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Kreis Pinneberg : Ein Modellprojekt mit Zukunftssorgen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Die Hälfte der rechtsmedizinischen Untersuchungen im Kreis Pinneberg findet inzwischen auf Wunsch der Gewaltopfer statt. Das war nicht immer so: Bevor die beiden regionalen Untersuchungsstellen in Elmshorn und Pinneberg eröffnet wurden, kamen nur zehn Prozent ohne Auftrag der Ermittlungsbehörden. Eigentlich ein Erfolg: Doch die langfristige Finanzierung des Modellprojekts ist nicht gesichert.

79 Personen aus dem Kreis Pinneberg sind im vergangenen Jahr rechtsmedizinisch untersucht worden, nachdem sie Opfer von Gewalt wurden. Die Hälfte von ihnen kam aus dem niedrigschwelligen Bereich, also ohne dass eine Ermittlungsbehörde die Untersuchung beauftragte. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Bis zum Jahr 2009 war es nur jeder Zehnte, der aus eigenen Stücken den Weg in die Rechtsmedizin einschlug, um seine Verletzungen fachmännisch dokumentieren zu lassen.

„Um vor Gericht beweisen zu können, dass die erlittenen Verletzungen tatsächlich von einer Straftat stammen, ist die richtige Dokumentation das Wichtigste“, erläuterte Rechtsmedizinerin Dr. Nadine Wilke im Gespräch mit dieser Zeitung. Sie hat im Jahr 2010 das Modellprojekt einer regionalen rechtsmedizinischen Untersuchungsstelle im Kreis Pinneberg initiiert. Eine Besonderheit, denn rechtsmedizinische Institute seien eigentlich immer an Universitätskliniken angegliedert. Der 36-Jährigen, die seit 2007 am Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) arbeitet, sei jedoch aufgefallen, dass nur wenige Menschen aus dem Umland in die rechtsmedizinische Ambulanz des UKE kamen. 90 Prozent dieser Untersuchungen erfolgten damals, weil die ermittelnden Beamten sie beauftragt hatten.

Dies hat sich inzwischen geändert. Die regionalen Untersuchungsstellen in Pinneberg und Elmshorn, die Wilke inzwischen gemeinsam mit ihrer Kollegin Caroline Schröder betreut, werden immer häufiger auch dann zur Anlaufstelle für Gewaltopfer, wenn keine rechtsmedizinische Untersuchung beauftragt wurde. Eine Entwicklung, die Wilke darauf zurückführt, dass es ihr inzwischen gelungen ist, ein Netzwerk mit Institutionen im Kreis Pinneberg aufzubauen. Wilke begrüßt dies, denn sie ist überzeugt: „Jedes Opfer hat das Recht auf eine fachgerechte Dokumentation seiner Verletzungen.“ Die Rechtsmedizinerin gehe auch davon aus, dass es noch mehr Menschen gebe, die von dem Angebot profitieren könnten. Doch nicht alle würden das Angebot bereits kennen. Insbesondere ältere Menschen kämen kaum zu ihr. „Aber auch sie erfahren Gewalt“, sagte Wilke.

Bis Ende 2015 ist die Finanzierung des Projekts im Kreis Pinneberg durch die Damp-Stiftung gesichert. Diese trägt die Personalkosten. Wie es danach weitergeht, ließe sich nicht sagen, so Wilke. Sie hoffe jedoch, eine Möglichkeit zu finden, damit das erfolgreiche Projekt fortgesetzt werden könne.

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erstellt am 26.Feb.2014 | 06:00 Uhr

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