Ein Ort, um der Trauer zu begegnen

Hilfe in der Krise: Ute Sabine Eckhardt-Tams (von links), Ingrid Sietz und Christoph Stegmann kümmern sich um Trauernde.
Hilfe in der Krise: Ute Sabine Eckhardt-Tams (von links), Ingrid Sietz und Christoph Stegmann kümmern sich um Trauernde.

Pinneberger Café „Sonnenlicht“ feiert Geburtstag

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06. Juni 2018, 16:19 Uhr

Trauer bedeutet, einen schweren Verlust zu ertragen. Und im Idealfall auch zu überwinden. Das scheint manchen Menschen besser zu gelingen als anderen, jeder geht mit seiner Trauer auf ganz individuelle Weise um. Helfen kann eine Gemeinschaft und der Austausch mit anderen, die Ähnliches erlebt haben – genau das ist die Idee vom Pinneberger Trauercafé „Sonnenlicht“, das einmal im Monat von der Pinnebergerin Ingrid Sietz, Pastor Christoph Stegmann vom Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein und der Hospizkoordinatorin Ute Sabine Eckhardt-Tams ausgerichtet wird. Mittlerweile seit zehn Jahren: Am Sonnabend, 9. Juni, feiert das Café ab 15 Uhr im Bürgerhaus, Fahltskamp 30 in Pinneberg, seinen Geburtstag.

„Es sind alle eingeladen, die mal dort waren oder uns einfach nur kennenlernen wollen“, sagt Eckhardt-Tams. Im Garten werden extra Pavillons aufgebaut, um zu feiern. In der ersten Stunde unterhalten sich die Gäste in kleinen Gruppen bei Kaffee, Tee und Kuchen – wie in jedem anderen Café. In der zweiten Stunde folgt ein offener Gesprächskreis, zu dem Stegmann ein Thema aus dem Alltag beisteuert.

Die Idee zu dem Konzept entstand 2008, als Sietz und Stegmann mit einem Infotisch vor dem Pinneberger Bücherwurm standen, um für Stegmanns geschlossene Trauergruppe zu werben. Diese hat Sietz selbst sehr geholfen. „1992 ist mein Mann gestorben und ich war total verzweifelt“, sagt sie. Sie kam in die Trauergruppe und blieb: als Mitorganisatorin und helfende Hand. „Mit ihrer eigenen Trauererfahrung ist sie eine Stütze für die anderen“, sagt Eckhardt-Tams. Sie kam vor zehn Jahren an dem Infostand von Sietz und Stegmann vorbei: der Beginn der Zusammenarbeit. Gemeinsam entwickelten die drei die Idee von dem Trauercafé. „Die Gruppe ist geschlossen. Das Café sollte aber offen sein für jeden, egal ob er einmal oder öfter kommen will“, erläutert Eckhardt-Tams. Und das lief richtig gut: In der Anfangszeit zwängten sich bis zu 40 Teilnehmer in den Raum, später pendelte es sich bei etwa 15 ein. Bei den Gesprächen entstehen auch Freundschaften. „Manche erwarten, dass es bei uns ganz traurig ist“, sagt Eckhardt-Tams. „Das ist gar nicht so. Es geht nicht nur darum, die Trauer zu teilen, sondern auch die Freude.“

Zuerst geht es aber um das Verarbeiten. Stegmann erläutert: „Bei uns können die Menschen kommunizieren, wie es ihnen wirklich geht.“ Eckhardt-Tams ergänzt: „Die Menschen kommen, weil sie wissen, dass sie ihre Trauer mitbringen dürfen.“ Das sei in der heutigen Zeit tatsächlich ein Problem. „Vom Umfeld bekommen Trauernde oft zu hören: Jetzt ist es ja vorbei, jetzt musst du zurück ins Leben.“ Die Zeit, die ihnen zum Verarbeiten eines Todes gelassen wird, würde sich immer mehr verkürzen. Das kennt sie auch von ihrer Arbeit beim Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst Pinneberg-Uetersen. „Wir lernen die Angehörigen kennen und bieten auch Trauerarbeit an“, sagt sie. Ihre Erfahrung: „Die Außenwelt stellt Anforderungen an Trauernde, die sie nicht erfüllen können. Aber man sieht es ihnen ja von außen nicht an. Sie sind praktisch schutzlos ausgeliefert, weil alle erwarten, dass sie funktionieren.“ Das Café ist der Ort, um solche Sorgen loszuwerden. Auch noch nach vielen Jahren. Sietz sagt: „Dass mein Mann gestorben ist, ist 26 Jahre her. Und noch heute überfällt es mich plötzlich, wenn mich etwas an eine Situation erinnert.“ Damit umzugehen und zu lernen, dass das normal ist – dafür ist das Trauercafé da.

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