. Eine konkrete Gefahrenlage will er nicht bestätigen, es gebe aber Hinweise, dass sich das „politische linke Lager“ mobilisiere. Lassen will mehr Polizisten als geplant einsetzen. Tatsächlich kündigt die „antifaschistische Initiative Kreis Pinneberg“ auf ihrer Internetseite die Veranstaltung an – mehr aber auch nicht. Am Ablauf hat sich nichts geändert. Um 19 Uhr geht es los in der Mensa, Bleekerstraße 3.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 09.Sep.2014 | 14:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert