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Kreis Pinneberg : Ein Leben zwischen den Konfessionen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Walter Jungbauer ist alt-katholischer Priester und mit einer evangelisch-methodistischen Pastorin verheiratet - Der Weg bis zur Berufung war allerdings nicht gradlinig...

Im Esszimmer des Pfarrhauses der evangelisch-methodistischen Friedenskirche in Ellerbek steht auch noch Ende Januar der Weihnachtsbaum. Liebevoll ist er mit einer Lichterkette, Kugeln und Sternen dekoriert. Darauf angesprochen lacht Walter Jungbauer. „Bei uns steht der Baum bis zum 2. Februar, dem altkirchlichen Ende der Weihnachtszeit“, sagt er. Der 48-Jährige ist Priester der alt-katholischen Pfarrgemeinde Hamburg. Dass er trotzdem im Pfarrhaus der evangelischen Friedenskirche lebt, hängt mit seiner Frau Christine Guse zusammen, die Pastorin in der Ellerbeker Gemeinde ist. Kennengelernt hat sich das Ehepaar während einer Vorlesung im Theologiestudium in Bonn.

„Es ist mir ein großes Anliegen die Ökumene zwischen verschiedenen Konfessionen zu leben“, sagt Jungbauer. Normalerweise sitzt er am Sonntagmorgen, wenige Schritte vom Wohnzimmer entfernt, in der Ellerbeker Friedenskirche und hört sich die Predigt seiner Frau an. „Da hole ich mir oft Inspiration und Ideen für meine eigenen Predigten“, sagt Jungbauer schmunzelt. Abends fährt er dann in Altonas Hauptkirche Sankt Tinitatis, um dort gemeinsam mit seiner Gemeinde den Gottesdienst zu feiern.

Jungbauer war nicht immer alt-katholisch. Als junger Mann nimmt der gebürtige Franke in Bamberg das Studium der römisch-katholischen Theologie auf. „Während der Kirchengeschichte bin ich auf die alt-katholische Kirche aufmerksam geworden“, sagt Jungbauer. Schließlich lernt er eine Gemeinde in der Nähe kennen. „Zu der Zeit wurde mir klar, dass die römisch-katholische Kirche nicht reformierbar ist. Es wird immer alles von oben entschieden. In der alt-katholischen Gemeinde habe ich mich zuhause gefühlt. Daher war es nur eine Konsequenz auszutreten und zu wechseln“, sagt Jungbauer.

Ursprünglich wollte der 48-Jährige, nach Erfahrungen in der Jugendarbeit in der Kirche im Heimatort, pastoraler Mitarbeiter werden. Mit dem Kirchenwechsel stand ihm jedoch auch der Berufszweig des Pastors offen. „Vorher war das nie ein Thema, weil ich nicht zölibär leben wollte.“ Alt-katholische Geistliche dürfen indes heiraten und Familien gründen.

Der Beruf ist für ihn eine Berufung. „Ich kümmere mich gern um Menschen, und ich glaube, ich kann Menschen gut trösten. Es ist mir ein wichtiges Anliegen, die frohe Botschaft von Jesus Christus, die viel zu häufig als Droh-Botschaft verkündet wird, weiterzutragen“, begründet Jungbauer seine Berufswahl.

Bis er endlich vor einer Gemeinde stehen konnte, verging allerdings einige Zeit. Bereits in den 1990er Jahren arbeitet Jungbauer als pastoraler Mitarbeiter für die alt-katholische Kirche. „Dann gab es jedoch weniger Kirchensteuer und dadurch mussten Stellen abgebaut werden,“ sagt der Franke. So entschließt sich Jungbauer kurzerhand zunächst in der Public-Relations-Branche zu arbeiten. Seine Kenntnisse aus diesem Bereich setzt er später als Fundraiser für die Berliner Tafel und die evangelische Kirche Mitteldeutschland ein, als er Gelder für die Institutionen wirbt. Schließlich arbeitet er in Hannover für den Verband der evangelischen Kirche und kümmert sich auch um die Öffentlichkeitsarbeit. „Als dann jedoch das Angebot der alt-katholischen Kirche für eine feste Stelle kam, war ich sehr froh“, sagt Jungbauer. So könne er zum einen mehr Zeit mit seiner Frau und den drei Söhnen verbringen und müsse nicht mehr pendeln, habe aber auch die Möglichkeit, endlich seiner Berufung zu folgen. 2008 wird der Franke zum Diakon geweiht, zwei Jahre später zum Priester.

Seit Sommer 2013 arbeitet er nun vollzeit in der Pfarrgemeinde Hamburg, die sich von Cuxhaven bis Lüchow-Dannenberg sowie den Kreis Pinneberg erstreckt. Wenn er trotz Arbeit und ehrenamtlicher Öffentlichkeitsarbeit für seine Gemeinde noch Zeit findet gehört diese der Familie. Dazu gehören Schachspiele mit dem Sohn genauso wie Kabarettbesuche mit seiner Ehefrau.

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erstellt am 25.Jan.2014 | 15:00 Uhr

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