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Pinneberger Tageblatt

20. Oktober 2017 | 09:44 Uhr

Ein langer Weg des Erwachsenwerdens

vom

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 01:14 Uhr

Rellingen | Zwischen Ostern und Pfingsten liegt ein langer Weg des Erwachsenwerdens. Der Meister und Freund ist fort - "gekreuzigt, gestorben und begraben". Es gilt zu wachsen an Verlusten, hindurchzugehen durch Ängste, Gefahr und Verzweiflung. Niemand weiß, wie es weitergeht. Dann kommt die trotz Ankündigung unerwartete Überraschung - "am dritten Tage auferstanden von den Toten"! Bleibst Du jetzt bei uns? Neue Hoffnungen keimen auf, werden schnell enttäuscht - "aufgefahren in den Himmel". Wie soll man da noch folgen? Vielleicht geht es weniger darum, mich zum Himmel durchzukämpfen als mich hineinziehen zu lassen? So wie es der Wochenspruch beschreibt: "Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen." (Johannes 12,32) - "Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten."

Unsere Lebensreise geht hin zum Vater im Himmel, der uns Vater und Mutter in einem ist, letzte Wirklichkeit hinter allem, was lebt. Was tut ein Vater, eine Mutter? In einem polynesischen Stamm helfen die Eltern ihren Kindern erwachsen zu werden durch ein altes Ritual. Die Kinder werden abends einzeln in den Dschungel begleitet, in dem sie die Nacht verbringen. Wer schon einmal nachts in einem dunklen Wald ohne technische Hilfsmittel allein auf sich gestellt war, der weiß, dass das eine Grenzerfahrung sein kann. Ich sehe nichts; ich höre viel. In mir trage ich das Wissen, das Vertrauen, das Vater und Mutter mir mitgegeben haben, wenig mehr. Wird das reichen, mich durch die Nacht zu bringen? Was kommt auf mich zu? Raschelnd - oder schlimmer noch: lautlos? In dieser Nacht begegnen die Jugendlichen vielem - und sicher auch sich selbst. Können sie ihren Eltern verzeihen? Oder sind sie vielleicht sogar stolz, dass ihnen zugetraut wird, dem Dunkel gewachsen zu sein?

Ein Mädchen schreibt: "Ich bin in der Nacht tausend Tode gestorben. Nur um am Morgen zu entdecken, dass mein Vater und meine Mutter die Nacht ganz in meiner Nähe hinter einem Busch verbracht haben." Vater und Mutter werden: Erwachsen genug, um mich nicht von Ängsten leiten zu lassen. Erwachsen genug, um eigene Entscheidungen zu fällen, so wie Maria, die niemanden fragt, ob sie Gottes Auftrag annehmen soll. Erwachsen genug, um unter dem Kreuz nicht zu flüchten. Erwachsen genug...um das Kind in mir und die Kinder um uns zu hüten. Muttertag und Vatertag feiern - heute - im Angesicht Gottes, der uns allen Vater und Mutter sein möchte, der bei uns ist, Tag und Nacht, bis der jüngste Morgen anbricht.

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