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Die Iranerin Soheila Sedihinia ist dankbar, in Rellingen leben  zu können.
Die Iranerin Soheila Sedihinia ist dankbar, in Rellingen leben zu können.

Flüchtlingsschicksal: Iranerin Soheila Sedihinia über deutsche Freunde, Jobsuche, Hoffnungen und Verluste

shz.de von
14. Mai 2018, 16:00 Uhr

Ein Flüchtlingsschicksal, das bewegt: Mit ihren zwei Töchtern und ihrem Mann gelangte die aus dem Iran stammende Soheila Sedihinia im September 2014 nach Rellingen. Zuvor hatten Soheila und ihr Mann Alireza in Neumünster noch einen Taufkursus besucht. Als die ursprünglich muslimischen Familienmitglieder in Rellingen ankamen, waren sie bereits Christen.

Wie die meisten geflüchteten Menschen beherrschten die Familienmitglieder kein Deutsch. Mit dabei hatte sie lediglich die Kleidung, die sie auf dem Leibe trug. Rückblickend empfindet sie die auf sie einstürzenden Probleme als „massiv“. „Mir fehlte im Iran Freiheit“, erläutert die 43-Jährige. Sie traf im deutschen Rellingen „völlig andere Zustände an“ als in ihrem Heimatland. „Es gab neues Wetter, eine neue Kultur, eine sehr schwierige Sprache und eine neue Schule für unsere Kinder“, erinnert sich Soheila Sedihinia.

Die Teheranerin knüpfte ihre ersten Kontakte im Pinneberger Pino Café. Sie lernte dort auch einige Grundbausteine der deutschen Sprache. Sieben Monate nachdem sie in Rellingen ankam, belegte die Iranerin den ersten Deutschkursus in der Diakonie Pinneberg. Die Hilfe der Ehrenamtlichen bei den Hausaufgaben im Café Pino kam ihr dabei nach eigenen Worten sehr zugute.

Die Angebote der Diakonie Pinneberg sowie – der Rellinger Kirche bezeichnet sie als bereichernd. Das Willkommenscafé empfindet sie als einen angenehmen Raum für Begegnungen. „Viele Menschen aus Rellingen sind sehr nett“, sagt Sedihinia. Zahlreiche Menschen hätten ihr bei behördlichen Problemen geholfen.

Es galt vor allem, eine Schule für ihre Töchter zu finden. „Inzwischen fühlen sich meine Mädchen an der Caspar-Voght-Schule wohl“, freut sich die Mutter. Als prägendes Erlebnis hat sie vor allem das erste Weihnachtfest in Erinnerung. Der Lichter-Glanz im gesamten Ort sowie in der Barockkirche habe in ihr ausschließlich positive Gedanken ausgelöst. Ihre Töchter hätten erstmals den Weihnachtsbaum geschmückt, nachdem sie den Baum auf dem Markt in Rellingen erstanden hätten.

Soheila Sedihinia empfand die vergangenen Jahre vor allem infolge privater Schicksalsschläge als schwere Zeit. Ihr Bruder verstarb im Juli 2014 und ihr Vater im November 2014. Mit wöchentlichen Spaziergängen über den Rellinger Friedhof versucht sie, die Verluste zu verarbeiten. „Mir helfen auch Gespräche mit meinen deutschen Freunden“, betont sie.

Das Paar Sedihinia besucht schon fast seit vier Jahren wöchentlich die Gottesdienste am Fahlt. „Es ist toll, dass die Gottesdienste von Pastor Hartmut ins Persische übersetzt werden“, freut sich die Iranerin. Das Ehepaar nutzte die Chance, am 21.  August 2016 noch einmal kirchlich in der Kirche am Fahlt zu heiraten. Deutsche und iranische Freunde haben der Hochzeit beigewohnt. Sie veranstalteten gemeinsam in der Kirche ein Mittagessen. „Das war eine ganz tolle Feier“, erinnert sie sich. „Ich bin glücklich, Alireza zu haben. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt sie. Er sei ein Mensch, auf den sie sich verlassen könne und der sie bei seelischen Problemen immer wieder aufrichte.

Die studierte It-Programmiererin hat viele Träume. Sie würde gerne eine Ausbildung – beispielsweise im Computerbereich oder auch im sozialen Bereich (Kita) – absolvieren. Soheila Sedihinia bezeichnet allerdings das Lernen des Stoffs in der fremden Sprache als großes Hindernis. Sie arbeitet daran, Schritt für Schritt diesem Ziel näher zu kommen.

Sedihinia schloss in Teheran bereits ein vierjähriges Studium ab, bekam unmittelbar danach allerdings ihre Töchter. Sie hofft auch, dass ihr Mann, ein gelernter Elektroniker, eine Arbeit findet.




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