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Pinneberger Tageblatt

24. Oktober 2017 | 02:32 Uhr

Appen : Ein Leben zwischen Tasten und Tönen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Friedrich Studt aus Appen hat Jahrzehnte lang beim berühmen Klavierbauer Steinway gearbeitet. Pianist Artur Rubinstein getroffen.

shz.de von
erstellt am 06.Mär.2015 | 10:00 Uhr

Appen | Der Appener Friedrich Studt ist 78 Jahre alt. Doch mit seinem modisch-stoppeligen Kurzhaarschnitt und den lebhaften Augen sieht er wesentlich jünger aus. Wie das kommt? Besondere Glücksfaktoren sind die Ursache. Dazu zählen „der schönste Beruf, den er sich aussuchen durfte“ sowie das Heiraten seiner Jugendliebe: „Sie war die Schönste der Stufe.“

Der gelernte Tischler fing bereits im Alter von 19 Jahren an, im renommierten Steinway-Haus als Klavierbauer zu arbeiten. Der Name Steinway steht für Tradition in der Branche, die seit mehr als 160 Jahren gepflegt wird. Seine Kindheit verlebte Studt in Wedel. Während des Krieges zog der Siebenjährige dann – nach Ausbombung seines Elternhauses – für eineinhalb Jahre nach Blankenese. Mit der Familie ging es im Anschluss wieder für sechs Jahren in die Hilfsbaracken nach Wedel.

Studts Vater gelang es 1950, ein Siedlungshaus zu erbauen. Er absolvierte nach der Schule eine dreijährige Tischlerausbildung in einer Möbelfabrik. Dort hielt es der Appener jedoch nicht lange aus. Er sei zu jung gewesen, um ausschließlich Möbel herzustellen und habe sich unterfordert gefühlt.

Dann fasste Studt im Alter von 19 Jahren den Entschluss, sich als Klavierbauer im Steinway-Haus zu bewerben. „Steinway war bekannt für sehr gute Arbeit“, erzählt Studt. Die meisten Tischler – wie er auch – hätten Angst gehabt, dort zu arbeiten. Doch es gelang ihm, seine Angst zu überwinden: Sein Einstand gelang.

Spezialgebiet der Mechanik

Studt wurde in das Spezialgebiet der Mechanik eingeführt. Er erlernte nach und nach die spezielle Herstellungstechnik der berühmten Klaviere. „Ich wurde relativ schnell losgelassen auf Mechanik und Klaviatur“, erinnert sich Studt. Im Kern gehe es darum, die Mechanik mit der Klaviatur zusammenzubringen, um einen spielbaren Block zu erschaffen. Bei Klassikpianisten als Kunden gelte es, besondere Regeln zu beachten. Die Konzertauswiegung für große Konzertflügel sollte zwischen 52 und 57    Gramm liegen. „Ich wollte bei Steinway anfangen, um in meinem Beruf als Tischler nicht zu einseitig zu werden“, erläutert Studt. Er habe damals den Ehrgeiz gehabt, in den einzelnen Abteilungen verschiedene Stadien zu durchlaufen. Dazu gehörten: das Zusammensetzen der Mechanik, die Regulierung der Mechanik, die Dämpfung sowie das Anschlagen der Klavierklappen. „Im Laufe der Jahre gewinnt man die Sicherheit, den Flügel in seiner Art – den Ansprüchen der Kunden gemäß – fertigzustellen“, erzählt Studt.

Ein besonderes Erlebnis blieb für den heute 78-Jährigen unvergesslich. Der weltbekannte jüdische Pianist Artur Rubinstein kam während Studts Arbeitszeit zweimal vorbei, um Klaviere auszuwählen. Die Abstände seiner Besuche waren kurz. „Wir waren fasziniert, dass der Weltstar aufgrund seines feinen Gehörs exakt die gleichen Flügel aussuchte wie beim ersten Mal“, erinnert sich der Appener. „Schauten bekannte Musiker vorbei, wurde ich häufig gerufen, um die eine oder andere Feinheit zu regulieren“, erinnert sich der gebürtige Wedeler, der seinen Traumberuf bei Steinway immer wieder ergreifen würde.

Buchtipp: Franz Mohr: Große Pianisten, wie sie keiner kennt: Der Chef-Konzerttechniker von Steinway&Sons erzählt Verlag: Brunnen 2009, 16,95 Euro
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