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Appen/Liberia : Ein Pfarrer im Kampf gegen Ebola

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Der evangelische Pfarrer Andreas-Christian Tübler unterstützt die Freiwilligen in Liberia als Seelsorger.

shz.de von
erstellt am 19.Nov.2014 | 10:00 Uhr

Appen | Einsatz in Afrika: Andreas-Christian Tübler, Militärpfarrer in der Appener Marseille-Kaserne, ist ab Januar für sechs Wochen in Liberia. In der Hauptstadt Monrovia wird das Deutsche Rote Kreuz in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ein Ebola-Behandlungszentrum betreiben.

Tübler begleitet Soldaten, die sich freiwillig zu dem Einsatz gemeldet haben, als Seelsorger. „Es geht da nicht um theologische Fragen, sondern darum, dass die Soldaten Raum haben, über das zu sprechen, was sie erleben“, sagt der evangelische Pfarrer.

Seit Ausbruch der Ebola-Epidemie sind laut aktuellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 14.400 Menschen an dem Virus erkrankt. Die meisten Fälle wurden in den westafrikanischen Ländern Liberia und Sierra Leone registriert. Etwa 50 Prozent der an Ebola erkrankten Menschen überleben nicht. Eine Tatsache, mit der die Freiwilligen vor Ort umgehen müssen. „Wenn die Soldaten mit dem Tod konfrontiert werden, brauchen sie eine Möglichkeit, darüber zu sprechen“, sagt Tübler.

Der Seelsorger wird während des Einsatzes nicht in den Hochrisikozonen des Behandlungszentrums arbeiten, um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Während eines einwöchigen Lehrgangs in der Marseille-Kaserne wurde er – wie die Soldaten, die auch nach Monrovia reisen  – nicht nur praktisch im Umgang mit Schutzanzug und mit Desinfektionsmitteln geschult, sondern auch theoretisch über kulturelle Begebenheiten und psychologischer Belastung.

Eigentlich wäre Tübler im Dezember bei den  in Mali stationierten Truppen gewesen. Er wurde gefragt, ob er stattdessen nach Liberia fahren würde. Tübler sagte zu. „Da ist es viel dringender, dass jemand mitfährt“, begründet er seine Entscheidung.

Die Reise kann beginnen

Noch sind die Koffer von Andreas-Christian Tübler nicht gepackt. Obwohl der Einsatz noch einige Wochen hin ist, hat der 57-Jährige bereits einige Reisevorbereitungen hinter sich.

Der Seelsorger absolvierte einen fünftägigen Vorbereitungslehrgang. Hat den Schutzanzug fachgerecht an- und ausgezogen, gelernt, wie die Ausrüstung desinfiziert wird und mehr über Land und Leute erfahren. Hat die erforderlichen Impfungen bekommen.

Seine Familie sei nicht begeistert gewesen, als er sich dazu entschloss statt einem Auslandseinsatz in Mali zu absolvieren, für sechs Wochen nach Liberia zu gehen. „Ein Risiko wäre aber auch in Mali vorhanden“, sagt Tübler. Es sei seine Aufgabe, als Militärseelsorger die Soldaten zu begleiten.

Die Reise nach Liberia erfolge freiwillig. Tübler hat Angst vor der hochansteckenden Infektionskrankheit. Aber auch vor den Dingen, die vor ihm liegen, hat der Geistliche Respekt. „Ich werde vor Ort für die Menschen da sein und muss hinterher sehen, dass auch ich das Geschehene verarbeite“, sagt er. Tübler wird nicht in den Bereichen innerhalb des Behandlungszentrums arbeiten, in denen die Ansteckungsgefahr besonders groß ist, sondern im Hintergrund aktiv sein. „Es ist meine Aufgabe den Soldaten die Möglichkeit zum Gespräch anzubieten“, sagt er.

 

Den Einsatzkräften müsste die Chance gegeben werden zu besprechen, wenn sie mehrere Tote, darunter auch Kinder, bergen würden. „Die Soldaten, die ich kenne, sind keine Rambos“, so Tübler. Die Männer und Frauen würden sehr reflektiert an den Einsatz herangehen. Tübler hofft, dass sie körperlich und seelisch gesund aus Liberia zurückkommen. „Ich wünsche mir, dass sie sagen können, dass der Einsatz sinnvoll war“, sagt Tübler. Das Ziel der Mission sei die Unterbrechung der Ebola-Infektionskette.

Nach der Rückkehr wird Tübler, genau wie die eingesetzten Soldaten, ein Nachbereitungsseminar absolvieren. Außerdem wird Einsatzkräften im Anschluss an die Zeit in Liberia die Bundeswehr eine freiwillige, dreiwöchige Auszeit „im Sinne einer Präventivkur“ angeboten. In Quarantäne komme nur, wer direkten Kontakt mit einem Infizierten hatte, so Bundeswehr Oberstarzt Peter Lüke.

Ebola ist eine seltene und lebensbedrohliche Viruserkrankung, die 1976 das erste Mal in Afrika festgestellt wurde. Der Virus wird von wilden Tiere auf Menschen übertragen. Von Mensch zu Mensch wird die Krankheit dann über den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten weitergegeben. Laut Bundesregierung besteht für die deutsche Bevölkerung keine Gefährdung. Alle Empfehlungen, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgesprochen hat, sind erfüllt. Sollte ein an Ebola erkrankter Mensch einreisen, seien alle Voraussetzungen zur sicheren Versorgung Betroffener gegeben.

Deutsche Freiwillige aktiv gegen das Virus

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wird Mitte November mit Unterstützung der Bundeswehr ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fertiggestelltes Behandlungszentrum in der liberianischen Hauptstadt Monrovia übernehmen. Das DRK liefert die medizinische Ausstattung für das Krankenhaus und wird von der Bundeswehr personell unterstützt. Das Behandlungszentrum soll sukzessive auf 100 Betten aufgestockt und ein Jahr lang betrieben werden.

Das DRK braucht aber weitere Freiwillige, um den Einsatz in den kommenden Monaten gewährleisten zu können. Gesucht werden Ärzte, Krankenschwestern, Logistiker, Gesundheits- und Krankenhausmanager sowie Experten in Wasser und Hygiene. Für einen Patienten würden drei Helfer benötigt werden, so eine DRK-Sprecherin. Bis Dienstag vergangene Woche hatten sich bundesweit 938 Freiwillige als medizinische Helfer beim DRK gemeldet, 422 davon sind wahrscheinlich für den Einsatz geeignet. Die Einsatzkräfte durchlaufen, bevor sie nach Liberia geschickt werden, ein mehrwöchiges Vorbereitungstraining.

Am Donnerstag, 13. November, verabschiedete der Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Botschafter Walter Lindner, vier DRK-Freiwillige und fünf Bundeswehrsoldaten in Berlin. 14 DRK-Helfer und vier Bundeswehrangehörige sind bereits in der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Das DRK unterstützt außerdem in Sierra Leone das von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften betriebene Ebola-Behandlungszentrum in Kenema. Der deutsche Kinderarzt und DRK-Helfer Professor Joachim Gardemann hat die Leitung des Zentrums übernommen.

Das Engagement des DRK basiert auf den Ergebnissen zweier Reisen Anfang Oktober, bei denen jeweils ein Erkundungsteam nach Liberia und Sierra Leone geschickt wurden, um Informationen für weitere Schritte zu sammeln.

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