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Nach der Wiederwahl : Ein Landrat, der alle überzeugt hat

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Als Oliver Stolz 2010 zum ersten Mal Landrat wurde, standen nicht alle Fraktionen hinter ihm. Inzwischen gibt es keine Bedenken mehr.

Kreis Pinneberg | Sie war unspektakulär: die Wiederwahl von Oliver Stolz als Landrat während der Kreistagssitzung am Mittwochabend. Die Kreistagsfraktionen hatten sich bereits im Vorfeld darüber verständigt, auf eine Stellenausschreibung zu verzichten und Stolz wiederzuwählen. Den Kreispräsidenten Burkhard Tiemann (CDU) hatte dies sogar dazu verleitet, eine Wette abzuschließen. „Ich kriege von Herrn Tiemann jetzt eine Flasche Sekt“, sagte Stolz nach der Bekanntgabe des Ergebnisses: 37 der 41 anwesenden Kreistagsmitglieder hatten in geheimer Wahl für ihn gestimmt, drei hatten gegen ihn votiert und eine Stimme war ungültig. Laut Stolz hatte Tiemann eine einstimmige Wiederwahl prognostiziert.

Dass Stolz es in den vergangenen Jahren geschafft hatte, die Kreispolitiker von sich zu überzeugen, wurde im Vorfeld der Abstimmung deutlich. Denn da hatten die Fraktionsvorsitzenden das Wort und erinnerten daran, dass Stolz im Februar 2010 – vorgeschlagen von der CDU und den Grünen – erst im zweiten Wahlgang zum Landrat gewählt wurde. Damals traten Andreas Köhler und Jürgen Tober, beide Mitarbeiter der Kreisverwaltung, gegen Stolz an, der zu diesem Zeitpunkt Bürgermeister in Rellingen war. Im ersten Wahlgang votierten nur 29 Kreistagsmitglieder für ihn, 30 Stimmen wären nötig gewesen.

„Es ist kein Geheimnis: Wir haben den Landrat 2010 nicht mitgewählt“, sagte SPD-Fraktionschef Hans-Helmut Birke am Mittwoch. Doch nach der Wahl hätte die SPD ihm eine vertrauensvolle und kooperative Zusammenarbeit angeboten. „Das hat sich wechselseitig gelohnt“, sagte Birke und lobte Stolz’ überlegtes Handeln und seine Offenheit gegenüber der Politik, die dazu führe, dass wichtige Themen zügig angegangen werden könnten.

Auch Grünen-Fraktionschef Thomas Giese berichtete von den Zweifeln, die seine Fraktion 2010 an Stolz gehabt habe, obwohl sie seine Wahl bereits damals unterstützt habe. „Er war Bürgermeister von Rellingen und Rellingen ist so klein, da haben wir uns gefragt, ob er das überhaupt kann, die große Kreisverwaltung zu leiten“, sagte Giese. Doch bereits beim ersten Kennenlernen sei Stolz „ambitioniert und zuversichtlich authentisch“ rübergekommen. Stolz habe sich bewiesen. „Er hat das ganz prima gemacht. Wir haben es nicht bereut, ihn gewählt zu haben. Und ich wünsche ihm viel Glück für die kommenden sechs Jahre“, sagte Giese.

Wunsch nach mehr Kontroverse

„Sie haben immer ein offenes Wort für uns Politiker, sind sachbezogen und beziehen uns in alle Entscheidungen mit ein“, lobte Klaus Bremer, Vorsitzender der FDP-Fraktion. Und Sven Lange (Piraten), Vorsitzender der Fraktion Die Linke und Piraten, meinte, dass es sehr schwer sei, ein besserer Landrat zu sein als Stolz es ist. Und auch Burkhard Schalhorn (KWGP) bedankte sich bei Stolz für die gute Zusammenarbeit und kündigte an, für ihn zu stimmen.

Einen Wunsch an Stolz hatten die Fraktionschefs von SPD und FDP jedoch. „Manchmal haben Sie immer noch die Bürgermeister-Mütze auf, setzen Sie doch mal den Landrat-Hut auf, der würde Ihnen gut stehen“, formulierte es Bremer. Stolz solle als Landrat häufiger auch mal die Kontroverse suchen, um seine Interessen zu vertreten, riet Birke. Denn in einigen Punkten, meinten sowohl Birke als auch Bremer, nehme Stolz zu sehr Rücksicht auf die Belange der Kommunen statt ausschließlich die Interessen des Kreises durchzusetzen.

Nachdem das Ergebnis der Wahl bekannt war, bedankte sich Stolz für das Lob, das die Kreispolitiker ihm ausgesprochen hatten. „Wenn ich auch nicht alle Stimmen erhalten habe, empfinde ich das als ehrliches Ergebnis. Und ich möchte mich auch für Ihre Kritik bedanken, darin habe ich mich wiedergefunden“, sagte Stolz. Allerdings stehe er hinter der kommunalen Familie. „Man kann keine Solidarität ohne Gegenleistung erwarten. Wir sind in einer Schicksalsgemeinschaft mit den Gemeinden, denn dort leben unsere Bürger“, begründete er, dass er oft versuche, die Belange der Kommunen zu berücksichtigen.

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erstellt am 20.Nov.2015 | 00:36 Uhr

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